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Medienbericht US-Justiz ermittelt im 1MDB-Skandal offenbar gegen die Deutsche Bank

Eine ehemalige Mitarbeiterin des Frankfurter Instituts ist in den Fokus der Ermittler geraten. Die Bank allerdings sieht sich in der Affäre als Opfer.
Update: 11.07.2019 - 09:34 Uhr Kommentieren
Im Skandal um den malaysischen Staatsfonds gibt es nun offenbar Ermittlungen der US-Justiz gegen das Geldhaus. Quelle: dpa
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt

Im Skandal um den malaysischen Staatsfonds gibt es nun offenbar Ermittlungen der US-Justiz gegen das Geldhaus.

(Foto: dpa)

New York, BangkokDer Korruptionsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB beschäftigt nun auch die Deutsche Bank. US-Behörden ermitteln laut einem Zeitungsbericht gegen das größte deutsche Geldhaus. Das US-Justizministerium prüfe, ob der Finanzkonzern bei seiner Arbeit für den Fonds gegen Korruptions- und Geldwäschegesetze verstoßen habe, schrieb das „Wall Street Journal“ am Mittwochabend (Ortszeit) unter Berufung auf Insider.

Im Zentrum des Skandals stand bislang vor allem Goldman Sachs, Malaysia forderte bereits Milliardenbußgelder und Gefängnisstrafen für Ex-Mitarbeiter.

In den Ermittlungen gegen das größte deutsche Geldhaus geht es offenbar vor allem um die Rolle einer ehemaligen Mitarbeiterin der Bank in der Region. Sie verließ die Deutsche Bank 2018. Zuvor arbeitete sie für Goldman Sachs. Dort war ihr Vorgesetzter der damalige Südostasien-Chef Tim Leissner. Leissner ist maßgeblich in den Betrugsskandal verwickelt und hatte sich im vergangenen Sommer bereits schuldig bekannt.

Er soll dem schillernden malaysischen Geschäftsmann Jho Low und seinen Komplizen dabei geholfen haben, mindestens 4,5 Milliarden Dollar aus dem Staatsfonds zu entwenden, wie aus Gerichtsunterlagen des Justizministeriums hervorgeht. Die Strippenzieher hätten das Geld dazu verwendet, Bestechungsgelder zu zahlen und sich selbst zu bereichern.

Die frühere Deutsche-Bank-Managerin, für die sich nun die US-Ermittler interessieren, stand laut „Wall Street Journal“ auch während ihrer Arbeit für die Deutsche Bank im Kontakt mit Low. Sie wurde im vergangenen Jahr laut dem Finanzdienst Bloomberg von Ermittlern in Singapur befragt.

Die Finanzaufsicht des südostasiatischen Stadtstaates wollte demnach auch von der Deutschen Bank wissen, wie sehr die Person in die 1MDB-Geschäfte eingebunden war. Zu den Hintergründen ihres Abgangs von der Deutschen Bank wollte sich eine Unternehmenssprecherin in Singapur am Donnerstag nicht äußern.

Bank wurden wichtige Informationen vorenthalten

Die Deutsche Bank war laut Gerichtsdokumenten bei einigen Transaktionen des Fonds beteiligt, die sich im Nachhinein als betrügerisch herausstellten. Aus den Dokumenten geht jedoch auch hervor, dass der Bank wichtige Informationen durch 1MDB vorenthalten wurden. „Die Deutsche Bank hat bei allen Anfragen von Regulierungs- und Justizbehörden in Verbindung mit 1MDB vollumfänglich kooperiert“, erklärte ein Unternehmenssprecher in New York. Dass den Vertretern der Bank Dinge falsch dargestellt und wichtige Informationen vorenthalten wurden, „deckt sich mit den eigenen Erkenntnissen der Bank zu diesem Thema“.

Eine Goldman-Sprecherin wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Die Investmentbank hatte stets angegeben, von Leissners Betrug nichts gewusst zu haben. Das Justizministerium hatte im vergangenen Jahr strafrechtliche Klagen gegen Leissner und einen weiteren Goldman-Mitarbeiter eingereicht und untersucht separat auch die Rolle der Bank.

Der 1MDB-Fonds, aus dem Geld verschwunden und an malaysische Regierungsmitglieder zurückgeflossen sein soll, war 2009 zur Wirtschaftsförderung des Landes eingerichtet worden. Wegen Betrugs- und Geldwäscheverdachts laufen jedoch schon länger weltweite Ermittlungen unter Leitung des US-Justizministeriums.

Laut US-Gerichtsdokumenten gab die Deutsche Bank 1MDB im Jahr 2014 Kredite mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Dollar – zu einem Zeitpunkt, als es bereits erste Bedenken gegenüber dem Fonds gab. Ein Großteil des Geldes wurde laut Ermittlern illegal abgezweigt und landete unter anderem auf einem Konto auf den Seychellen.

Low kaufte mit dem Geld der Deutschen Bank den Erkenntnissen zufolge unter anderem eine 250 Millionen Dollar teure Luxusyacht, die er allein für sein Privatvergnügen nutzte. Die Kredite des deutschen Geldhauses seien zudem auch in Schmuck geflossen – wie einen Anhänger mit einem 8,88-Karat-Diamanten und in 27 Goldketten für die Frau des damaligen malaysischen Regierungschefs Najib Razak. Auch in dessen persönlichen Konto fanden sich laut den US-Ermittlern Deutsche-Bank-Gelder wieder.

Najib wurde im Mai 2018 abgewählt. Die neue Regierung brachte die juristische Aufarbeitung des Skandals in Malaysia voran. Najib muss sich nun vor Gericht verantworten. Ihm droht eine lange Haftstrafe.

Mit Material von dpa.

Mehr: Aus dem 1MDB-Fond sollen mehrere Millionen Dollar veruntreut worden sein. Die USA zahlen Malaysia 200 Millionen Dollar zurück.

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