Manipulationsvorwürfe Krankenkassen-Finanzausgleich soll auf den Prüfstand

Bis auf die AOKen wollen alle Krankenkassen den Finanzausgleich zwischen einander neu regeln. Doch Gröhes Prüfauftrag wegen Manipulationen dürfte anderes im Sinn haben – und wird politisch begrüßt.
Kommentieren
Der in die Kritik geratene Finanzausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen soll in einem Sondergutachten überprüft werden. Quelle: dpa
Mögliche Manipulation

Der in die Kritik geratene Finanzausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen soll in einem Sondergutachten überprüft werden.

(Foto: dpa)

BerlinNach Manipulationsvorwürfen will Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den Finanzausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen überprüfen. Gröhe gab dazu beim Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesversicherungsamt ein Sondergutachten zum sogenannten an den Krankheiten der einzelnen Krankenversicherten orientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) in Auftrag, wie die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch) berichtete.

Wie das Ministerium bestätigte, soll das Sondergutachten unter anderem herausfinden, wie der Finanzausgleich gegen Manipulationen geschützt werden kann. Das Gutachten solle bis zum 30. September nächsten Jahres vorliegen. Zu der von manchen Kassen verlangten kurzfristigen Änderung des RSA werde es demnach nicht kommen.

Der Finanzausgleich regelt über den Gesundheitsfonds die Verteilung von jährlich mehr als 200 Milliarden Euro unter den Kassen. Er war ins Gerede gekommen, nachdem der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, auf „Schummeleien“ bei der sogenannten Kodierung von Krankheitsbildern hingewiesen hatte. Auf Basis der von Ärzten per Kodierung festgestellten Erkrankungen bekommen die Kassen mehr oder weniger Geld. Das schafft Anreize, Patienten auf dem Papier kränker zu machen, als sie sind.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
1 von 9

Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
2 von 9

Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
3 von 9

Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
4 von 9

Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
5 von 9

Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
6 von 9

Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
7 von 9

Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) nahm dies zum Anlass, ihre Forderung nach einem regionalen Ausgleichsfaktor zu bekräftigen. „Auch die regionalen Fehlverteilungen müssen jetzt auf den Prüfstand. Ansonsten greift das Gutachten zu kurz.“ Angesichts der Manipulationsanfälligkeit und der Benachteiligung von Hochlohn- und Hochpreisregionen wie Bayern dürfe eine Reform des Morbi-RSA nicht länger auf die lange Bank geschoben werden.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünenfraktion, Maria Klein-Schmeink, begrüßte ausdrücklich, „dass nun auch der Gesundheitsminister endlich aktiv geworden ist, um Schieflagen im Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen zu analysieren“. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, „damit unser Solidarsystem keinen Schaden nimmt“. Leider springe der Erlass zu kurz. „Wir brauchen dringend weitere gesetzgeberische Maßnahmen um die Datengrundlage zu schaffen, die eine umfassende Evaluation benötigt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Manipulationsvorwürfe - Krankenkassen-Finanzausgleich soll auf den Prüfstand

0 Kommentare zu "Manipulationsvorwürfe: Krankenkassen-Finanzausgleich soll auf den Prüfstand"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%