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Mobiles Bezahlen Apple Pay startet in Deutschland – Was das für Banken bedeutet

Apple bringt seinen Bezahldienst nach Deutschland und die Banken wollen davon profitieren. Doch die Partnerschaft mit dem Tech-Riesen ist gefährlich.
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Der FC-Bayern-Vorstandschef  nutzt ein digitales Eintrittsticket für die Allianz-Arena. Quelle: picture alliance/dpa
Karl-Heinz Rummenigge

Der FC-Bayern-Vorstandschef nutzt ein digitales Eintrittsticket für die Allianz-Arena.

(Foto: picture alliance/dpa)

München, Frankfurt Wenn ein Konzern wie Apple ein lang erwartetes Produkt präsentiert, braucht er schon die ganz große Bühne. Die Allianz Arena, das Fußballstadion, in dem Rekordmeister Bayern München residiert, erschien für den Start des Bezahldienstes Apple Pay am Dienstag gerade gut genug.

Bei einer Tour durchs Stadion präsentierten Jennifer Bailey, Apples Verantwortliche für das mobile Bezahlen, und Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, wie Fußballfans mit dem iPhone-Ticket ins Stadion gelangen und Würstchen oder Fan-Schal mit Apple Pay bezahlen können.

Seit Wochen waren die Spekulationen heiß gelaufen, wann Apple mit seinem Bezahlsystem in Deutschland starten würde. Wer eine Kreditkarte von einer der Partnerbanken hat, kann diese ab sofort in der digitalen Geldbörse Apple Wallet hinterlegen und mit dem iPhone bezahlen. Das funktioniert an der Ladenkasse, in Apps und in Onlineshops.

Für das mobile Bezahlen in Deutschland könnte das der Durchbruch sein, glauben viele Experten. Nachdem Ende Juni bereits Google seinen Dienst Google Pay startete und neben den Sparkassen auch die Volks- und Raiffeisenbanken eigene Bezahl-Apps an den Markt brachten, ist die Zahl der potenziellen Smartphone-Zahler rasant gestiegen.

In einer repräsentativen Onlineumfrage des Instituts YouGov für das Handelsblatt gaben sich allerdings 48 Prozent der Befragten noch skeptisch, sie haben Bedenken, mobiles Bezahlen zu nutzen.

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Nikolas Beutin, Partner der Unternehmensberatung PwC, glaubt jedoch, dass der Marktstart von Apple Pay „zumindest ein wichtiger Baustein für das mobile Bezahlen in Deutschland“ ist, und erwartet für 2019 den Durchbruch für das Mobile Payment.

In einer Studie kommt er zu dem Ergebnis, dass bereits 46 Prozent der unter 30-jährigen Deutschen mobil gezahlt haben oder dies sogar regelmäßig tun. Quer durch alle Altersgruppen seien es 25 Prozent. Und in fünf Jahren wollen 57 Prozent aller Deutschen Zahlungen mobil abwickeln.

Partnerbanken von Apple hoffen auf neue Kunden

Die Partnerbanken von Apple und Google hoffen durch die Zusammenarbeit auf Gebühren und neue Kunden. Doch für die Geldhäuser ist der Deal ein zweischneidiges Schwert. Im schlimmsten Fall bleibt am Ende für die klassischen Institute nur noch die Rolle des Infrastrukturanbieters, während die Internetriesen den wertvollen Kontakt zum Kunden dominieren.

Die Commerzbank-Tochter Comdirect war bereits im Juni bei Google Pay vom Start weg dabei. Arno Walter, Vorstandschef der Comdirect, zeigt sich mit der Reaktion der Kunden zufrieden: Der Dienst werde von den Kunden „gut angenommen“, und von denjenigen, die Google Pay aktiviert haben, würde es mehr als die Hälfte mehr als fünfmal im Monat nutzen. Auch die Nachfrage nach Apple Pay sei bei Kunden mit iPhone „groß“ gewesen.

Tickets, Bratwurst, Fan-Artikel: FC Bayern führt Apple Pay ein

Apple arbeitet zum Deutschlandstart mit sieben Banken zusammen: Deutsche Bank, Comdirect, Hypo-Vereinsbank, Hanseatic Bank sowie die Digitalbanken N26, Bunq und Fidor. Dazu kommt eine Reihe von Apps, zum Beispiel „Boon“ vom Dax-Konzern Wirecard, VIMPay, Edenred und O2-Banking. Im ersten Halbjahr 2019 sollen unter anderem die DKB, Consorsbank und ING folgen.

Die Deutsche Bank will ihren Kunden den Weg zu Apple Pay besonders einfach machen. Gemeinsam mit dem Kreditkartenanbieter Mastercard stellt sie eine virtuelle Debit-Kreditkarte zur Verfügung, die die Kunden in der Bank-App des Geldhauses beantragen können. In sechs bis 18 Stunden soll diese verfügbar sein. „Momentan verzeichnen wir eine dreistellige Zahl von Kartenanträgen pro Minute“, sagte Michael Koch, Chef der Digitalfabrik der Deutschen Bank am Dienstagmittag.

Die enge Verbindung zwischen den Banken und den Tech-Konzernen aus dem Silicon Valley ist noch relativ frisch. Vor allem die Kommunikation mit Apple galt lange Zeit als problematisch. Hinter vorgehaltener Hand beklagten deutsche Banker die harte Verhandlungstaktik des iPhone-Herstellers: Apple fordere einen nicht unbedeutenden Teil der Gebühren, die Händler bei Kartenzahlungen an die Banken zahlen müssen.

In der Liaison mit den Tech-Konzernen drohen den Banken aber neben Einbußen bei den Gebühren noch weitere Gefahren: Wenn Kunden zunehmend mit Diensten wie Apple Pay und Google Pay zahlen, verlieren Banken den direkten Kontakt zu den Sparern.

Damit dürfte es für die Institute schwieriger werden, margenträchtige Produkte und Dienstleistungen zielgenau anzubieten. Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz warnte kürzlich: „Für die klassischen Banken erwächst durch die neuen Marktakteure die Gefahr, zu reinen Infrastrukturanbietern herabgestuft zu werden.“

Kunden haben kaum Alternativen zu Apple Pay

Um den genauen Starttermin von Apple Pay machte der Konzern bis zuletzt ein großes Geheimnis. Die Einladung nach München kam mit nur wenigen Tagen Vorlauf. Die Adresse für das „Launch-Event“ gab der Tech-Konzern erst am Vortag preis. Warum die Geheimniskrämerei? Das helfe, die Spannung im Markt zu steigern, und bringe Aufmerksamkeit, erklärt Apple-Managerin Bailey.

Die Ungeduld, mit der viele iPhone-Nutzer auf Apple Pay warteten, entstand auch deshalb, weil sie bislang kaum Alternativen für das mobile Bezahlen hatten. Die Ursache liegt in der Technik: Wenn Kunden an der Ladenkasse mit Apple Pay zahlen, werden die notwendigen Daten per NFC – kurz für Near Field Communication – vom iPhone an die Kasse übertragen. Die Schnittstelle für diese Funkübertragung hat Apple für den direkten Zugriff durch andere Bezahl-Apps gesperrt. Deshalb funktionieren sowohl Google Pay als auch die Apps der Banken und Sparkassen nur mit Android-Smartphones.

Lediglich Bezahldienste wie Payback Pay oder Bluecode stehen allen Smartphones offen, da sie die Daten per QR- oder Strichcode übertragen. Diese Dienste sind jedoch nur bei einzelnen Handelsketten verfügbar. Mit Apple Pay und Google Pay können Nutzer dagegen bei allen Händlern zahlen, die NFC-fähigen Kassenterminals haben – was für rund 80 Prozent der Terminals gilt.

Jochen Siegert, Vorstand der Interbanken-Plattform Traxpay, sieht noch einen weiteren Vorteil bei den Diensten von Apple und Google: „Nutzer können damit nicht nur an der Ladenkasse zahlen, sondern auch in Apps und beim Onlineshopping. Der entscheidende Vorteil liegt in einem einheitlichen Zahlverfahren für alle Einkaufskanäle des Kunden.“

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