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Mobiles Bezahlen Rätselraten um die Nutzerzahlen von Apple Pay

Das Rätselraten um Apple Pay geht weiter. Sechs Wochen nach dem Marktstart halten sich die Partnerbanken mit konkreten Nutzerzahlen zurück – doch einige Andeutungen machen sie schon.
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iPhone-Besitzer mit Kreditkarte von einer Partnerbank können per Smartphone an der Ladenkasse, in Apps und in Online-Shops bezahlen. Quelle: obs
Bezahlen mit dem iPhone

iPhone-Besitzer mit Kreditkarte von einer Partnerbank können per Smartphone an der Ladenkasse, in Apps und in Online-Shops bezahlen.

(Foto: obs)

FrankfurtFür Michael Koch war der Auftritt ein Drahtseilakt. Vor mehr als 150 Teilnehmern der Payment Exchange (Pex), einer Konferenz mit Fokus auf Zahlungsverkehr, sollte er am Donnerstag in Berlin ein erstes Fazit zum Marktstart von Apple Pay ziehen. Der Bezahldienst des iPhone-Herstellers ist seit sechs Wochen in Deutschland verfügbar und Koch hat den Start bei der Deutschen Bank mitverantwortet. Das Problem: Konkrete Zahlen zu Nutzern und Transaktionen durfte der Digitalexperte von Deutschlands größtem Geldhaus nicht nennen, das verbietet eine strenge Verschwiegenheitserklärung von Apple. Einige Anhaltspunkte lieferte er dennoch und machte klar: Die Kooperation mit dem Tech-Konzern habe sich für die Bank gelohnt.

Apple-Nutzer und Zahlungsexperten hatten lange auf den Start von Apple Pay in Deutschland gewartet. In den USA ist der Dienst schon seit 2014 verfügbar, auch in einigen europäischen Nachbarstaaten konnten die Kunden längst damit bezahlen, und sogar Kasachstan kam der Bundesrepublik im November noch zuvor. Mit Apple Pay können Nutzer mit dem Smartphone an der Ladenkasse, in Apps und in Online-Shops bezahlen – ähnlich wie bei Googles Pendant Google Pay, das es seit Juni 2018 in Deutschland gibt.

Voraussetzung: Nutzer besitzen eine Kreditkarte von einer der Partnerbanken und haben diese in der digitalen Geldbörse Apple Wallet hinterlegt. Diese Bezahlvariante gilt als besonders nutzerfreundlich, weil Kunden sich kein Passwort merken, sondern die Transaktion nur per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung auf ihrem Gerät bestätigen müssen.

Jahresziel innerhalb eines Monats erreicht

Michael Koch bezeichnete den Launch von Apple Pay als „sehr erfolgreich“ und veranschaulichte das mit einem Vergleich zur mobilen Bezahllösung, die die Deutsche Bank im April 2017 für Nutzer von Android-Geräten an den Markt gebracht hatte: „Wir haben in einer Woche mehr Aktivierungen für Apple Pay gehabt als bei Android in einem Jahr.“ Das allein muss nicht viel heißen, denn Anfang 2017 konnten nach damaligen Angaben der Bank überhaupt nur rund 300.000 von acht Millionen Kunden die Android-Bezahlvariante ausprobieren. Sie brauchten dafür ein Android-Smartphone und eine Mastercard.

Und Koch räumt ein: „Mit der Android-Lösung waren wir vielleicht ein bisschen zu früh.“ Noch dazu habe die Bank damals keine so große Marketingkampagne geschaltet wie nun für Apple Pay, und die sogenannte virtuelle Debit-Kreditkarte habe es noch nicht gegeben. Diese stellt die Bank nun in Kooperation mit Mastercard zur Verfügung. Kunden können sie in der App des Geldhauses beantragen und in sechs bis 24 Stunden soll sie verfügbar sein – ab März soll dies auch unverzüglich klappen. „Virtuell“ bedeutet dabei, dass der Nutzer eine Kreditkartennummer erhält, aber keine Plastikkarte dazu.

Bei Apple Pay seien die Erwartungen übertroffen worden, sagte Koch: „Wir haben innerhalb von vier Wochen die Ziele erreicht, die wir uns ursprünglich für ein Jahr gesetzt hatten“, sagt er, und diese Ziele seien durchaus ambitioniert gewesen. Richtig sei auch: Die Anzahl der Mastercard-Kreditkarten sei bei den Deutsche-Bank-Kunden innerhalb von vier Wochen um sieben Prozent angestiegen. Als Beschleuniger habe die virtuelle Debit-Kreditkarte gewirkt. „Die Hälfte der Aktivierungen basiert auf der virtuellen Kreditkarte“, erläuterte Koch.

Partnerbanken zeigen sich zufrieden

Neben der Deutschen Bank waren beim Marktstart von Apple Pay auch die Banken Comdirect, Hypo-Vereinsbank, Hanseatic Bank sowie die Digitalbanken N26, Bunq und Fidor dabei. Dazu kommt eine Reihe von Apps wie „Boon“ vom Dax-Konzern Wirecard, VIMPay, Edenred und O2-Banking. Im ersten Halbjahr 2019 sollen unter anderem die DKB, Consorsbank und ING folgen.

Auch Emanuele Buttà, Privatkundenvorstand der Hypo-Vereinsbank, spricht im Gespräch mit dem Handelsblatt von einem „sehr regen Kundeninteresse“ an Apple Pay, bleibt aber ebenfalls unkonkret: Eine „sehr große Zahl an Kunden“ habe eine HVB-Kreditkarte für Apple Pay aktiviert und: „Allein in den letzten Wochen zum Jahresende 2018 sind die Transaktionen mit privaten Kreditkarten um fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.“

Ähnlich äußerte sich auch ein Sprecher der Direktbank Comdirect, die im Sommer vergangenen Jahres auch beim Start von Google Pay sofort dabei war. Dieses zielt auf Kunden mit Android-Smartphone: Der Umsatz mit Apple Pay und Google Pay sei höher als der mit der physischen Kreditkarte. Wobei das auch daran liegen könnte, dass viele Kunden ihre Kreditkarte zuvor nur seltener genutzt und lieber mit der Girocard gezahlt haben.

„Bei Comdirect wurde bereits am ersten Tag eine fünfstellige Anzahl an Geräten für Apple Pay registriert“, meinte der Sprecher. „Das hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Mittlerweile steuern wir auf eine sechsstellige Anzahl von für Apple Pay registrierten Geräten zu.“ Dazu zählen iPhones, Apple Watch und iMac. Die Anzahl der Nutzer dürfte also deutlich niedriger liegen als die Anzahl der registrierten Geräte, weil ein Kunde oftmals gleich mehrere Geräte für Apple Pay verwendet.

Unmittelbare Vergleichszahlen zwischen den Bezahldiensten von Apple und Google nennt die Bank jedoch nicht. Beim Nutzerverhalten beobachte sie: „Von den Comdirect-Kunden, die Google Pay aktiviert haben, nutzt es mehr als die Hälfte regelmäßig, also mehr als fünfmal im Monat.“

Wenig weibliche Nutzer

Auch eine Sprecherin von Boon, der Smartphone-App von Wirecard, bewertet den Start von Apple Pay positiv: „Die durchschnittlichen Warenkorbwerte sind seit dem Launch nochmal um etwa 12,5 Prozent gestiegen“, sagt sie und folgert daraus, dass deutsche Nutzer bereit seien, auch höherwertige Transaktionen mit Apple Pay zu tätigen. Am häufigsten werde Boon in Supermärkten, Fastfood-Restaurants, Elektronikmärkten, Baumärkten und Tankstellen verwendet. Nur zehn Prozent der Nutzer seien weiblich, doch das sei schon eine etwas höhere Quote als in anderen Ländern. Dort seien es sogar nur acht Prozent. Deutliche Unterschiede im Nutzerverhalten zwischen Apple-Pay- und Google-Pay-Nutzern gebe es nicht.

Als Profiteur von Apple Pay stellt sich auch Max Schertel, Head of Business Operations bei der Smartphone-BankN26, dar: „Bereits vor dem Start von Apple Pay in Deutschland war die Nachfrage unserer Kunden nach dem mobilen Bezahldienst groß, und der Launch verlief wie erwartet erfolgreich. Wir konnten einen deutlichen Anstieg von Neukunden verzeichnen, und immer mehr Kunden nutzen Apple Pay.“ Auch mit dem Start und der Entwicklung von Google Pay sei er „sehr zufrieden“.

Langfristige Gefahr für Banken

Trotz des vielen Lobs und der Freude der Banken über positive Kundenreaktionen könnten sie für die enge Verbindung zu Tech-Konzernen aus dem Silicon Valley einen hohen Preis zahlen: So fordert Apple wohl einen nicht unbedeutenden Teil der Gebühren, die Händler bei Kartenzahlungen an die Banken zahlen müssen. Und noch schlimmer: Es droht die Gefahr, dass Banken den direkten Kontakt zu ihren Kunden verlieren.
Michael Koch scheint derzeit zwar noch anderes zu beobachten und sagte am Donnerstag: „Die Nutzung unserer Banking-App ist seit dem Start von Apple Pay massiv gestiegen, und der Großteil der Aktivierungen erfolgt über die App.“ Allerdings: Noch bieten Apple oder auch Google keine weitergehenden Finanzdienste, die Kunden von ihren Banking-Apps weglocken könnten. Wie lange das so bleibt, ist bisher nicht absehbar. Die Konzerne schweigen nicht nur zu den Nutzer- und Transaktionszahlen ihrer Bezahldienste, sondern erst recht zu ihren Zukunftsplänen.

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