Malaysischer Staatsfonds Betrugsskandal 1MDB – neue Details belasten Blankfein und Goldman Sachs

Neue Details rücken Goldmans Firmenkultur und seinen Ex-Chef in den Fokus. Der soll einen umstrittenen Geschäftsmann gleich zwei Mal getroffen haben.
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Lloyd Blankfein, Senior Chairman von Goldman Sachs, spricht in New York auf einer Bankenkonferenz. Warum traf er einen umstrittenen Geschäftsmann, obwohl er anscheinend von der eigenen Bank gewarnt worden war? Quelle: AFP
Lloyd Blankfein

Lloyd Blankfein, Senior Chairman von Goldman Sachs, spricht in New York auf einer Bankenkonferenz. Warum traf er einen umstrittenen Geschäftsmann, obwohl er anscheinend von der eigenen Bank gewarnt worden war?

(Foto: AFP)

New YorkEigentlich wollte Lloyd Blankfein nach zwölf Jahren an der Spitze von Goldman Sachs nun seinen Ruhestand genießen und ohne Eile ausloten, welche öffentlichen Aufgaben er künftig übernehmen will. Doch nur wenige Wochen nach dem Wechsel an der Spitze der Investmentbank gerät Blankfein wieder in die Schlagzeilen.

Im Zentrum steht die Frage, was er über den Betrugsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB wusste. Das US-Justizministerium hatte vergangene Woche Klage gegen zwei ehemalige Goldman-Banker, Tim Leissner und Roger Ng erhoben, ebenso wie gegen den umstrittenen malaysischen Geschäftsmann Jho Low.

Blankfein soll als Goldman-Chef zwei Mal an Besprechungen teilgenommen haben, an denen auch Low präsent war, berichten US-Medien übereinstimmend. Das erste Mal, 2009 in New York, soll Blankfein den damaligen malaysischen Premierminister Najib Razak getroffen haben. Das Treffen sollen von Leissner und Ng vorbereiten haben und Razak soll von Low begleitet worden sein, heißt es.

2013 dann soll Blankfein rund 20 wichtige Kunden der Bank mit dem malaysischen Premier zusammengebracht haben. Bei dem Treffen in New York soll Low ebenfalls anwesend gewesen sein. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, habe Goldmans Compliance-Abteilung zu dem Zeitpunkt bereits davor gewarnt, Geschäfte mit Low zu machen.

Low steht im Zentrum des Betrugsskandal um den pleite gegangenen malaysischen Staatsfonds 1MDB, bei dem mehrere Milliarden Dollar verschwunden sein sollen. Die US-Staatsanwaltschaft wirft Low, Leissner und Ng vor, die Gelder gewaschen und ausländische Beamte bestochen zu haben. Der deutschstämmige Leissner hat sich bereits schuldig bekannt. Goldman war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Die Investmentbank hat in den Jahren 2012 und 2013 Anleihen im Wert von über sechs Milliarden Dollar für 1MDB begeben und dadurch rund 600 Millionen Dollar an Gebühren kassiert. Gut drei Milliarden Dollar sollen laut US-Staatsanwaltschaft durch Low, Leissner und Ng entwendet worden sein.

Wie am Freitag bekannt wurde hat Leissner bei seinem Schuldbekenntnis auch ein schlechtes Licht auf die Unternehmenskultur des Wall-Street-Hauses geworfen. Er habe immer wieder gegenüber der Compliance-Abteilung bestritten, dass Low eine Rolle in den 1MDB-Deals gespielt habe.

Doch das sei „sehr übereinstimmend mit der Kultur von Goldman Sachs, Fakten vor bestimmten Mitarbeitern aus der Compliance- und Rechtsabteilung zu verheimlichen“, sagte Leissner Ende August vor Gericht in Brooklyn. Das Protokoll wurde jedoch erst am Freitag veröffentlicht.

Blankfein, der noch bis Ende des Jahres Goldmans Verwaltungsratschef ist, hatte den Skandal vergangene Woche herunter gespielt. „Diese Typen sind unseren Schutzmaßnahmen ausgewichen und haben uns angelogen. So etwas kann immer mal passieren“, sagte er auf einer Konferenz der „New York Times“.

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