Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Moderne IT Versicherer investieren massiv, um Defizit bei der Digitalisierung aufzuholen

Viele Versicherer kämpfen mit veralteter IT. Nun tut sich etwas: Allein 2017 investierte die gesamte Branche 4,4 Milliarden Euro in neue Systeme.
Kommentieren
Die Allianz schaffte erstmals ein eigenes Vorstandsressort für den digitalen Konzernumbau. Quelle: dpa
Allianz

Die Allianz schaffte erstmals ein eigenes Vorstandsressort für den digitalen Konzernumbau.

(Foto: dpa)

Frankfurt Das Urteil fiel harsch und knapp aus. „Eine der letzten Bastionen des 19. Jahrhunderts“ seien die Versicherungen, sagte vor gut einem Jahr der Leiter der Geschäftssparte Digital Partners von Munich Re, Andrew Rear. Im Blick hatte er dabei die Digitalisierungsfortschritte der Branche. Tatsächlich galt die Versicherungsindustrie lange als vergleichsweise beschauliches Terrain, das sich gegen allzu rapide Veränderungen zu schützen wusste.

Doch inzwischen bricht sich die Digitalisierung auch hier immer stärker Bahn, wie neue Zahlen des Branchenverbands GDV belegen, die dem Handelsblatt vorab vorliegen.

Demnach hat die deutsche Versicherungswirtschaft ihre Ausgaben für die IT-Systeme allein 2017 um mehr als vier Prozent auf rund 4,45 Milliarden Euro erhöht. Die Investitionen sind damit deutlich schneller gewachsen als die Bruttobeitragseinnahmen der Branche.

Wie massiv die Assekuranz inzwischen gegensteuert, zeigt ein anderer Vergleich: Innerhalb von vier Jahren kletterten die Investitionen in die Technik um elf Prozent. „Kein Wachstum und keine Innovation ohne eine auf Hochleistung getrimmte, moderne IT“, lautet eine der wichtigsten Erkenntnisse der aktuellen Erhebung.

Die Versicherer nehmen damit verstärkt eines ihrer größten Defizite ins Visier. Die Informationstechnik gilt seit Längerem als krankes Herz der Branche. Nach der jüngsten Erhebung werden daher nun vor allem alte Systeme umgebaut, neue Software-Lösungen entwickelt sowie die Kommunikationskanäle digital aufgestellt.

Das ist dringend nötig. Nicht nur die Versicherer entdecken die Vorteile der Digitalisierung. Auch das grundlegend veränderte Verhalten der Kunden zwingt zur Veränderung. Mit 41,5 Prozent erhielten deutsche Versicherer im vergangenen Jahr erstmals den höchsten Anteil ihrer Post per E-Mail.

2016 waren es noch 34,1 Prozent. Weitere rund sechs Prozent der Nachrichten wurden über Kunden- und Vertriebsportale abgeschickt. Somit erhalten Versicherer inzwischen schon jede zweite Kundenbotschaft auf digitalem Wege. Auch bei der vollautomatischen Verarbeitung der Eingaben macht die Branche Fortschritte.

Fehlende Programmierer

Umsonst ist dieser Umbau freilich nicht zu haben. Die IT trete als „ein erheblicher Kostenfaktor sowie als Nadelöhr bei der Ressourcenverfügbarkeit und den zeitkritischen Entwicklungszyklen in Erscheinung“, heißt es in der Erhebung. Denn der Branche fällt es sichtlich schwer, geeignetes IT-Personal zu finden. „Prognostiziert war für 2017 ein Zuwachs von 1,58 Prozent – erreicht wurden lediglich 0,13 Prozent“, heißt es.

Wie sehr der Umbruch die Branche durchschüttelt, zeigte jüngst die Allianz mit einem klaren Signal: Der Dax-Konzern schaffte erstmals ein eigenes Vorstandsressort für den digitalen Konzernumbau. „Die Fähigkeit, neue Technologien einzusetzen und diese in Kombination mit der Produktpalette zeitnah zur Marktreife zu führen, ist heute von essenzieller Bedeutung für den Unternehmenserfolg“, lautet eine der Kernthesen der GDV-Studie.

Dieser Erkenntnis würde Munich-Re-Experte Andrew Rear sicher nicht widersprechen – wenn er sie auch aufrüttelnder verpackt hätte.

Startseite

0 Kommentare zu "Moderne IT: Versicherer investieren massiv, um Defizit bei der Digitalisierung aufzuholen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote