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Masayoshi Son Softbank macht WeWork ein verlockendes, aber gefährliches Milliarden-Angebot

Softbank will aus der Not eine Tugend machen und WeWork mit einem Milliarden-Paket retten. Das wären de facto Übernahme, Kurswechsel – und ein großes Risiko.
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Der Softbank-Gründer geht notfalls selbst ins Risiko. Quelle: imago/ZUMA Press
Masayoshi Son

Der Softbank-Gründer geht notfalls selbst ins Risiko.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Tokio Entscheidungen verraten mitunter viel über denjenigen, der sie trifft. Das ist in besonderem Maße auch bei Masayoshi Son so. Denn der Softbank-Gründer gilt als extrem agil, wenn es um Weichenstellungen für sein Unternehmen geht. Start-up-Gründer berichteten, dass Son ihnen nach nur kurzen Vorstellungsgesprächen sogar manchmal mehr Geld gab, als sie vom Chef des weltgrößten Tech-Fonds erbeten hatten.

Sons aktueller Übernahmeversuch des Bürovermittlers WeWork verrät nun einen weiteren Charakterzug: Der Herr über den Softbank Vision Fund ist auch extrem konsequent, wenn er von einer Idee oder einem Unternehmen überzeugt ist. Und das selbst dann noch, wenn die Finanzwelt ihn warnt.

Son bietet dem Vorstand der WeCompany, wie WeWork inzwischen heißt, laut der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“, an diesem Dienstag einen insgesamt 9,5 Milliarden US-Dollar großen Rettungsanker an. Wohlgemerkt: Son schickt im Gegensatz zu seinen bisherigen WeWork-Investitionen nicht seinen Softbank Vision Fund vor, weil seine Partner im Softbank Vision Fund keine weiteren Gelder in WeWork stecken wollten.

Stattdessen soll die Softbank-Gruppe als Konzernmutter die erheblichen Belastungen stemmen. Softbank will laut „Nikkei“ fünf Milliarden der We-Schulden übernehmen, bestehenden Aktionären Aktien im Wert von drei Milliarden Dollar abkaufen und eine für 2020 geplante Investition Softbanks in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vorziehen.

Der Deal würde den Wert der WeComp auf nur noch sieben bis neun Milliarden US-Dollar beziffern, schreibt „Nikkei“. Bei seiner jüngsten Investition im Jahr 2018 in das Start-up taxierte Son den WeWorks-Wert noch auf 47 Milliarden US-Dollar.

WeWorks Kollaps hatte zuletzt die Sorge geweckt, dass auch Softbanks Bilanz leiden würde. Aber Son will sich nun an dem Leid gütlich tun. Als Gegenleistung für den Wertverlust will Softbank nicht nur die Aktienmehrheit kontrollieren, sondern auch das Management.

Softbanks Chief Operating Officer Marcelo Claure würde in diesem Fall den Verwaltungsratsvorsitz der WeComp übernehmen. Beim Start-up würde Sons Mann für dessen lateinamerikanischen Investitionen dann versuchen, was er zuvor bei Sons früherer gewagten Wette auf den US-Mobilkonzern Sprint getan hat: einen schlingernden Hoffnungsträger Sons auf Kurs bringen.

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Das Angebot stellt eine von Sons radikalen Kurswenden dar. Bisher hatte er die Marschrichtung ausgegeben, dass Softbank und sein Tech-Fonds mit 20 bis 40 Prozent nur Minderheitsanteile an Start-ups übernehmen, die eines auszeichnet: Sie müssen versuchen, mit künstlicher Intelligenz und Internettechnologien bestehende Industrien umzuwälzen oder neue Geschäftsfelder zu schaffen.

Die Gründer sollten mit Son als Leitfigur dessen historische Mission verfolgen: Softbank zum führenden Unternehmen in der Epoche künstlicher Intelligenz, Robotern und vernetzter Dinge zu machen.

Für WeWork allerdings war er schon 2018 bereit, eine Ausnahme zu machen. Son gestand dem Bürovermittlers mehr Potenzial zu als seinem bisher größtem Coup, dem frühen Einstieg bei Chinas Online-Handelsplattform Alibaba, die 2014 den größten Börsengang der Welt feierte. Im Dezember 2018 versuchte Son seine Partner im Softbank Vision Fund zu überzeugen, weitere 16 Milliarden US-Dollar in WeWork zu investieren und damit die Kontrolle zu übernehmen.

Zwar lehnte gerade sein Hauptgeldgeber, der saudische Pensionsfonds, dieses Abenteuer ab – Sons Partnern waren WeWorks Bewertung, Schulden und Risiken schlicht zu hoch. Aber die Zurückweisung stoppte Son nicht, der offenbar weiterhin an eine großartige Zukunft WeWorks glaubt.

Statt seinem Fonds belastet er nun sein Unternehmen, um WeWork radikaler und schneller nach seinen Vorstellungen reformieren zu können. Und die neue Marschgabe für sein Team ist offenbar, bei aller Angriffslust die Profitabilität nicht zu vergessen.

Son ist kein typischer Finanzinvestor

Es wäre auch keine Überraschung, wenn Son sich selbst die Hände im Sanierungsgeschäft schmutzig machen würde. Bei seiner 21-Milliarden-Dollar-Wette auf Sprint übernahm er nicht nur die Rolle des Verwaltungsratsvorsitzenden, sondern mischte sich auch sehr aktiv persönlich in das Tagesgeschäft ein. Son ist kein typischer Finanzinvestor, der sich nur vom Schreibtisch um Investitionen kümmert. Er ist Zwitterwesen aus Unternehmer und Investor.

Son begann seine Karriere als Unternehmer. Die von ihm gegründete Softbank war zu Beginn ein Softwarehändler, erst später entdeckte er seine Freude am Investieren. Für ihn selbst stellten diese unterschiedlichen Tätigkeiten mental nie einen Widerspruch dar. Vielmehr sind seine Unternehmen wie seine Investitionen nur Traumerfüllungsinstrumente für Softbanks eigentlichen Daseinszweck. „Softbanks Kerngeschäft ist die Investitionsrevolution“, erklärte Son einst.

Seit der Gründung des ersten, fast 100 Milliarden US-Dollar schweren Softbank Vision Fund im Jahr 2017 hat er nun noch mehr Geld für die Verfolgung dessen, was er als Kerngeschäft versteht und was eher wie eine hochtrabende Mission erscheint. Doch das ist einen Son nicht genug: Inzwischen versucht er, Unternehmen und Fonds zu einer Beteiligung an einem noch größeren Softbank Vision Fund 2 zu überreden.

Der Kollaps von WeWorks Marktwert erschwert seine Versuche vielleicht, aber stoppen wird das Son nicht.Notfalls geht er selbst ins Risiko, wie er bei WeWork zeigt.

Denn Son hält Wagemut für einen überlebenswichtigen Wesenszug Softbanks. „Uns nicht herauszufordern, ist wahrscheinlich ein noch größeres Risiko“, rechtfertigte er die Übernahme von Sprint damals, die zum Schrecken seiner Aktionäre zum Großteil auf Pump finanziert war. WeWork könnte nun ein weiteres Beispiel dafür werden, wie Son tickt.

Mehr: Der Technologiekonzern hat einige Rückschläge erlitten, etwa mit seinen Investments bei WeWork und Uber. Softbank-Chef Son zeigt sich selbstkritisch.

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