Mittelständler und Bürger klagen Eine Prozesswelle überrollt die Banken

Fehlberatung und Manipulation lassen die Zahl der Klagen gegen Banken explodieren. Mittelständler und Bürger fordern ihr Recht ein. Und die Banken klagen sogar untereinander. Doch es fehlen Richter und Staatsanwälte.
29 Kommentare
Justitia: Die Aufarbeitung der Finanzkrise hat erst begonnen. Quelle: dpa

Justitia: Die Aufarbeitung der Finanzkrise hat erst begonnen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Banken sorgen für Turbowachstum: nicht in ihrer Domäne, dem Geldgeschäft, sondern beim Anstieg der Gerichtsverfahren. Allein die Zahl der neuen Verfahren, die Anleger wegen möglicher Beratungsfehler der Banken anstrengten, hat sich in den vergangenen zwei Jahren beim Frankfurter Landgericht auf 2284 knapp verdoppelt.

Gerichtspräsident Klaus Scheuer berichtet: „Nur am Silvestertag 2011 erreichten uns zehn Pakete mit insgesamt mehr als 200 Klageschriften.“ Die Bürger und ihre Anwälte fürchteten die Verjährung. Das Landgericht Frankfurt hat drei neue Bankenkammern mit jeweils drei Richtern eingesetzt. Die bereits bestehenden sieben Kammern konnten die dramatisch steigende Zahl von Zivilklagen gegen Banken nicht mehr bewältigen.

Der Trend zur gerichtlichen Aufarbeitung von Finanzkrise und Bankerexzessen überlastet nicht nur die Justiz in der Finanzmetropole Frankfurt. Alle großen Gerichte in Deutschland hätten ihre Kapazitäten massiv ausgeweitet, weil die Zahl der Klagen von Anlegern sprunghaft ansteige, sagt Wolf Bussian von der internationalen Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells. „Die Zahl der Verfahren hat sich seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 vervielfacht“, sagte er.

Vielerorts kommt es zum Prozessstau. Derzeit fehlen der Justiz nach Einschätzung des Deutschen Richterbundes bundesweit 3000 Richter und Staatsanwälte - nicht zuletzt aufgrund der langwierigen Wirtschaftsverfahren. Das sagt Christoph Frank, der Vorsitzende des Richterbundes, im Handelsblatt-Interview.

Auf der Anklagebank sitzen fast alle namhaften Banken. Die Deutsche Bank etwa hat es mit Klagen von Kommunen und Mittelständlern wie der Ille Papierservice GmbH zu tun, die bei Zinswetten Millionen verloren haben und sich fehlberaten fühlen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Institute würden gerne Schlussstrich ziehen
Seite 12345Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Mittelständler und Bürger klagen - Eine Prozesswelle überrollt die Banken

29 Kommentare zu "Mittelständler und Bürger klagen: Eine Prozesswelle überrollt die Banken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich halte es seit ca. 20 Jahren so, lasse mich von keiner Bank beraten. Ich hatte natürlich auch schon Lehrgeld bezahlt.

  • @ Schweinchenschlau

    Leuten wie dir sollte man gleich aufs maul hauen und wegsperren...
    Ihr seid die Schmarotzer die nicht zu eigenen Fehlern stehen können und deshalb andere in die scheiße reinreiten.
    Schäm Dich!

  • Die Belastung der Gerichte ist hoch. Die causa Lehman aus 2008 ist auch nicht voll abgearbeitet. Klagen wegen der offenen Immobilienfonds stehen vor der Tür. [...] Mit freundlichen Grüßen RA Matthias Schröder
    +++Beitrag von der Redaktion editiert+++

  • Eigentlich muesste die Bankenaufsicht auf die Anklagebank.
    Aber der Staat kann ja machen was er will.

  • "Ich nenne das Betrug."

    Dann, mein Freund, kehre zurück zur Tauschwirtschaft!

  • Banken verleihen kein Geld, sie "erfinden" es. Eine tolle Sache, nur dass der Bankkunde etwas hergibt (Sicherheiten, Arbeitsleistung) für NULL Gegenwert. Bilanztechnisch nennt man sowas Bilanzverlängerung. Ich nenne das Betrug.

  • Banken, das sind die modernen "Wegelagerer" die Kunden kostenlos beraten und hintenherum Provisionen und Gebühren kassieren, dass einem schlecht wird. Wieviel Geld schon mit normalen Sparkassenfonds verdient wird, neben dem Ausgabeaufschlag, zeigt folgender Rechner: http://www.fonds-etf.de/Vergleichsrechner_ETF-Fonds_zu_aktiven_Fonds?Zp=99 Jetzt dürfte auch dem letzten klar sein, dass nur Hausprodukte angeboten werden: Volksbanken = UnionInvestment, Sparkassen = Dekafonds, Deutsche Bank + Postbank = DWS usw. Abzocke!!

  • Die meisten Kommentare spiegeln hier auch nur die üblichen und nutzlosen Verallgemeinerungen zum Thema wieder.
    -------------------------------------------------------

    Im Fall Lehman Brothers Zertifikate-Vermittlung kleben Anwälte und Gerichte immer skurriler wie Pattex an der Auslegung der prozessual anfangs vielversprechendsten Frage, ob die Eigeninteressen des Vermittlers dem Anleger hinreichend klar waren. Die Beantwortung entwickelt sich zunehmend zu einer Blamage der gesamten deutschen Gerichtsbarkeit.

    Stattdessen hätte man klären können, ob die Vermittlungsumstände nicht generell den Anfangsverdacht einer international organisierten Finanz-Kriminalität zulassen. Hat die Kanzlerin aber höchst persönlich abgewürgt, das Problem einzig zur Frage einer
    möglichen Falschberatung degradiert.

    Die Citibank war zumindest gleichzeitig Finanzierer und Nutzniesser einer dadurch verzögerten Insolvenz von Lehman Brothers - nur eben verteilt auf verschiedene Tochterfirmen, in verschiedenen Ländern und unter verschiedenen Rechtsnormen.

    So wurde und wird immer noch zumindest in Deutschland Anlegerschutz auf den Schultern eines dank Bankenrettung vernachlässigten Privatanleger-Marktes vermutlich ganz legal ausgetrickst. Erst die Rückbesinnung der Branche auf diese Kunden erklärt nun Jürgen Fitschens Wünsche.

    Schon am Anfang der Lehman Brothers Pleite war klar, daß nur eine rasche und vollständige Rückabwicklung der Vermittlungen die bei weitem bessere Lösung gewesen wäre. Erst Recht nach Fristenablauf. Dabei dürften nicht mal 3% aller Geschädigten bzw. 8% des Gesamtschadens noch offene Rechtsmittel haben. Die an der Vermittlung verdienten Millionen plus die absehbare Insolvenzquote und die einzusparenden Anwaltskosten reduzieren den Restbetrag für eine Rückabwicklung aller noch offenen Verfahren
    vermutlich auf ein Minimum.

    Für eine solche Managementleistung fehlt es einfach nur an Klasse in den Vorständen der betroffen Banken, Herr Fitschen!

  • Somit beweisen Sie sich als der Gegenpart des unseligen Duos, welches die Finanzwelt in den Abgrund getrieben hat. Nicht dass darum besonders Schade wäre, immerhin verdanken wir diesem System alle gro0en Kriege der letzten Jahrhunderte.
    Ich will Sie damit nicht persönlich angreifen, denn ein Verführer braucht immer einen Verführten. Auch wenn Sie nun mit ihrer beschriebenen Methode einen Weg gefunden haben, das System noch ein bißchen länger am laufen zu halten, zeigt Ihre Erwartungshaltung, dass Sie das Geldsystem nicht wirklich verstanden haben. Am Ende ist nämlich ALLES Papiergeld weg.
    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
    müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt. Und das seit hunderten von Jahren.

  • Habe im Sommer 2007 1000 Aktien für 90.000 Euro gekauft. Mein Berater fand die Anlage gut. Im Frühjahr 2008 war das Depot auf 120.000 Euro angewachsen. Dachte die gehen noch auf 150.000 Euro. War aber nix. Im Frühjahr waren die nur noch bei35.000 Euro.

    Keine Sorge: Rechtsschutz-Card ist Anwalts Liebling. Hab den Bankberater verklagt der hat ja die Aktien für mich gekauft. Zum Anwalt habe ich gesagt, dass ich nicht beraten wurde. das ist zwar gelogen, aber ich will doch meine 55.000 Euro wieder. Ein bisschen flunkern ist doch erlaubt. In meiner Steuererklärung mache ich das doch mit den Fahrtkilometern auch. Und meine Putze zahle ich nach BAT. Ab zum "Spezialanwalt".

    Ab einer Klagesumme wird für eine Klage vor dem Landgericht gebraucht. Anwaltszwang für den Beklagten. Somit zuerst die nächsten 6 Leasingraten für den Porsche in der Kasse.

    Dan wird das KWG und diverse Gesetzbücher über das Kapitalanlagegesetz durchsucht und dem Gericht eine Klageschrift zugestellt.

    Die Richter haben von der Praxis keine Ahnung. Die brauchen auch kein Geld anlegen bei der staatlichen Altersvorsorge.

    Das Klima ist ohnehin gegen die ganzen Bankbetrüger. Noch ein wenig dumm stellen und ein kleinwenig lügen und ich habe meine Kohle wieder.

    Der Bankberater ist nun vorbestraft. Ach sorry? Tut mir wirklich leid? Karriere im Arsch? Ach irgend einer wird dem armen Depp schon helfen. Ich freue mich, was ich mit etwas lügen, meinem Top Anwalt und einem gelangweilten Richter errreichen konnte. Meine verlorenen 55.000 habe ich wieder. Mal schaun, ob ich wieder einen Berater find, dem ich im schlimmsten Fall die A--karte geben kann. Habe ja Anwalts Liebling in der Tasche.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%