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Mittelstandsfinanzierer Das Fintech Creditshelf steht vor dem Sprung an die Börse

Mit Creditshelf geht erstmals ein reines Finanztechnologie-Unternehmen an den deutschen Kapitalmarkt. In Europa floriert die Branche.
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Tim Thabe, Mark Währisch, Daniel Bartsch (v. l.) wollen das Fintech an der Börse groß rausbringen. Quelle: creditshelf
Die Creditshelf-Vorstände

Tim Thabe, Mark Währisch, Daniel Bartsch (v. l.) wollen das Fintech an der Börse groß rausbringen.

(Foto: creditshelf)

FrankfurtDas gab es am deutschen Aktienmarkt noch nicht: Mit dem Mittelstandsfinanzierer Creditshelf wagt jetzt erstmals ein reines Fintech-Unternehmen den Sprung an die Börse. Schon in der kommenden Woche könnte das Initial Public Offering – abgekürzt IPO – starten, erfuhr das Handelsblatt. Die Vorbereitungen für die Emission seien abgeschlossen, das Platzierungsvolumen werde mindestens 20 Millionen Euro umfassen.

Das Geschäftsmodell von Creditshelf basiert auf einer virtuellen Plattform für die Vergabe von Darlehen an mittelständische Firmen. Im Gegensatz zu den klassischen Hausbanken verlangen die Online-Kreditanbieter aus Frankfurt keine Sicherheiten von den Kunden. Außerdem bekommen die Interessenten innerhalb von 48 Stunden eine erste Indikation, ob der Kredit bewilligt wird. Die Kreditzinsen liegen im Mittel bei rund neun Prozent.

Hinter der jungen Technologiefirma stehen die Gründungspartner Tim Thabe und Daniel Bartsch sowie Vorstand Mark Währisch, die Erfahrungen aus Investmentbanken, Ratingagenturen und Unternehmensberatungen mitbringen. Bislang schreibt ihr Unternehmen noch rote Zahlen.

Viele Kreditanfragen

Bis Ende März hatte Creditshelf Kreditanfragen in Höhe von über 900 Millionen Euro erhalten. Davon wurde am Ende ein Volumen von 58 Millionen Euro auch tatsächlich arrangiert. „Um Risiken zu begrenzen, können wir nur einen Teil der Anfragen tatsächlich mit Krediten bedienen. Das hängt auch mit unserem strikten Risikomanagement zusammen“, betont Vorstandschef Thabe.

Das Management will das Geschäft von Creditshelf zunächst weiter auf Deutschland beschränken und sieht hier noch großes Wachstumspotenzial. „Branchenschätzungen gehen in den kommenden Jahren von einem Finanzierungsbedarf von rund 40 Milliarden Euro für den deutschen Mittelstand aus, der nicht von den klassischen Banken oder Kreditfonds – den sogenannten Debt Funds – adressiert wird“, sagt Thabe.

In Großbritannien würden schon gut zehn Prozent der Wachstumsfinanzierungen über Kreditplattformen abgewickelt, in Deutschland liegt der Vergleichswert bislang bei weniger als einem Prozent. Nach einigen Jahren mit verschiedenen Finanzierungsrunden durch Risikokapitalgeber kommt Bewegung in die deutsche Fintech-Branche.

Neben Creditshelf wird auch die Smartphone-Bank N26 als Börsenkandidat gehandelt. Zum Teil werden die „jungen Wilden“ der Finanzbranche aber auch einfach von etablierten Spielern übernommen, so wie Anfang des Jahres der Online-Marktplatz für Firmenkredite Lendico durch die Bank ING-Diba.  

„Die Technologie der Fintechs ist ausgereift, die Kosten für Entwicklung und Anwendung fallen. Jetzt tritt die Branche in eine Phase der Konsolidierung ein“, erwartet Betina Wunderlich, Managing Director bei der Beratungsgesellschaft Accenture. Börsengänge haben für die Fintechs im Vergleich zu Übernahmen den Vorteil, dass die Firmen unabhängig bleiben können.

Im Fall von Creditshelf erhoffe sich das Management durch die Notierung im Segment Prime Standard der Deutschen Börse eine Art Gütesiegel, heißt es in Finanzkreisen. Neben der Wachstumsfinanzierung könne über die Ausgabe eigener Aktien auch die Mitarbeiterbindung gestärkt werden.

Weltweit stieg das Volumen von Tech-Börsengängen bis Anfang Juni um 70 Prozent auf 60 Milliarden Dollar, wie der Finanzdatenanbieter Thomson Reuters errechnet hat. In anderen Branchen ging die Zahl und das Volumen der IPOs dagegen im zweiten Quartal kräftig zurück.

Tech-Aktien kommen an der Börse – trotz der heftigen Kursschwankungen im Gesamtmarkt – derzeit gut an. Das zeigte Mitte des Monats der Online-Möbelhändler Home24, dem ein starkes Debüt gelang. Die Tochter der Start-up Schmiede Rocket Internet legte am ersten Handelstag um über 30 Prozent zu und notiert trotz der generell schlechten Stimmung an den Börsen noch immer deutlich im Plus.

Für große Aufmerksamkeit sorgte Mitte des Monats auch Adyen. Der niederländische Zahlungsdienstleister hatte beim Börsengang seinen Emissionspreis mit 240 Euro voll ausgereizt. Trotzdem zog die Aktie am ersten Handelstag zeitweise um über 100 Prozent an. Mittlerweile notiert der Titel bei rund 484 Euro.

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