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Märkte Die Zinsen stehen kopf – droht ein Wirtschaftsabschwung?

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„Todsicheres“ Zeichen für Rezession

Doch bisher bleiben die meisten Notenbanker gelassen. Sie sehen in der flachen Zinskurve lediglich eine Folge ihrer eigenen Geldpolitik. Massive Käufe von Anleihen haben die langfristigen Zinsen gedrückt. Wenn die Fed jetzt die Leitzinsen, die ja kurzfristig sind, anhebt, kommt es zwangsläufig zu einer Annäherung. Fed-Chef Powell erwähnte am Dienstag in seinem Bericht an den Kongress die Zinskurve nicht. Er pries dagegen die Stärke der US-Konjunktur.

Er betonte aber, das Inflationsziel von zwei Prozent in den USA sei „symmetrisch“, die Preissteigerung könne „mal drunter, mal drüber“ liegen. Damit verschafft er sich Spielraum, bei einer schwächeren Entwicklung die Inflation etwas laufen zu lassen, um die Konjunktur zu schonen. Denn in den vergangenen Jahren bewegte sich die Preissteigerung die meiste Zeit deutlich unterhalb der zwei Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat diese Freiheit nicht, nach ihrer eigenen Definition bedeutet Preisstabilität „nahe bei, aber unter zwei Prozent“.

Ähnlich wie Powell sind die meisten Geldpolitiker bisher nicht alarmiert. Aber es gibt Ausnahmen. Raphael Bostic, Chef der Fed Atlanta, bezeichnete kürzlich jede Inversion als „todsicheres“ Zeichen für eine Rezession. Er will diese Situation daher auf jeden Fall vermeiden. Einen Ausweg könnten steigende Langfristzinsen in den USA bieten.

Einige Experten erwarten einen Anstieg der Rendite von zehnjährigen Papieren auf 3,5 Prozent, damit wäre wieder etwas mehr Abstand geschaffen. Kompliziert werden solche Vorhersagen vor allem dadurch, dass die Finanzmärkte international immer enger verknüpft sind.

Eigentlich sollte die starke US-Konjunktur zusammen mit der härteren Geldpolitik der Fed auch im langfristigen Bereich für einen deutlicheren Anstieg der Renditen als bisher schon sorgen. Vor allem, weil die Fed auch langsam ihre Bestände an langfristigen Papieren abbaut, damit also die Kurse unter Druck setzt und im Gegenzug für steigende Renditen sorgt.

Schon seit Jahren kaufen aber europäische und asiatische Investoren US-Zinspapiere auf, weil sie bei sich zu Hause kaum noch Prozente bekommen. Deswegen ist es möglich, dass die Kurve in Amerika so lange sehr flach bleibt, bis die EZB deutlicher ihre Zinswende einleitet. Aus heutiger Sicht ist aber erst in gut einem Jahr zum ersten Mal eine Erhöhung des Leitzinses der EZB zu erwarten.

Eine weitere Frage ist, ob die Euro-Zone irgendwann auch in eine inverse Zinsstruktur hineinläuft. Zurzeit sind die Renditen hier extrem niedrig und in weiten Teilen sogar negativ. Es fragt sich vielleicht auch, ob das nicht ebenso sehr eine Warnung sein sollte wie eine inverse Zinsstruktur.

Schwierig für Anleger

Für Anleger ist die Situation schwer einzuschätzen. Über den Zinsmärkten hängt die Erwartung, dass die Renditen irgendwann steigen, was dann im Gegenzug zu fallenden Kursen führt, weil neue, höher verzinste Papiere die älteren unattraktiver machen. Viele Experten, etwa bei der US-Bank JP Morgan und der Fondsgesellschaft Amundi, sind sehr vorsichtig mit Anlagen im Zinsbereich geworden und raten eher dazu, Aktien zu kaufen, obwohl die gerade in den USA schon hoch bewertet sind.

Stellt sich aber heraus, dass es wirklich zu einer Rezession kommt, dann könnten Aktien stärker unter die Räder kommen und langfristige US-Staatsanleihen wieder als sicherer Hafen gelten. Letztlich befinden sich die Märkte wahrscheinlich in einer Art Endspiel, wo es gilt, noch weiter von der guten Konjunktur zu profitieren, aber den Zeitpunkt zum Umstieg nicht zu verpassen. Daher lohnt es sich, als eines der möglichen Warnzeichen die Entwicklung der Zinskurve im Auge zu behalten.

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1 Kommentar zu "Märkte: Die Zinsen stehen kopf – droht ein Wirtschaftsabschwung?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Natürlich droht ein neuer Wirtschaftsabschwung. Man muß ihn nur 1000 Mal vorhersagen. Irgendwann wird er dann schon kommen. Am Schluß hat man doch recht.

    In der Astrologie ist es so ähnlich. Die Sterne lügen nicht. Aber die Astrologen reden dummes Zeug.

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