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Mifid II Freie Finanzberater fürchten neue EU-Regeln

Bis zur Sommerpause soll es offenbar neue EU-Regeln für die Finanzberatung geben. Freie Finanzberater fürchten um ihre Existenzgrundlage.
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Bisher werden freie Finanzberater weniger streng nach der Gewerbeordnung reguliert und von den Gewerbeaufsichtsämtern beaufsichtigt. Quelle: Tetra images/Getty Images
Finanzberater

Bisher werden freie Finanzberater weniger streng nach der Gewerbeordnung reguliert und von den Gewerbeaufsichtsämtern beaufsichtigt.

(Foto: Tetra images/Getty Images)

Frankfurt Seit gut einem Jahr gibt es Spekulationen: Werden auch für freie Finanzberater, die nicht einer Bank oder Versicherung angehören, die EU-Regeln für die Finanzberatung nach Mifid II gelten? Zumindest scheint sich eine strengere Regulierung abzuzeichnen.

Die Bundesregierung muss dazu eine Verordnung erlassen, die schon für Sommer 2018 angekündigt war. Die rund 37.000 Berater, vielfach selbstständige Einzelkämpfer oder Betriebe mit wenigen Mitarbeitern, sind nervös: Wenn sie ebenso streng reguliert werden wie ihre Kollegen in Banken und Sparkassen, dürfte das einen gewichtigen Teil von ihnen die Existenz kosten. Für Anleger könnte sich die Finanzberaterlandschaft also deutlich verändern.

Bis zur Sommerpause sollen die neuen Regeln verkündet werden, heißt es aus informierten Kreisen. „Der überarbeitete Verordnungsentwurf befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung“, lauten die dürren Worte aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Ende 2018 hatte Minister Peter Altmaier die Meinungen der Finanzverbände dazu gehört, nun arbeiten Experten an den neuen Regeln.

Sorgen dürfte den vielen freien Finanzberatern, Finanzanlagenvermittler genannt, das Ergebnis einer Anfrage der FDP an die Bundesregierung bereiten: Altmaiers Kollegen erklärten Anfang März, dass „die Bundesregierung eine zügige Übertragung der Aufsicht über Finanzanlagenvermittler auf die Bafin anstrebt“.

Dazu würden die Vorschriften der sogenannten Finanzanlagenvermittlungsverordnung so angepasst, dass das für Vermittler anwendbare Recht nach Umsetzung der EU-Richtlinie Mifid II „deutlich umfangreicher und komplexer“ werde.

Bisher werden diese freien Finanzberater weniger streng nach der Gewerbeordnung reguliert und von den Gewerbeaufsichtsämtern beaufsichtigt. Bankberater überwacht dagegen die Finanzaufsicht Bafin. Viele der Berater arbeiten für große Finanzvertriebe wie DVAG oder MLP, die sie mit Informationen versorgen und ihnen eine Auswahl an Finanzprodukten vorgeben. Andere Berater haben sich Maklerpools angeschlossen, die sie technisch unterstützen.

Meist verkaufen die Berater Fonds, viele dürfen auch Versicherungen vermitteln. In der Regel leben diese Finanzberater von Provisionen, die sie beim Verkauf von Produkten und laufend vom Anbieter bekommen. Nur wenige Berater verlangen für ihre Arbeit vom Anleger ein Honorar. Sie empfehlen oft andere Produkte wie Indexfonds (ETF), für die keine Provisionen fließen.

Wenn für diese Berater nun auch die EU-Vorgaben gelten würden, würde der Alltag für viele von ihnen deutlich stressiger: Wer sich wie viele Finanzberater unabhängig nennt, müsste eine hinreichend breite Auswahl verschiedener Anbieter vorhalten. Produkte bestimmter Risikoklassen müssten Anlegern und deren Zielen und Risikoneigung zugeordnet und dies muss ihnen erklärt werden.

Zudem wären alle Kosten einer Geldanlage vor und nach dem Kauf in Euro auszuweisen. Diskutiert wird zudem, ob auch sie Telefongespräche mit ihren Kunden aufzeichnen müssen.

Ein besonders strittiger Punkt ist auch hier das Thema Provisionen. Zuvor zeichnete sich ab, dass die freien Berater nicht wie Bankberater künftig nur diese Gebühren kassieren dürfen, wenn sie eine Qualitätsverbesserung in der Beratung nachweisen. Das scheint nun doch zu kommen. „Das wäre Irrsinn“, meint Christian Hammer, Geschäftsführer beim Maklerpool Netfonds.

Die meisten freien Berater lebten von Provisionen, ihnen würde die Existenzgrundlage entzogen. Damit wäre der Finanzberatung nicht gedient, meint er. Denn die Anleger im Land wollten für Beratung nicht direkt bezahlen. Nicht die Provisionen seien das Problem, sondern falsche Beratung und falsche Produkte. „Hier schießt der Gesetzgeber über das Ziel hinaus“, meint Hammer.

Für Verbraucherschützer ist aber genau das der Kern des Übels: Immer wieder monieren sie, dass eine provisionsgesteuerte Beratung eben nicht zum bestmöglichen Ergebnis für Anleger führe, sondern nur dazu, dass die Berater die Produkte mit den höchsten Provisionen vertreiben.

Vorerst warten die zigtausend freien Berater weiter sorgenvoll auf die Bundesregierung. Unter einer Mifid-II-Regulierung dürfte rund die Hälfte der freien Berater kapitulieren, meinen Experten wie Hammer. Dann würden vermutlich viele Menschen neu darüber nachdenken, über welchen Pfad sie zur Geldanlage kommen.

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