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Markus Braun Wie der Wirecard-Chef zu „Mr. Fintech“ wurde

Wirecard ist mehr wert als die Deutsche Bank. Dank dieses Kunststücks gilt Markus Braun inzwischen als Inbegriff von „Fintech“ in Deutschland.
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Durch den Aufstieg in den Dax wird er häufiger in der Öffentlichkeit stehen. Quelle: Wirecard
Markus Braun

Durch den Aufstieg in den Dax wird er häufiger in der Öffentlichkeit stehen.

MünchenEine Beteiligungsfirma des neuen Stars am Börsenhimmel hat einen einprägsamen Namen: Holyghost. Und tatsächlich ist auch Markus Braun, 49, wie der Heilige Geist über die deutsche Finanzszene gekommen. Er gilt inzwischen als Inbegriff von „Fintech“ in Deutschland.

Zum Erstaunen vieler steht Brauns Hauptbetätigungsgebiet, die Wirecard AG aus der Gewerbegebiets-Tristesse von Aschheim bei München, kurz vor dem Sprung in den Dax, der Oberklasse börsennotierter Unternehmen.

Nicht nur, dass die Firma seit dieser Woche mit fast 22 Milliarden Euro Marktkapitalisierung sogar mehr wert ist als die Deutsche Bank, nein im Stil einer Wunderaktie meldet Dr. Brauns Digitalisierungseinheit Rekord auf Rekord. Am Donnerstag kommunizierte Wirecard sagenhafte Wachstumsraten bei Umsatz (plus 46 Prozent) und operativem Gewinn (plus 39 Prozent) fürs erste Halbjahr, die Prognose wurde angehoben.

Und auf einmal erscheint das Ziel, im Jahr 2020 mehr als drei Milliarden Euro zu erlösen, alles andere als illusorisch. 2017 war die Hälfte davon angefallen.

„Wir verzeichnen ein starkes organisches Wachstum“, kommentiert Prinzipal Braun, die Digitalisierung stehe eben in vielen Branchen erst am Anfang. Er sieht sich als Großprofiteur ihres Siegeszugs.

Kaum zu glauben, wie ein Einzelner den Dax-Aspiranten über so viele Hebel beherrschen kann. Als Vorstandschef und Technologievorstand, sowie auch als Hauptgesellschafter – der über seine MB Beteiligungsgesellschaft mehr als sieben Prozent hält –, übt er seine Macht aus. Als der Kurs zwischendurch mal fiel, kaufte der Österreicher nach.

Das hier ist sein Spiel, nicht das irgendwelcher Vermögensverwalter oder Hedgefonds.

Geradezu auffällig ist, wie in einer Zeit der „CEO-Kommunikation“, mit dem Loblied auf charismatische Firmenlenker, der Erste Mann von Wirecard ziemlich unsichtbar ist, von Hauptversammlungen einmal abgesehen. Große Interviews oder gar Homestories sind nicht seine Favoriten, allenfalls Hintergrundgespräche, in denen der promovierte Wirtschaftsinformatiker aus Wien seine Lust an technologischen Fragen auslebt.

Vorreiter beim Digital Pay

Schon früh, in je drei Beraterjahren in Wien und München (dort bei KPMG), ließ ihn sein Faible für „eStrategy“ Karriere machen. 2002 wandte er sich Digital Pay zu, dem elektronischen Zahlungsverkehr neuer Art. Aus der Hülle der börsennotierten Info Science AG machte er mit Wirecard einen Überflieger des Aktienwesens.

Die alten Stammkunden aus der Porno- oder Gamblingindustrie verschwanden in der Versenkung angesichts der neuen seriösen Klientel aus dem Airline-Business oder dem Einzelhandel.

Nur bei Treffpunkten der Internetszene überwindet Aufsteigerlegende Braun seine Öffentlichkeitsscheu, zum Beispiel bei Hubert Burdas DLD in München (den er mitsponserte) oder beim Paris Fintech-Forum. Bei solchen Gelegenheiten preist er „Entrepreneurship“, fordert zum Verlassen der „Komfortzone“ auf und schildert, wie Wirecard das „next big thing“ sucht, das nächste große Ding.

Durch den Aufstieg in den Dax wird Mister Wirecard demnächst öfter im Scheinwerferlicht stehen. In den vergangenen Jahren musste er immer mal wieder gegen abträgliche Geschichten über Bilanztricks in Publikationen wie „Financial Times“ und „Manager Magazin“ argumentieren.

Aber noch jede Angriffswelle federten die Macher aus Aschheim ab. Sie expandierten unter Brauns Führung ins Bankgeschäft, fühlen sich im Risikomanagement zuhause, puschten den Kauf von Techfirmen auf allen Kontinenten und starteten die App „Boon“ für das Bezahlen via Handy an der Ladenkasse.

Kritische Reports wie von Credit Suisse, die Anfang 2017 eine „schwierige Story“ erblickten, „mit unübersichtlichen Berichten und zahlreichen Zukäufen, die es zu verdauen gilt“, sind längst vergessen.

Wie das in solchen Fällen so ist: Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg. Und keiner weiß die Erwartungsmaschine so gut zu bedienen wie CEO-CTO-Großaktionär Braun. „It never stops“ sagt er zum digitalen Wandel: „Es hört nie auf“. Seine Holyghost GmbH aber hat damit nichts zu tun: Dahinter steckt ein Modegeschäft in München.

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