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Mobile Zahldienste Deutsche sehen das Bezahlen per Smartphone skeptisch – aus drei Gründen

Google Pay ist da. Die Deutsche Bank hat eine eigene Lösung für das mobile Bezahlen, weitere Geldhäuser folgen. Doch viele Verbraucher sind skeptisch.
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Google Pay: Bezahlen per Smartphone dürfte sich so leicht nicht durchsetzen Quelle: obs
Bezahlen mit Google Pay

Die Kunden einiger deutscher Banken können bereits mobil bezahlen, Sparkassen und Volksbanken kommen bald mit einem Angebot auf den Markt.

(Foto: obs)

FrankfurtSeit gut einer Woche gibt es Google Pay in Deutschland. Der Bezahldienst des Internetkonzerns kooperiert mit vier Banken, unter anderem können Kunden der Commerzbank Google Pay nutzen. Auch die Sparkassen und die Volksbanken wollen in wenigen Wochen mit eigenen Lösungen für das Bezahlen mit Android-Smartphones starten.

Spekuliert wird zudem seit langem darüber, dass Apple mit seinem Bezahldienst Apple Pay nach Deutschland kommt. Dann könnten auch iPhone-Nutzer mobil bezahlen.

Auch die technischen Voraussetzungen für das Bezahlen per Smartphone, auch „Mobile Payment“ genannt, sind in großen Teilen erfüllt: Im Einzelhandel sind rund 60 Prozent der Kassenterminals mit der NFC-Technologie ausgestattet. NFC steht für Near Field Communication, die Technik leitet über kurze Distanz Daten per Funk weiter. Auch die Smartphones müssen eine NFC-Schnittstelle haben.

So praktisch es sein mag, an der Ladenkasse nur noch das Smartphone zu zücken und für kleine Beträge sogar lediglich kurz den Bildschirm zu aktivieren – viele Verbraucher scheuen sich, Bezahl-Apps zu nutzen. Die Skepsis ist groß, wie Umfragen zeigen. Der Durchbruch für das Bezahlen per Smartphone dürfte also noch eine Weile auf sich warten lassen.

61 Prozent der Kunden nutzen das Bezahlen per Smartphone oder das kontaktlose Zahlen mit der Giro- oder Kreditkarte bisher nicht und planen das auch nicht. Das ergab eine Umfrage der Postbank unter 3100 Personen. Die Postbank und ihre Mutter, die Deutsche Bank, bieten Kunden über die jeweilige Banking-App bereits die Möglichkeit, per Handy zu zahlen – als erste in Deutschland. Kunden brauchen dafür ein Handy mit Android-Betriebssystem sowie eine NFC-fähige Kreditkarte.

Fast dasselbe Ergebnis lieferte kürzlich eine Befragung des IT-Lobbyverbandes Bitkom. Demnach zahlen 59 Prozent der Kunden nie mit dem Smartphone.

Lediglich 20 Prozent der Befragten gaben in der Postbank-Studie an, dass sie schon per Smartphone ihre Einkäufe begleichen oder schon kontaktlos mit der NFC-fähigen Giro-oder Kreditkarte. Beim kontaktlosen Zahlen per Karte muss man diese nur kurz an das Kassenterminal halten, bei Beträgen von mehr als 25 Euro auch die Sicherheitsnummer, die PIN, eingeben.

Die Zurückhaltung überrascht, denn viele Kunden haben bereits eine NFC-fähige Giro- oder Kreditkarte – zu erkennen an einem Wellenzeichen, ähnlich dem WLAN-Symbol. Immerhin: Weitere 19 Prozent wollen künftig kontaktlos mit der Karte oder mit dem Handy zahlen.

Der wesentliche Grund für die Vorsicht der Verbraucher: Sie sorgen sich um die Sicherheit ihrer Daten. 61 Prozent derjenigen, die auf das Bezahlen per Smartphone verzichten, führen vor allem Sicherheitsbedenken an, so die Bitkom-Umfrage. Sie meinen, dass Hacker so auf ihr Konto zugreifen könnten.

Ein ähnliches Bild zeigt eine Studie des Handelsforschungsinstituts ECC. Demnach haben 58 Prozent Angst um die Sicherheit ihrer Daten. Dieses Thema treibt die deutschen Kunden ohnehin um. So verzichten etwa 40 Prozent darauf, ihre Bankgeschäfte online zu erledigen.

Google Pay gibt indes an, dass Kartendetails nicht auf dem Smartphone, sondern verschlüsselt auf sicheren Servern gespeichert würden. Daher kann laut Google niemand, der das Gerät findet oder stiehlt, auf diese Informationen zugreifen.

Auch das Bezahlen mit der kontaktlosen Giro- oder Kreditkarte halten Banken sowie Einzelhändler, aber auch Beobachter für sicher. Grundsätzlich könnten Betrüger zwar Daten auf der Giro- oder Kreditkarte abfischen, allerdings müssten sie sich dafür mit speziellen Lesegeräten sehr nah an den Kunden heranpirschen – auf ein bis fünf Zentimeter. So dicht müssen Kunden ihre Karte – oder ihr Smartphone – auch an das Kassenterminal halten, wenn sie zahlen wollen.

„Es wird immer jemanden geben, der versucht, irgendwelche Sicherheitslücken zu nutzen. Aber dafür ist ein enorm großer Aufwand notwendig“, sagt Niklas Grisar von der Beratungsfirma Capco. Das theoretisch mögliche Auslesen können Kunden auch ganz einfach verhindern: Es wird erschwert oder verhindert, wenn die Karte im Portemonnaie steckt.

Daneben erklären drei weitere Gründe, warum das Bezahlen per Smartphone in Deutschland erst nach und nach üblicher werden dürfte.

Erstens zahlen Verbraucher traditionell viel mit Bargeld. Drei Viertel ihrer Einkäufe in Geschäften begleichen die Deutschen in bar, wie die Bundesbank ermittelte. Der Anteil der Barzahlungen ist in den vergangenen Jahren zwar gesunken, allerdings nur langsam. Das mag auch mit Sicherheitserwägungen zu tun haben, aber sicherlich nicht nur.

Zweitens gilt das kontaktlose Bezahlen mit der sehr verbreiteten Girokarte, von denen fast 110 Millionen in Umlauf sind, als Konkurrenz. Diese Methode wird sich nach Einschätzung von Grisar zunächst einmal ausbreiten. „Die Verbraucher sind schon gewohnt mit der Karte zu zahlen und werden lieber die Karte als das Handy nehmen“, sagt er.

Und drittens fehlt dem Bezahlen per Smartphone ein Zusatznutzen für den Verbraucher. Es werde sich erst durchsetzen, „wenn eine Lösung Kunden mehr bietet als nur einen alternativen Bezahlweg. Bezahlen ist immer nur Mittel zum Zweck“, sagt der Berater Maik Klotz. Er führt als Beispiel die App der Kaffeekette Starbucks in den USA an. „Der Kunde kann per App schon 500 Meter vor dem Starbucks-Shop seinen Kaffee bestellen und bezahlen, an der Schlage vorbeigehen und den Kaffee direkt mitnehmen.“

Selbst in den USA, dem Heimatland von Google und Apple, werden deren Bezahldienste alles andere als intensiv genutzt. Gökhan Öztürk, Partner der Beratungsfirma Oliver Wyman, hält Mobile Payment daher noch für „Zukunftsmusik“. Er verweist unter anderem darauf, dass es an der Ladenkasse bisher keine „flächendeckende, standardisierte und händlerübergreifende Bezahllösung“ gebe.

Den großen Erfolg der Bezahldienste Alipay und WeChat Pay in China, die 600 Millionen sowie mehr als eine Milliarde Nutzer zählen, führt Öztürk auch darauf zurück, dass beide viel mehr bieten als nur Bezahlen. Mobile Payment sei sogar nur ein Nebenprodukt, so Öztürk.

In der Tat haben sich Alipay und WeChat Pay zu Lifestyle-Apps entwickelt, die den Nutzern bei allen Alltagsfragen zur Seite stehen, egal, ob sie Fahrkarten kaufen, einen Tisch im Restaurant reservieren, Geld anlegen oder einen Arzttermin vereinbaren wollen. Sie sind zudem in einer Zeit gestartet, in der viele Chinesen für Überweisungen lästiges Schlange stehen bei der Bank in Kauf nehmen mussten und Girokonten mit den in Deutschland üblichen Funktionen für viele nicht verfügbar waren.

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