Matt Zames verlässt JP Morgan Noch ein Kronprinz geht

Die US-Bank JP Morgan verliert mit Matt Zames einen ihrer wichtigsten Manager. Zames hätte auch als Nachfolger für Bankchef Jamie Dimon getaugt. Solche Abgänge sind kein Einzelfall in der Branche.
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Die US-Bank JP Morgan verliert einen „Kronprinzen“. Quelle: Reuters
JP Morgan

Die US-Bank JP Morgan verliert einen „Kronprinzen“.

(Foto: Reuters)

New YorkEr ist ein Mann für komplizierte Fälle: Matt Zames half im Skandal um den „London Whale“ beim Aufräumen. Seine frühere Karriere bei Hedgefonds kam ihm dabei zugute. Der „Whale“ war ein Händler von JP Morgan in London, der 2012 einen Milliardenverlust verursacht hat. Bankchef Jamie Dimon tat den Vorfall zunächst als „Sturm im Wasserglas“ ab, aber musste später wegen der Affäre sogar auf einen Teil seines Gehalts verzichten.

Leute wie Zames kann eine Bank gebrauchen. Aber der Chief Operating Officer verlässt die Bank, um ein anderes, bisher nicht genanntes Unternehmen zu leiten. Dimon gibt dem 47-Jährigen gute Wünsche mit auf den Weg, bekundet aber auch, „traurig“ wegen des Verlusts zu sein.  Ein Verlust ist es auch deswegen, weil Matt Zames als „Kronprinz“ galt, als einer, der das Zeug hat, Dimons Nachfolger zu werden.

In akute Not gerät die Bank dadurch nicht. Denn der 61-jährige Dimon zeigt keine Anzeichen von Amtsmüdigkeit. Er hat nach der Finanzkrise viel Kritik einstecken und im Namen seiner Bank Milliarden an Strafen und Schadenersatz wegen fauler Immobiliengeschäfte zahlen müssen. Die Altlasten hatte er allerdings überwiegend durch Rettungsaktionen für andere angeschlagene Banken wie Bear Stearns und Washington Mutual ins Haus bekommen.

So gefährlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 17 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – das ist eine weniger als im Vorjahr. Diese Banken müssen ein Prozent mehr Kapital zusätzlich zu der erforderlichen Eigenkapitalquote vorhalten. Unter diesen für das System vergleichsweise nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, ING Bank, die Royal Bank of Scotland und Bank Morgan Stanley.

Klasse 1 – Standard Chartered
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Welche Konsequenzen der Brexit für die britische Standard Chartered haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Bank belegt wie im Vorjahr einen Platz in Klasse 1, die einen Kapitalaufschlag von einem Prozent voraussetzt.

Neu in Klasse 1: Die Credit Suisse.
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Neu in der Klasse 1 ist die US-Bank Credit Suisse, die im Vorjahr noch mehr Kapital vorhalten musste. Jetzt beträgt dieser Zuschlag für das Schweizer Geldhaus nur noch ein Prozent. Sie hat aus Sicht der Regulierer an Relevanz verloren.

Klasse 2 – Barclays
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James Staley, seit Dezember 2015 Chef der britischen Bank Barclays, konnte die Risikoeinstufung des Geldhauses reduzieren. Barclays gehört, wie auch 2016 schon, nur noch der Klasse zwei an. Dort ist ein Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent erforderlich.

Klasse 2 – Wells Fargo
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Wells Fargo spielt mit Barclays in einer Liga. Beide gehörten Klasse 2 an, was einen Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent bedeutet.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten.

Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China
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Für genauso systemrelevant halten die Regulierer die Industrial and Commercial Bank of China. Aufschlag auch hier: 1,5 Prozent.

Nachdem der große Konkurrent Wells Fargo sich mit einem Skandal im Vertrieb selber schweren Schaden zugefügt und die eigene Marktkapitalisierung gedrückt hat, ist Dimon mit seinem Geldhaus unangefochten der wichtigste Banker weltweit. Dass Leute, die in seinem Windschatten segeln, auch für Positionen bei anderen Unternehmen interessant sind und nicht auf seinen Abgang warten wollen, ist kein Wunder.

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein, mit 62 in ähnlichem Alter, hat es ähnlich erwischt. Ihm ist mit Gary Cohn seine Nummer zwei abhandengekommen. Cohn dient seit kurzem zumindest nach außen hin mit demonstrativer Begeisterung US-Präsident Donald Trump als ökonomischer Berater. Ihm werden Ambitionen nachgesagt, Chef der US-Notenbank zu werden, was er allerdings bestreitet.

Ausgerechnet bei Wells Fargo ist dagegen mit Tim Sloan jemand an die Spitze gelangt, der zuvor schon sehr deutlich als „Kronprinz“ präsentiert wurde. Allerdings früher als geplant. Sein Vorgänger John Stumpf musste im vergangenen Sommer wegen des Vertriebsskandals den Chefsessel sehr plötzlich räumen, nachdem er zuvor wahrscheinlich der angesehenste Bankchef Amerikas gewesen war. Immerhin ein Beleg dafür, wie gut es ist, einen möglichen Nachfolger im Haus zu haben.

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