Männerverein Warum sich ein Frankfurter Gesellschaftsclub nicht für Frauen öffnen will

Die Mehrheit eines Frankfurter Herrenclubs hat für die Aufnahme von Frauen in den Verein gestimmt. Doch einige Männer wollen unter sich bleiben – und klagen erneut.
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In dem Prachtbau residiert die 1919 gegründete Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft. Quelle: PR Foto
Villa Bonn in Frankfurt

In dem Prachtbau residiert die 1919 gegründete Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft.

(Foto: PR Foto)

FrankfurtHaben womöglich einige Mitglieder beide Arme zur Abstimmung gehoben? Was wollten diejenigen eigentlich ausdrücken, die während des Auszählens der Stimmen den Saal verließen? Hätte doch alles per Mitschnitt aufgezeichnet werden müssen? Überhaupt: Lief an jenem 2. November 2015 bei der außerordentlichen Versammlung der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft alles rechtens ab?

Um solche Fragen ging es am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht Frankfurt (Az. 3 U 22/17). Mehrere Zeugen schilderten ihren Eindruck von der Abstimmung vor zweieinhalb Jahren – und bei den meisten blitzte durch, ob ihnen das Ergebnis missfällt oder nicht.

Vorgeblich streiten sich die Frankfurter Gesellschaft, ein eingetragener Verein, und einige ihrer Mitglieder um das Verfahren der Abstimmung. Tatsächlich aber hat das langjährige Vereinsmitglied Knut Günther geklagt, weil er verhindern will, dass Frauen aufgenommen werden. Genau das hatte nämlich die Mehrheit damals entschieden.

Deshalb hat Günther, ein Kunsthändler, den Beschluss angefochten. Vor dem Landgericht kassierte er bereits eine Niederlage. Jetzt muss die nächste Instanz entscheiden.

Der eigentliche Vereinszweck sei das „Gespräch von Mann zu Mann“, hatte Günther in einer Verhandlung vor dem Landgericht gesagt, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb. Weil an jenem Abend der Antrag abgelehnt wurde, geheim abzustimmen, hätten nicht wenige Mitglieder unter großem öffentlichen Druck gestanden, so Günter demnach. Am Donnerstag nach dem Gerichtstermin wollten sich weder Günther, der seit 1972 Mitglied ist, noch sein Anwalt äußern.

Der Konflikt bewegt die Frankfurter Gesellschaft schon seit langem – und schadet ihrem Image mehr und mehr. Schließlich will man nicht als Club der Ewiggestrigen dastehen. Zumal vergleichbare Vereine in anderen Städten sich längst und teils vor Jahrzehnten für Frauen geöffnet haben – die „Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg“ beispielsweise schon 1926. Je länger der Streit in Frankfurt andauert, umso mehr aus der Zeit gefallen wirkt die Gesellschaft. Auch im Verein schütteln viele den Kopf angesichts der überaus konservativen Klägerseite.

„Führende Frankfurter Persönlichkeiten“, so das Selbstbild des Vereins, gehören ihm an. Banker, Anwälte, Wissenschaftler, Politiker und Kulturschaffende – ob prominent oder weniger bekannt, ob noch aktiv im Berufsleben oder im Ruhestand. Auch mehrere Frauen wurden inzwischen aufgenommen.

„Ich bin hier das einzige Mitglied ohne Glied“

Die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) ist seit langem dabei – qua Amt und selbst das nicht ohne Diskussionen. Schon als Roth 1995 Oberbürgermeisterin wurde, waren sich im Verein nicht alle einig, ob man eine Frau aufnehmen müsse. Roth revanchierte sich mit einem inzwischen oft zitierten Spruch: „Ich bin hier das einzige Mitglied ohne Glied.“

Seit 1919 gibt es die Frankfurter Gesellschaft, seither treffen sich die Mitglieder regelmäßig in der Villa Bonn, einem großbürgerlichen Palais in der Nähe des Grüneburgparks – ihr gehört der Prachtbau auch.

Die große Abstimmung Anfang November 2015 fand indes im Gesellschaftshaus des Palmengartens, einig hundert Meter entfernt von der Residenz des Vereins statt. Schließlich kamen zu diesem Treffen weitaus mehr Mitglieder als sonst. Das Ergebnis, dass die Wahlkommission anschließend festhielt: 184 Mitglieder stimmten für die Öffnung für Frauen, 46 votierten dagegen, acht enthielten sich. Gemessen an den abgegebenen 238 Stimmen waren also gut 77 Prozent für die Satzungsänderung.

Der Anwalt des Klägers stellte nun aber unter anderem in Frage, ob zur Grundgesamtheit nicht auch diejenigen mitgezählt hätten werden müssen, die anwesend waren, aber keine Stimme abgaben. Seiner Ansicht nach deutet ohnehin viel darauf hin, dass die Abstimmung chaotisch verlaufen ist. Dem widersprach Gesellschaftspräsident Rüdiger von Rosen, der lange an der Spitze des Deutschen Aktieninstituts stand. Der Vorwurf, die Abstimmung sei unprofessionell oder chaotisch verlaufen, „trifft mich hart“, sagte er.

Das Gericht jedenfalls will noch weitere Zeugen hören. Der Prozess wird in einer Woche fortgesetzt. Fraglich ist allerdings bereits jetzt, ob viele Frauen eine Mitgliedschaft überhaupt noch anstreben.

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