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Milliarden für Tech-Firmen Wie das WeWork-Debakel die großen Start-up-Investitionen verändert

Vom Flop des US-Start-ups Wework lassen sich Kapitalgeber nicht abschrecken. Im Gegenteil: Sie interessieren sich besonders für Firmen, die sehr viel Geld benötigen.
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Seine Börsenpläne musste der Anbieter von Co-Working-Flächen vorerst auf Eis legen. Quelle: Bloomberg
WeWork-Büro in der indischen Stadt Gurugram

Seine Börsenpläne musste der Anbieter von Co-Working-Flächen vorerst auf Eis legen.

(Foto: Bloomberg)

New York Noch vor wenigen Wochen war WeWork der Star der amerikanischen Start-up-Welt. Doch schon vor dem geplanten milliardenschweren Börsengang ist der Hype verflogen. So schnell haben die Profiinvestoren an der Wall Street und an der Westküste wohl selten ihr Urteil revidiert.

Heute ist klar: Das Geschäftsmodell von WeWork war nicht nachhaltig, die Verluste waren zu hoch, genauso wie die Bewertung. Noch im Sommer war das Unternehmen 47 Milliarden Dollar wert und damit das am höchsten bewertete Start-up der USA. Nach dem geplatzten Börsengang steht die Firma nun vor Massenentlassungen und kommt nur dank einer Finanzspritze des Großinvestors Softbank noch auf eine Bewertung von deutlich bescheideneren acht Milliarden Dollar.

Doch während die Start-up-Branche noch die Fehler aus dem teuren Flop analysiert, suchen die Investoren längst nach neuen Zielen. Von den Verlusten von WeWork lassen sie sich dabei nicht abschrecken. Besonders gefragt sind gerade Investments in Tech-Firmen, die bereits etwas reifer sind und schon mehrere Finanzierungsrunden hinter sich haben. Hier stehen in diesem Jahr neue Rekorde an. Denn auch wenn Start-ups wie Uber, Lyft und Slack an der Börse nicht gut angekommen sind: Risikokapitalgeber und Private-Equity-Fonds verzeichnen Rekordzuflüsse und suchen dringend neue Anlagemöglichkeiten.

Noch größere Deals

„Growth Equity“, heißt diese noch relativ neue Kategorie, in der sich sowohl klassische Risikokapitalgeber als auch Private-Equity- und Hedgefonds engagieren, ebenso wie Vermögensverwalter. Bis Mitte November haben Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds knapp 24 Milliarden Dollar für Megadeals bereitgestellt, wie aus Zahlen des Analysehauses Pitchbook hervorgeht. Das ist bereits mehr als im gesamten vergangenen Jahr.

Dabei geht es um große Beteiligungen, bei denen Investoren klassischerweise Schecks von mehr als 100 Millionen Dollar an Start-ups ausstellen, die kurz vor dem Börsengang stehen. Der Clou: Die Summen, die investiert werden, sind zwar größer als in frühen Finanzierungsrunden, doch das Risiko ist bei etablierteren Start-ups geringer. Das macht das Feld so attraktiv.

Blackstone etwa will seinen ersten Growth-Equity-Fonds auflegen, der zwischen drei und vier Milliarden Dollar schwer sein und vom früheren General-Atlantic-Manager Jon Korngold geführt werden soll, wie es in Finanzkreisen heißt. Im Growth-Equity-Bereich übernimmt Blackstone sowohl Mehrheits- als auch Minderheitsanteile an Unternehmen, die zu klein für klassische Private-Equity-Investments sind. Blackstone ist die größte Private-Equity-Firma der Welt, das Unternehmen verwaltet insgesamt rund 550 Milliarden Dollar.
Erst Anfang November hat Blackstone die Mehrheit an MagicLab übernommen, dem Unternehmen hinter den Dating-Apps Bumble und Badoo, das nach dem Deal mit drei Milliarden Dollar bewertet wurde. Das Unternehmen ist profitabel mit einem Umsatzwachstum von 40 Prozent und könnte demnächst ein Kandidat für einen Börsengang sein. „Diese Firma ist fast schon zu groß für Growth Equity, aber nicht für Blackstone“, stellte Korngold nach der Bekanntgabe des Deals im „Wall Street Journal“ klar. Die genaue Investitionssumme wurde nicht genannt, klar ist nur, dass es mehr als eine Milliarde Dollar war.

Der Risikokapitalgeber Lightspeed Venture Partners, der früh in das soziale Netzwerk Snap investiert hat, kündigte bereits im Sommer an, sich stärker auf reife Start-ups zu konzentrieren. Medienberichten zufolge sind sowohl Lightspeed als auch der Founders Fund des prominenten Investors Peter Thiel gerade dabei, Gelder für einen neuen Fonds einzusammeln, der sich auf Start-ups kurz vor dem Börsengang konzentriert.

Investments verzweifelt gesucht

„Ein Start-up zu gründen ist heute nicht besonders teuer, eine gewisse Größe zu erreichen dagegen schon“, gibt Oscar Jazdowski von der Silicon Valley Bank zu bedenken, die sowohl Start-ups als auch Risikokapitalgeber und Private-Equity-Fonds zu ihren Kunden zählt. Die größten Deals sind auch deshalb so beliebt, weil die Geldgeber derzeit händeringend nach neuen Anlageobjekten suchen.

Investments in private Unternehmen boomen, was die Preise in den vergangenen Jahren deutlich nach oben getrieben hat. 185 Megadeals mit einer Größe von mindestens 100 Millionen Dollar hat es in diesem Jahr schon gegeben, das sind fast so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. „Private IPOs“ nennt die Silicon Valley Bank diese großen Finanzierungsrunden.

„Früher mussten Unternehmen an die Börse gehen, um so viel Geld einzusammeln, heute können sie das bequem in privaten Runden machen“, so Jazdowski. Die sogenannten „Einhörner“, Start-ups, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden, bleiben derzeit so lange in privater Hand wie noch nie.

„Für Start-ups ist das eine sehr komfortable Lage. Viele Gründer wollen so lange wie möglich in privaten Händen bleiben. Große Finanzierungsrunden machen das möglich“, sagt Sven Weber vom Risikokapitalfonds Knightsbridge Advisers.

So vermeiden die Start-ups den Druck der Quartalszahlen und möglichen Ärger mit aktivistischen Investoren oder Shortsellern, die auf fallende Kurse setzen. Das führt jedoch dazu, dass die Start-ups zu milliardenschweren, globalen Konzernen werden, die immer größeren Finanzierungsbedarf haben.

Für die Investoren haben diese Deals einen wichtigen Vorteil: Zwar sind die Renditen im Growth-Equity-Bereich niedriger als bei frühen Finanzierungsrunden, doch dafür ist das Risiko auch deutlich geringer. Wer spät investiert, kann seinen Einsatz in der Regel in zwei bis drei Jahren verdoppeln, wie es in Branchenkreisen heißt.

Wer in einer früheren Phase des Unternehmenswachstums einsteigt, bekommt oft über einen längeren Zeitraum das Zehnfache oder mehr, wenn die Firma tatsächlich erfolgreich ist. Damit sind die späten Investments attraktiv für eher konservative Investoren wie Pensions- und Staatsfonds, die zwar hohe Renditen fordern, jedoch keine zu hohen Risiken eingehen können.

Gestresster Marktführer

Der Trend in Richtung „Growth Equity“ bedeutet, dass sich das Verhältnis von Private-Equity-Firmen und klassischen Venture-Fonds verschiebt: Sie werden Konkurrenten und Partner zugleich. „Die Risikokapitalgeber sind oft nicht groß genug, um große Runden allein zu stemmen. Die Private-Equity-Firmen dagegen schon“, sagt Weber. Sie würden im Gegenzug die Expertise der klassischen Tech-Investoren schätzen.

Die Finanzierungsrunden sind in den vergangenen Monaten ohnehin immer größer geworden. So gab es bis Ende September bereits 115, bei denen 100 Millionen Dollar oder mehr eingesammelt wurden, wie Zahlen der Silicon Valley Bank zeigen. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 117 solcher Deals. „Das ist auch angetrieben durch Softbank“, stellt Jazdowski klar.

Der japanische Technologiekonzern betreibt mit dem 100 Milliarden Dollar schweren „Vision Fund“ den größten Tech-Fonds aller Zeiten und hat sich in den vergangenen Jahren als spendabler Investor im Silicon Valley, aber auch in anderen Teilen der Welt positioniert. Die Erfolge blieben zuletzt jedoch aus. Softbank ist neben WeWork unter anderem auch in den Fahrdienstanbieter Uber investiert, der im Mai an die Börse ging und floppte.

Die Aktie hat seit dem Handelsstart gut 30 Prozent verloren. Für Softbank bedeutet das einen Papierverlust von rund 800 Millionen Dollar. Im abgelaufenen Quartal kam es zu Wertberichtigungen und dem größten Verlust der Unternehmensgeschichte.

Einhörner hatten es in diesem Jahr unerwartet schwer an der Börse. Uber-Konkurrent Lyft liegt mit 40 Prozent im Minus. Die Messenger-App Slack ebenfalls, das soziale Netzwerk Pinterest rund 35 Prozent. Lediglich der Fitnessanbieter Peloton und der Produzent von Fleischersatz Beyond Meat liegen seit dem Börsenstart noch im Plus. Viele frühen Investoren haben dennoch von dem Wertzuwachs der Unternehmen profitiert.

Anleger dagegen scheuen die vielen gehypten Start-ups, weil diese den Großteil ihres Wachstums oft schon vor dem Börsengang hinter sich gebracht haben und viele von ihnen nach der Börsennotiz weder profitabel waren noch einen Weg in die Gewinnzone aufzeigen konnten.

Führende Private-Equity-Firmen verweisen darauf, dass sie lediglich in Start-ups investieren, die kurz vor der Profitabilität stehen oder bereits Gewinne machen, was die Chancen auf einen erfolgreichen Börsengang erhöhen soll.

Dass sich die Stimmung nach dem WeWork-Debakel merklich abkühlen wird, gilt als unwahrscheinlich. Die Analysten von Pitchbook gehen davon aus, dass ein Teil der Gewinne, die die Fonds an ihre Kunden ausschütten, zurück in neue Investments fließen wird.

WeWork kündigte am vergangenen Freitag unterdessen ein neues Geschäftsmodell an. Das Unternehmen will künftig keine langfristigen Mietverträge mehr eingehen, um diese an Kunden für kürzere Laufzeiten zu vermieten. Stattdessen plane das Unternehmen, Gebäude für Immobilienbesitzer zu verwalten. Damit werde das finanzielle Risiko gesenkt. Die Gewinnschwelle will die Firma frühestens 2021 überspringen.

Mehr: Der gescheiterte WeWork-Börsengang beschert Anbietern flexibler Büroflächen eine Vertrauenskrise. Wie Eigentümer reagieren und worauf sie achten.

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1 Kommentar zu "Milliarden für Tech-Firmen: Wie das WeWork-Debakel die großen Start-up-Investitionen verändert"

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  • Das ist eine mehr als gefährlich Entwicklung, wenn Überliquidität nach Anlage sucht und damit höchstwahrscheinlich selbst Anlagemöglichkeiten schafft, die ohne diese vagabundierenden Gelder keine Chance hätten. Das erinnert alles an den Neuen Markt, in dem viele Gründungen den Zweck verfolgten, das willigen Anlegergeld abzugreifen, ohne ein Geschäftsmodell zu haben, das irgendwann profitabel werden konnte. Ein weiteres Feld, wo die negativen Auswirkungen der Geldschwemme der Zentralbanken sichtbar werden.