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Martin Chavez Einer der profiliertesten Manager von Goldman Sachs wirft hin

Zeitweise wurde Martin Chavez bei Goldman Sachs als CEO gehandelt. Nun verlässt er die Investmentbank – und begibt sich vom Handelsparkett in den Hörsaal.
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„Meine oberste Priorität war immer, ein ruhiges Gewissen zu haben.“ Quelle: Karsten Moran/Redux/laif
Martin Chavez

„Meine oberste Priorität war immer, ein ruhiges Gewissen zu haben.“

(Foto: Karsten Moran/Redux/laif)

New York Martin Chavez hat seinen Ausstieg seit Monaten geplant. Der langjährige Goldman-Sachs-Manager will an die Westküste ziehen, mehr Zeit für die Familie haben und sich stärker mit der Tech-Szene beschäftigen, erklärte er Goldman-Chef David Solomon, der am Dienstag Chavez‘ Weggang zum Jahresende verkündet hat.

Chavez war zuletzt Co-Chef des schwächelnden Wertpapiergeschäfts, zuvor war er Finanzchef, eine Rolle, die jedoch nicht richtig zu ihm passte. Die Schnittstelle zwischen Technologie und Finanzen war seine große Stärke, auch deswegen galt er zeitweise als Anwärter auf den Chefposten.

Schon einige hochkarätige Manager haben Goldman Sachs verlassen. Seitdem Solomon im vergangenen Oktober die Führung bei der Bank übernommen hat, gab es mehrere Wechsel in den obersten Etagen, auch im Handelsgeschäft. Die damaligen Co-Chefs Pablo Salame und Isabelle Ealet verließen die Bank.

Mit Solomon haben die Investmentbanker wieder das Sagen in der Bank. Zuvor unter Lloyd Blankfein gaben die Trader in der Bank den Ton an. Chavez war ein Protegé von Blankfein, der bis 2018 Vorstandschef war. Solomon hat einen umfassenden Umbau angekündigt, der Goldman zu neuem Wachstum verhelfen soll. Details dazu will er im Herbst seinen Investoren präsentieren.

1993 kam Chavez als Energiestratege für den Rohstoffhandel zu Goldman. Später verließ er die Investmentbank, gründete ein Softwareunternehmen für den Energiehandel und kehrte 2005 zu Goldman zurück. Von Anfang an bekannte sich der 55-Jährige offen zu seiner Homosexualität, damals eine echte Seltenheit.

1993 war ich der seltsame schwule Typ in der Firma. Doch nun habe ich aufgehört zu zählen. Martin Chavez

„1993 war ich der seltsame schwule Typ in der Firma“, erinnerte er sich im Frühjahr auf einer Konferenz in New York. „Doch nun habe ich aufgehört zu zählen.“ Goldman bemüht sich, wie viele andere Großbanken, um mehr Diversität, was erste Erfolge zeigt.

Chavez ist sich treu geblieben. „Wenn mir jemand sagt, die Karriere an der Wall Street sei das Wichtigste für ihn oder sie, dann unterstütze ich das, aber ich will mit der Person nicht meine Freizeit verbringen“, sagte er der „New York Times“. „Meine oberste Priorität war immer, ein ruhiges Gewissen zu haben, an zweiter Stelle kommen meine Kinder. Nummer drei war Goldman Sachs.“

Sein Nachfolger wird der deutschstämmige Goldman-Manager Marc Nachmann, der aus London nach New York ziehen wird. Der Wertpapierhandel war einst die Profitmaschine von Goldman Sachs, ist seit der Krise jedoch nicht mehr zu alter Stärke zurückgekehrt. Die Umsätze liegen heute rund 60 Prozent unter denen von vor zehn Jahren.

Das große Verdienst von Chavez: Goldman investierte frühzeitig viel Geld in neue Technologien und trug maßgeblich dazu bei, dass Programmierer stärker integriert wurden. „Technologie zieht sich durch alle Teile unserer Bank“, betonte Finanzchef Stephen Scherr Anfang der Woche im Handelsblatt-Interview. Nicht nur im Handelsgeschäft, sondern auch in der Investmentbank und im Privatkundengeschäft werde in neue Systeme investiert.

Chavez, der in den vergangenen Jahren sich regelmäßig selbst neue Programmiersprachen beibrachte, wird sich künftig auch weiter mit dem Feld beschäftigen. An der Eliteuniversität in Stanford wird er einen Kurs unterrichten mit dem provokanten Titel „Wie Software die Finanzindustrie aufaß“. Zudem denkt er Medienberichten zufolge über eine Rolle als Risikokapitalgeber nach.

Chavez pflegt enge Verbindungen zu Googles ehemaligem Vorstandschef Eric Schmidt sowie zum deutschstämmigen Gründer und Silicon-Valley-Investor Peter Thiel. Chavez interessiert sich für den Gesundheitsbereich. „Der nächste große Durchbruch wird sein, das Leben – Gene, Zellen, Organe – programmierbar zu machen“, so Chavez. Ein paar Monate will er sich nach seinem Ausscheiden zum Jahresende Ruhe gönnen. Doch danach wolle er sich zurückmelden, versicherte er.

Mehr: Goldman-Sachs-Finanzchef Stephen Scherr über die Risiken des Handelsstreits mit China, den europäischen Bankenmarkt und warum das Finanzhaus ins Geschäft mit Kreditkarten einsteigt.

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