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Milliardenschwere Übernahme Warum Goldman Sachs von einem Lebensmittelgroßhändler verklagt wird

Das Wall-Street-Haus hat Ärger mit einem Kunden. United Natural Foods wirft Goldman Sachs vor, die Bank habe Hedgefonds bevorzugt.
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Die Bank weist die Vorwürfe zurück. Quelle: AFP
Goldman Sachs

Die Bank weist die Vorwürfe zurück.

(Foto: AFP)

New York„Kundenfokussiert“ ist ein Lieblingswort von David Solomon. Der Goldman-Sachs-Chef wird nicht müde, zu betonen, wie sehr die Bank die Interessen der Kunden im Blick habe. Ein amerikanischer Großhändler sieht das jedoch anders und zog gegen das renommierte Wall-Street-Haus vor Gericht. United Natural Foods (UNF) ließ sich im vergangenen Jahr bei seiner knapp drei Milliarden Dollar schweren Übernahme von Goldman beraten.

Gemeinsam mit der Bank of America sorgte Goldman auch für die Finanzierung eines 2,2 Milliarden Dollar schweren Kredits, der für den Kauf der Supermarktkette Supervalu nötig war. UNF fühlt sich von der Investmentbank jedoch aus gleich zwei Gründen düpiert, wie aus der Klageschrift hervor geht. Zum einen soll die Bank zu hohe Gebühren kassiert haben.

Zum anderen habe sie die Interessen von Hedgefonds-Kunden über die von UNF gestellt. Die Klage richtet sich gegen die Bank of America, Goldman sowie Goldman-Banker Stephan Feldgoise, der den Großhändler unter Druck gesetzt haben soll, strengere Bedingungen zu akzeptieren.

Die Bank weist die Vorwürfe zurück. „Goldman Sachs glaubt, dass die Klage keinen Bestand hat“, teilte eine Sprecherin mit. „Wir werden uns energisch gegen diese Anschuldigungen wehren.“

UNF trifft mit seiner Klage einen wunden Punkt. Die Bank hatte nach der Finanzkrise schon einmal Ärger wegen der Rolle von Hedgefonds. Damals ging es um einen Deal auf dem Hypothekenmarkt. Auch dort wurde Goldman vorgeworfen, die Bank habe einen Hedgefonds-Kunden bevorzugt. Goldman räumte zwar keine Fehler ein, zahlte 2010 jedoch 550 Millionen Dollar Strafe um eine zivilrechtliche Klage der Börsenaufsicht beizulegen. Die Bank sicherte damals zu, die Rolle von Hedgefonds klarer an andere Kunden zu kommunizieren.

Solomon, der Goldman seit Oktober führt, beschäftigt zudem gerade ein anderes juristisches Problem. Der frühere Südostasien-Chef der Bank gestand, an einem Betrugsskandal in Malaysia beteiligt gewesen zu sein, bei dem Milliarden aus dem Staatsfonds 1MDB verschwunden sind.

Dass Kunden die eigene Investmentbank verklagen ist ungewöhnlich. Verhandlungen über eine außergerichtliche Einigung waren zuvor jedoch gescheitert. UNF wirft Goldman vor, die Bank habe einen komplizierten Deal mit Hedgefonds eingefädelt, um Verluste auf dem Markt für Kreditausfallversicherungen, sogenannten Credit-Default-Swaps (CDS), zu verhindern. Mit CDS können sich Investoren gegen den Ausfall von Anleihen absichern.

Laut UNF war ursprünglich geplant, die Übernahme durch einen Kredit zu finanzieren und im Zuge dessen die Schulden von Supervalu zu tilgen. Das hätte jedoch zu Verlusten auf dem CDS-Markt geführt. Insgesamt gab es Papiere im Wert von 470 Millionen Dollar, die auf einen Kreditausfall bei Supervalu spekuliert hatten. Diese wären im Zuge der Tilgung jedoch praktisch wertlos geworden.

Also habe die Bank auf eine Änderung gedrängt, deren Konsequenzen UNF erst im Nachhinein klar geworden sei. Supervalu trat als Co-Kreditnehmer auf, dadurch blieben die Schulden der Supermarktkette erhalten und die Preise für die CDS zogen deutlich an, wovon Goldmans Hedgefonds-Kunden profitiert hätten. Im Gegenzug hätten sich die Fonds bereit erklärt, Goldman einen Teil des gut zwei Milliarden Dollar schweren Kredits an UNF abzukaufen.

Der Großhändler hat von diesem Deal laut Klageschrift erst im Nachhinein erfahren, durch einen Artikel des Finanzdienstleisters Bloomberg. Dem Unternehmen missfällt, dass Hedgefonds nun ein Interesse an einem sogenannten konstruierten Zahlungsausfall bei UNF haben könnten.

Diese Praktik hat in der Vergangenheit bereits für Ärger gesorgt. Im Frühjahr 2018 hatte der Hedgefonds GSO einem Bauunternehmen einen günstigen Kredit zur Refinanzierung angeboten, allerdings unter einer Bedingung: Das Unternehmen müsse eine anstehende Zahlung für eine bestimmte Anleihe ausfallen lassen.

GSO, eine Tochter von Blackstone, hatte gehofft, dadurch von den Kreditausfallversicherungen zu profitieren, die der Fonds auf das Bauunternehmen abgeschlossen hatte. Der Versicherungsgeber reichte daraufhin Klage ein. Christopher Giancarlo, der Chef der Derivateaufsicht CFTC, stellte später klar, dass so eine Art der Manipulation nicht zulässig sei.

UNF ist in dieser Hinsicht noch kein Schaden entstanden. Dennoch fühlt sich das Unternehmen hintergangen. „Statt den vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen, glauben wir, dass Goldman Sachs nach seinen eigenen Regeln gespielt hat und zum eigenen Vorteil, sowohl in den Verhandlungen mit uns als auch mit den Teilnehmern des CDS-Marktes“, kritisierte Jill Sutton, die Justiziarin von UNF. Zudem glaubt das Unternehmen, Goldman habe rund 40 Millionen Dollar an Gebühren zu viel einbehalten.

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