Malaysischer Staatsfonds 1MDB Goldman Sachs im Strudel eines Milliarden-Skandals

Mitarbeiter der Bank haben laut US-Ermittlern geholfen, Milliarden aus dem malaysischen Staatsfonds abzuzweigen. Zentrale Figur ist ein Deutscher, der einst als Top-Talent des Geldhauses galt.
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Die US-Investmentbank holt der Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB wieder ein. Quelle: Reuters
Goldman Sachs

Die US-Investmentbank holt der Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB wieder ein.

(Foto: Reuters)

BangkokMan müsse bei den Regierungsvertretern wohl etwas „schleimen“ und „Kuchen schicken“ – so vereinbarte es der deutsche Goldman-Sachs-Banker Tim Leissner 2014 in einem Chat mit dem umtriebigen malaysischen Geschäftsmann Jho Low. Wenig später wanderten laut US-Ermittlern rund 4,1 Millionen US-Dollar von einem Konto Leissners auf das eines Juweliers in New York.

Die Beamten gehen davon aus, dass mit dem Geld Schmuck für Rosmah Mansor gekauft wurde – die Frau des früheren malaysischen Regierungschefs Najib Razak. Nun soll Leissner dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Die US-Behörden rollen den Skandal um den Pleite gegangenen malaysischen Staatsfonds 1MDB weiter auf. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen drei Personen erhoben. Leissner werfen die Ermittler Geldwäsche und die Bestechung von ausländischen Beamten vor.

Laut der Anklageschrift bekennt sich Leissner bereits schuldig. Er muss eine Kaution von 20 Millionen Dollar hinterlegen und zunächst 43,7 Millionen US-Dollar erstatten. Die endgültige Strafe soll im Januar verkündet werden.

Neben Leissner wird ein weiterer Banker von Goldman Sachs angeklagt, ebenfalls wegen Geldwäsche und Bestechung: Roger Ng. Ng ist in Malaysia festgenommen worden und soll in die USA ausgeliefert werden, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mitteilte.

Beide Banker sollen eng mit Finanzjongleur Low kooperiert haben. Der gilt als Strippenzieher in dem Skandal, bei dem es sich um einen der größten der modernen Finanzgeschichte handelt. Insgesamt wurden laut internationalen Ermittlern zwischen 2,7 und 4,5 Milliarden US-Dollar aus dem Staatsfonds veruntreut.

Der Fonds wurde von Malaysias Ex-Regierungschef aufgesetzt – mit dem angeblichen Ziel durch Investitionen die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Doch viele der Gelder endeten schließlich in allen möglichen Anlagen und Luxusgütern: in der Produktion von „The Wolf of Wall Street“, in Juwelen und einer Yacht der Superlative im Wert von rund 250 Millionen US-Dollar. Die Ermittler halten die angeklagten Top-Banker von Goldman Sachs für maßgeblich an dem Schwindel beteiligt.

Ein schwerer Rückschlag für Goldman Sachs

Für die US-Investmentbank sind die Anklagen ein schwerer Rückschlag. Mühsam hatte sie in den vergangenen Jahren versucht, das Image eines gierigen und skrupellosen Instituts hinter sich zu lassen. Doch bei den Machenschaften der nun Angeklagten guckten die internen Aufseher der Bank offenbar nicht genau genug hin.

In der Anklage heißt es, die Geschäftskultur bei Goldman Sachs, insbesondere die in Südostasien, sei darauf fokussiert, Deals abzuschließen. „Gelegentlich ist dieses Ziel gegenüber einem ordentlichen Ablauf der Compliance-Mechanismen priorisiert worden.“

Ermittler interessieren sich offenbar auch für die Rolle der Deutschen Bank, die 1MDB zunächst mit hohen Krediten versorgte. Mehrere Hundert Millionen Euro davon sollen von 1MDB-Verantwortlichen zweckentfremdet worden sein. Zudem wurde die Deutsche Bank laut Ermittlern getäuscht, um bei einer Fremdwährungstransaktion des Fonds ebenfalls große Summen abzuzweigen.

Wie im September bekannt wurde, befragte Singapurs Finanzaufsicht im Zusammenhang mit dem Fall eine frühere Managerin der Deutschen Bank. Werner Steinmüller, der im Vorstand der Deutschen Bank das Asiengeschäft verantwortet, wollte den Fall im Gespräch mit dem Handelsblatt mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht kommentieren.

Für Goldman Sachs ist der Skandal jedoch deutlich unangenehmer – und noch lange nicht beendet. In der Anklageschrift wird ein weiterer Goldman-Sachs-Banker genannt, der ebenfalls an den Machenschaften beteiligt gewesen sein soll. Mehreren Medienberichten zufolge soll es sich dabei um einen früheren Co-Chef des Investment Bankings in Asien handeln.

Für seine Deals wurde Leissner intern gefeiert

Goldman Sachs beurlaubte den Manager am Donnerstag. In einem Statement teilte die Bank mit, sie kooperiere mit den Behörden weiterhin bei allen Ermittlungen.

Goldman Sachs verdiente prächtig an den Geschäften mit dem Staatsfonds: Insgesamt nahm die US-Investmentbank zwischen 2012 und 2013 rund 600 Millionen US-Dollar an Gebühren dafür ein, dass die Platzierung von Anleihen in Höhe von insgesamt 6,5 Milliarden Dollar betreute. 1MDB gehörte somit zu den lukrativsten Kunden für die US-Investment Bank.

Leissner, der das Südostasiengeschäft leitete, wurde für die Deals bei Veranstaltungen als Vorbild gepriesen. Der Deutsche mit einem Abschluss der Uni Siegen gehörte zu den gefeierten Talenten im Haus – und kassierte üppige Boni.

Doch offensichtlich ging bei seinen Geschäften vieles nicht mit rechten Dingen zu. Die Staatsanwälte werfen Low, Ng und Leissner vor, sie hätten große Summen der Mittel abgezweigt und im US-Finanzsystem gewaschen. Ein Teil der Gelder soll verwendet worden sein, um sich Geschäfte für Goldman Sachs zu erschleichen.

Während sich die Goldman-Sachs-Banker Leissner und Ng nun vor Gericht rechtfertigen müssen, entzieht sich Low einem Verfahren. Sein Aufenthaltsort ist ungewiss. Über seine Sprecher und eine eigene Website beteuert er immer seine Unschuld. Behörden in mehreren Ländern gehen gegen ihn vor, unter anderem wurde seine 250 Millionen Dollar teure Luxusyacht beschlagnahmt. Der malaysische Staat versucht das Schiff nun zu verkaufen, bis Ende November läuft eine Versteigerung.

Eng könnte es auch für Rosmah werden, also jener Frau, der Leissner offenbar half, ihren Schmuck zu finanzieren. Ihr Ehemann Najib ist in diesem Jahr abgewählt worden – auch aufgrund des gigantischen Korruptionsskandals. Kurz nach dem Machtwechsel trugen Ermittler aus Appartements des Ehepaars Juwelen im Wert von Dutzenden Millionen Euro.

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