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Monte Carlo Branchentreff der Rückversicherer steht wegen hoher Kosten in der Kritik

Mehr als 2000 Rückversicherer kommen in diesen Tagen in Monte Carlo zusammen. Doch die Kritik an dem Branchentreff ist groß – wegen geringem Nutzen und immenser Kosten.
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Das jährliche Rückversicherer-Treffen in Monte Carlo verschlingt große Summen. Quelle: Reuters
Luxusauto vor dem Casino de Monte Carlo in Monaco

Das jährliche Rückversicherer-Treffen in Monte Carlo verschlingt große Summen.

(Foto: Reuters)

Monte Carlo Dem Fairmont-Hotel ist sein Baujahr anzusehen: Dunkle Holzvertäfelungen über beigem Marmor verleihen dem eckigen Flachbau von 1975 unterhalb des Casinos von Monte Carlo den Charme einer anderen Zeit. Die Bilder der Eröffnung mit Fürst Rainier und seiner Gattin Gracia Patricia zieren noch heute den Eingangsbereich.

Wer dort seit Samstag und noch bis zu diesem Donnerstag nächtigen will, den erwarten Preise von 350 Euro pro Nacht für das einfache Zimmer. Das aber nur, wenn er langjähriger Kunde ist und stets gleich ein paar Dutzend Zimmer reserviert. Die Rückversicherer, die zu dieser Zeit zuhauf im Fürstentum am Mittelmeer einfallen, machen das in der Regel.

Das „Rendezvous de Septembre“, der größte Treff der für Außenstehende nur schwer durchschaubaren Branche, findet in diesem Jahr zum 63. Mal statt. Waren beim ersten Mal 1957 noch überschaubare 500 Teilnehmer aus 27 Nationen dabei, sind es in diesem Jahr 2800 aus 72 Ländern.

So viele sind es inzwischen, dass das Treffen der Rückversicherer mittlerweile die zweitgrößte Veranstaltung in Monte Carlo ist, hinter dem weltbekannten Formel-eins-Rennen. Das jagt jedes Frühjahr durch die engen Häuserschluchten der Stadt.

Nun erschließt sich der Sinn großer Automessen wie die in dieser Woche startende IAA auf den ersten Blick. Selbst im Finanzbereich gibt es mit Anlegermessen wie der Invest in Stuttgart oder der Vertriebsmesse DKM in Dortmund einiges mit selbsterklärendem Charakter.

Ein Treffen der Rückversicherer ist da anders. Kleine Grüppchen – meist sind es Männer mittleren Alters aufwärts – sitzen an kleinen Tischen. Manche ziert ein Tischwimpel, um den „Hausherr“ des Tisches zu benennen.

Im Halbstundentakt wechselt die Besetzung, neue Menschen kommen hinzu, die Teilnehmer der bisherigen Runde wechseln an andere Tische, manchmal auch in andere Hotels wie dem Hermitage oder dem Le Meredien. Dort spielen sich für Außenstehende dann ähnlich skurrile Szenen ab.

Der Ton ist dabei freundlich, man kennt sich in der Regel seit vielen Jahren. Der Kleidungsstil ist anders als sonst in der so konservativen Branche, der Begriff „Smart Casual“ bezeichnet ihn wohl am besten. Alles ist entspannt, wozu sicher auch die spätsommerliche Atmosphäre am Mittelmeer beiträgt. Und weil das Ambiente so angenehm ist, reisen viele Teilnehmer gleich mit Partner an. Es gibt schließlich unangenehmere Orte, beruflich das Wochenende zu verbringen.

Mischung aus Gediegenheit und Selbstbeschäftigung

Genau diese Mischung aus Gediegenheit und Selbstbeschäftigung innerhalb einer geschlossenen beruflichen Gesellschaft, aus irrsinnig hohen Spesen und einem überschaubaren wirtschaftlichen Nutzen, ruft seit Jahren die Kritiker der Veranstaltung auf den Plan.

Zumal bei den ganzen Halbstundentreffs in kleiner und größerer Runde in den wenigsten Fällen bereits echte Verträge geschlossen werden. Stattdessen sitzt man zusammen, lotet mit dem Kunden – viele sind Erstversicherer – dessen Preisvorstellungen für das kommende Jahr aus. Und geht dann wieder freundlich auseinander.

Schließlich trifft man sich in rund sechs Wochen schon wieder in ähnlich gediegener Atomsphäre in Baden-Baden. Dann wird konkreter in die Verhandlungen eingestiegen. Trotzdem sollen die Kosten der Veranstaltung am Fuße des Schwarzwalds, bei der sich eine ähnliche Anzahl Menschen in einem Dreieck zwischen Kurhaus, Kongresszentrum und dem edlen Brenners Parkhotel versammelt, bei lediglich einem Siebtel dessen liegen, was in Monte Carlo jedes Jahr anfällt. Das jedenfalls ist von einem Branchenriesen zu hören.

An den gewaltigen Kosten in Monte Carlo haben die repräsentativen Präsentationsräume großen Anteil. Bei der Munich Re ist das eine Art Erker des Fairmont Hotels mit bestem Blick auf Meer, Bucht und Berge.

Die Swiss Re leistet sich seit Jahren sogar einen großen Pavillon über dem Yachthafen, die französische Scor sichert sich für ihren Pavillon traditionell den Platz hinter dem Casino mit Blick auf das Meer. Und der britische Makler Aon hat gegenüber des Casinos das weltbekannte Café de Paris quasi zu seinem Hauptsitz umfunktioniert.

„Alte Welt“ hallt es deswegen der Branche immer öfter entgegen. Auch weil vieles vorhersehbar ist und wirkliche Innovation fehlen. Insurtecs beispielsweise, die als junge innovative Treiber unter Erstversicherern bereits für erhebliche Veränderungen gesorgt haben, sucht man bei dem Treff vergeblich. Dort ist vieles vorhersehbar und größtenteils wie immer.

Daran wagen dann auch die neuen Spitzenkräfte der Branche nicht zu rütteln. „Wir sind ein wichtiger Player in der Branche und wollen das auch weiter sein“, bekennt sich Jean-Jacques Henchoz auch weiterhin zum „Rendezvous de Septembre“. Der neue Chef der Hannover Re, der zuvor mehr als zwei Jahrzehnte im Dienste der Swiss Re stand, hatte in Monte Carlo seinen ersten öffentlichen Auftritt.

Wie Henchoz halten es so gut wie alle Chefs der großen Rückversicherer. Kaum einer wagt es, die umstrittene Veranstaltung zu schwänzen. Einzige Ausnahme: Munich Re-Chef Joachim Wenning fehlte nun schon zum zweiten Mal in Folge. Dafür waren fünf seiner Vorstandskollegen vor Ort.

Mehr: Nach schwierigen Jahren erzielen die Rückversicherer wieder höhere Preise. Auch die Konkurrenz durch Hedge-Fonds ist etwas geringer geworden.

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1 Kommentar zu "Monte Carlo: Branchentreff der Rückversicherer steht wegen hoher Kosten in der Kritik"

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  • Das WEF in Davos ist auch nicht billiger und welchen Nutzen hat es? Unsere Politiker werden mit Jets und großem Sicherheitsaufwand hingebracht, bezahlt mit Steuergelder. Beim Treffen Monte Carlo zahlen es die Aktionäre. Was soll dieser Artikel!

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