Mobiles Bezahlen Google Pay startet Ende Juni in Deutschland – mit der Commerzbank

Der mobile Bezahldienst des US-Internetkonzerns will Ende Juni nach Deutschland kommen – und muss sich auf einem schwierigen Markt behaupten.
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Kreditkarte ade? Google Pay startet in Deutschland

FrankfurtAnders als etwa in den skandinavischen Ländern hängen die Deutschen am Bargeld. Verbraucher begleichen laut Bundesbank noch immer drei Viertel ihrer Einkäufe mit Bargeld. Entsprechend schleppend sind bislang alle Versuche verlaufen, mobiles Bezahlen mit dem Smartphone in der Bundesrepublik zu etablieren. Mehrere Angebote, darunter eine QR-Code-Lösung der Otto-Tochter Yapital und die mobilen Geldbörsen von Telekom und Vodafone sind bereits gescheitert.

Umso interessanter dürfte jetzt der Versuch des US-Internetkonzerns Google werden, in Deutschland seinen Bezahldienst an den Markt zu bringen. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfahren hat, soll Google Pay schon Ende Juni seinen Start in Deutschland verkünden. Ein Partner dabei wird die Commerzbank sein, berichten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Zunächst könnten jedoch nur Kreditkarten hinterlegt werden, hieß es weiter. Da in der Bundesrepublik viele Bankkunden keine Kreditkarte haben, wird die Breitenwirkung somit zunächst begrenzt sein.

Mit dem Projekt vertraute Personen verweisen jedoch darauf, dass man Girokarten in einer weiteren Ausbaustufe technisch relativ einfach hinzufügen könnte. Weder Google noch die Commerzbank wollten sich dazu äußern.

In der Finanzbranche wird schon seit langem spekuliert, wann der Internetkonzern in der Bundesrepublik mit Google Pay an den Start geht. Der bevorstehende Markteintritt wird die Aufmerksamkeit für mobile Bezahldienste erhöhen. Für die Commerzbank ist die Kooperation zudem prestigeträchtig. So gilt das Bezahlen per Smartphone als Technik der Zukunft – zumindest so lange, bis sich sogenannte Wearables wie Uhren, Armbänder oder Ringe durchsetzen, in denen entsprechende Technologie verbaut ist.

Auch über einen Markteintritt von Apple Pay in Deutschland wird seit Langem spekuliert. „Tatsächlich ist Google Pay für Deutschland aber viel interessanter, da es hier mehr Konsumenten mit Android- als mit Apple-Smartphones gibt“, sagt Hugo Godschalk, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Paysys. Zuletzt mehrten sich die Zeichen für einen baldigen Markteintritt von Google Pay. Auf der Onlineseite der Commerzbank-Tochter Comdirect war Ende Mai beispielsweise kurz eine Testseite mit Informationen zu Google Pay zu finden. Comdirect dürfte beim Deutschland-Start somit auch mit von der Partie sein.

Anders als Hersteller von Android-Geräten hindert Apple die Banken am Zugriff auf die sogenannte NFC-Schnittstelle seiner Geräte und reserviert diese für sein eigenes Bezahlsystem. NFC ist der Standard für die Funkübertragung von Daten auf kurze Distanz, also vom Handy zum Kassenterminal. In der Branche heißt es immer wieder, dass Apple an den Gebühren, die bei Bezahltransaktionen anfallen, mitverdienen möchte. Apple äußert sich grundsätzlich nicht dazu, wann der Konzern wo neue Dienstleistungen startet.

AliPay gilt als großes Vorbild

Auch im Handel ist die NFC-Technik noch nicht flächendeckend verfügbar. So sind knapp 60 Prozent der Kassenterminals in Deutschland damit ausgestattet. Godschalk erwartet durch Google Pay auch keinen Durchbruch für das mobile Bezahlen. „Dafür müsste die Bezahlmethode noch zusätzliche Vorteile bieten, die weit über das bloße Bezahlen hinausgehen, zum Beispiel ein gutes Bonussystem.“

Das sieht Berater Maik Klotz ähnlich. Er führt als Beispiel die App der Kaffeekette Starbucks in den USA an. „Der Kunde kann per App schon 500 Meter vor dem Starbucks-Shop seinen Kaffee bestellen und bezahlen, an der Schlage vorbeigehen und den Kaffee direkt mitnehmen.“ Er rechnet damit, „dass der Bezahlvorgang in Zukunft immer unsichtbarer wird“. 

Als große Vorbilder gelten die chinesischen Plattformen AliPay und WeChat Pay. Sie haben sich zu Lifestyle-Apps entwickelt, die den Nutzern bei allen Alltagsfragen zur Seite stehen, egal, ob sie Fahrkarten kaufen, einen Tisch im Restaurant reservieren, Geld anlegen oder einen Arzttermin vereinbaren wollen. AliPay zählt derzeit 600 Millionen aktive Nutzer, WeChat mehr als eine Milliarde.

Auch in Europa sind die Anbieter verfügbar – zumindest für chinesische Touristen. AliPay hat seit Mitte 2016 mehr als 600 deutsche Händler gewonnen. „Ob wir unsere Plattform auch europäischen Konsumenten anbieten, haben wir noch nicht entschieden. Wir müssen gut überlegen, wo und wie wir unsere Kapazitäten einsetzen“, sagt Li Wang, die bei AliPay unter anderem für Europa verantwortlich ist.

Als Marktführer in Deutschland gilt momentan PaybackPay, die Bezahlmethode des Bonusprogramms. Der Vorteil ist, dass die Kunden dort ihre Kontodaten hinterlegen und keine Kreditkarte benötigen. Die Datenübertragung läuft per QR-Code und funktioniert deshalb sowohl mit iPhones als auch mit Android-Geräten. Der Nachteil: Nur ausgewählte Payback-Partner machen mit, zum Beispiel Rewe, dm und Alnatura. Daneben gibt es Insellösungen in einzelnen Supermarktketten und eine Kooperation zwischen Shell und Paypal zum Bezahlen an der Tankstelle.

Auf eine eigene Lösung fürs Bezahlen per Handy setzt seit gut einem Jahr die Deutsche Bank. Das Angebot können allerdings nur etwa 300 000 von acht Millionen Kunden nutzen. Sie brauchen dafür sowohl ein Android-Smartphone als auch eine Mastercard. Die Volks- und Raiffeisenbanken werden voraussichtlich ab August das kontaktloses Bezahlen per Android-Handy ermöglichen.

Sowohl die Girocard als auch Kreditkarten sollen ins Smartphone integriert werden. Die Sparkassen wollen Mitte des Jahres starten – vorerst nur mit Android-Geräten. Sie würden das zwar auch gerne für iPhones anbieten, sagt Sparkassenpräsident Helmut Schleweis. „Dazu müsste allerdings Apple seine Schnittstellen öffnen.“

Eine digitale Lösung, die Kunden unabhängig von Smartphone-Typ und Bank bei allen Händlern nutzen können, ist derzeit nicht in Sicht.

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