Michael Mandel und Bettina Orlopp Commerzbank verlängert heimlich Verträge zweier Vorstände

Der Aufsichtsrat hat zwei Vorstände länger an die Commerzbank gebunden. Debatten gab es indes über das Aus der geplanten Digitalbank.
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Der Aufsichtsrat beschloss Anfang des Monats, die Verträge der beiden Vorstandsmitglieder Bettina Orlopp und Michael Mandel um jeweils fünf Jahre zu verlängern. Quelle: imago/STAR-MEDIA
Vertragsverlängerungen

Der Aufsichtsrat beschloss Anfang des Monats, die Verträge der beiden Vorstandsmitglieder Bettina Orlopp und Michael Mandel um jeweils fünf Jahre zu verlängern.

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FrankfurtFinanzmanager diskutieren dieser Tage intensiv über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank. Die ohnehin bestehende Verunsicherung in beiden Geldhäusern wird dadurch noch größer. Bemerkenswert ist dabei, dass der Aufsichtsrat der Commerzbank jetzt klammheimlich wichtige personelle Weichenstellungen vorgenommen hat.

Das Gremium beschloss Anfang des Monats, die Verträge der beiden Vorstandsmitglieder Bettina Orlopp und Michael Mandel um jeweils fünf Jahre zu verlängern, wie mehrere mit den Personalien vertraute Personen dem Handelsblatt sagten. Die neuen Kontrakte der beiden Manager laufen jeweils bis Ende April 2024. Die Commerzbank wollte sich dazu nicht äußern.

Orlopp ist im November 2017 in den Vorstand aufgestiegen – als erste Frau in der Geschichte des fast 150 Jahre alten Geldhauses. Die 48-Jährige ist für Compliance, Recht und Personal zuständig, was aktuell eine anspruchsvolle Aufgabe ist. Denn Deutschlands zweitgrößte Privatbank hat im Herbst 2016 den Abbau von 9600 Stellen angekündigt – und den muss Orlopp nun umsetzen.

Dabei bekommt die Mutter von zwei Kindern Lob von allen Seiten. „Sie macht einen guten Job und ist ein Anker im Vorstand“, sagte eine mit der Vertragsverlängerung vertraute Person. Die Diplom-Kauffrau hat am Lehrstuhl für Finanzierung an der Universität Regensburg promoviert und lange für die Unternehmensberatung McKinsey gearbeitet. Im Jahr 2014 wechselte Orlopp dann zur Commerzbank.

Die Vertragsverlängerungen von Orlopp und Mandel wurden Finanzkreisen zufolge im Aufsichtsrat einstimmig beschlossen. Mandel, 51, arbeitete wie Orlopp zeitweise für McKinsey und war später zwei Jahre lang Chef von Comdirect. Ende 2010 kehrte der zweifache Familienvater zur Commerzbank zurück und wurde im Mai 2016 Privatkundenvorstand – als Nachfolger des heutigen Commerzbankchefs Martin Zielke.

Im Rahmen der Strategie „Commerzbank 4.0“ soll Mandel in seinem Segment zwei Millionen neue Privatkunden gewinnen und mehr als eine Milliarde Euro an zusätzlichen Erträgen einfahren. Beim Kundenwachstum liegt die Bank auf Kurs. Doch bei den Erträgen, die im Privatkundengeschäft im ersten Halbjahr lediglich um sieben Prozent stiegen, gibt es noch viel Luft nach oben.

Innerhalb und außerhalb des Geldhauses wachsen inzwischen die Zweifel, dass die Bank mit ihren neuen Kunden auch deutlich mehr Geld verdienen kann. Analysten gehen davon aus, dass das Institut sein für 2020 ausgegebenes Ertragsziel verfehlen wird. Mandel ist vom eingeschlagenen Kurs jedoch weiter überzeugt. „Eine Wachstumsstrategie ist keine Einbahnstraße, wo es automatisch immer weiter nach oben geht“, sagte er kürzlich im Handelsblatt-Interview. „Wir müssen immer schauen, wo wir stehen, und wenn notwendig nachsteuern.“

In die Kritik geriet Mandel innerhalb der Commerzbank zuletzt wegen des Projekts Copernicus. Dabei ging es um Pläne des Instituts, eine neue europäische Digitalbank aufzubauen. Mandel hatte diese intern lange als Leuchtturmprojekt und künftigen Ertragsbringer gepriesen und vorangetrieben.

Doch Mitte August erteilte der Vorstand den Plänen dann überraschend eine Absage, die Mandel im Intranet des Instituts verkündete. Hauptgrund für die Entscheidung war die Erkenntnis, dass der Aufbau einer Digitalbank viel Geld gekostet und sich frühestens in einigen Jahren ausgezahlt hätte.

Viele Mitarbeiter sind wegen Mandels Meinungsumschwung irritiert. Und auch im Aufsichtsrat gab es Insidern zufolge eine heftige Debatte. Teile des Kontrollgremiums sind erbost, weil sie in die Entscheidung über die Absage des Projekts nicht eingebunden wurden. Hinzu kommt, dass die Commerzbank für Copernicus bereits viel Geld in die Hand genommen hat – Finanzkreisen zufolge handelt es sich um einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag.

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  • Die Tochter der Commerzbank, die comdirect, ist bereits eine sehr gute Digitalbank.
    Gerade diese Bank könnte weiter gut ausgebaut werden - die Technologie könnten sich beide Banken teilen.

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