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Monte dei Paschi di Siena Italiens Traditionsbank kehrt Skandale aus

Problemkredite, Konjunkturflaute und ein Skandal um vertuschte Millionenverluste belasten die italienische Bank Monte dei Paschi di Siena. Der neue Chef räumt nun auf. Dabei gerät auch EZB-Präsident Draghi in die Kritik.
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Fabrizio Viola, der neue Chef der Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena, will aufräumen. Quelle: Reuters

Fabrizio Viola, der neue Chef der Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena, will aufräumen.

(Foto: Reuters)

MailandDie Monte dei Paschi di Siena (MPS) gilt als die älteste Bank der Welt und zählt zu den größten Geldhäusern Italiens. Und das Institut ist in einen handfesten Skandal verwickelt. Der Fall um vertuschte Millionenverluste bei der Bank hat alles, was ein guter Finanzkrimi braucht: Derivate, Bilanzfälschung, Geheimdokumente im Tresor, Konten im Ausland, Schmiergelder und sogar ein bisschen Opus Dei.

Nun drohte der Vorstandsvorsitzende Fabrizio Viola auch noch seinen Vorgängern: "Sollte sich der Verdacht der Staatsanwaltschaft als wahr herausstellen, dann sind wir als Bank die Geschädigte und werden von den Verantwortlichen, die profitiert haben, das Geld zurückfordern", sagt Viola bei einem Treffen mit der Auslandspresse in Mailand. Er führt seit dem Frühjahr gemeinsam mit dem Ex-Unicredit-Chef Alessandro Profumo als Präsident die Bank.

"Wir wollten uns nicht als Polizeikontrolle aufspielen", sagt Viola fast entschuldigend über die vergangenen Monate, in denen sich das neue Management das Portfolio der Bank genau angeschaut hat und dabei auf mehr als eine unerfreuliche Überraschung gestoßen ist. So kam ans Licht, dass die Bank mit verschiedenen Derivaten von Deutscher Bank, Nomura und JP Morgan Verluste von 720 Millionen Euro zu verstecken versucht hat. Die Transaktionen trugen die Namen "Santorini", "Alexandria" und "Nota Italiana".

Der Vertrag zu "Alexandria" lag verschlossen in einem Tresor, ohne dass ihn der damalige Verwaltungsrat, die Bilanzprüfer oder die Bankenaufsicht je zu Gesicht bekommen hätten. Als Konsequenz daraus hat der ehemalige MPS-Präsident Giuseppe Mussari vergangene Woche bereits seinen Posten als Vorsitzender des Bankenverbands Abi räumen müssen.

Viola stellt derzeit das gesamte Portfolio auf weniger spekulative Investitionen um und stellte dabei klar: "Mein Konzept, wie das Investmentportfolio einer Geschäftsbank aussehen sollte, unterscheidet sich deutlich von dem meiner Vorgänger." Ein Portfolio müsste in erster Linie dem klassischen Kreditgeschäft dienen, sagte er.

Mehr traditionelles Bankgeschäft und weniger Investment-Banking lautet die Formel von Viola. Das gilt auch für die Investmentbanken als Berater. "Wir verzichten derzeit komplett auf Investmentbanken", sagt er. Nach all den Problemprodukten, die diese ihnen in der Vergangenheit angedient haben, scheint das die sichere Variante.

Opus Dei distanziert sich

Das sind die Bankenflops des Jahres 2012
Iran Money Laundering
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Geldwäsche und Geschäfte mit Schurken-Staaten: Die britische Bank Standard Chartered zahlt insgesamt rund 670 Millionen Dollar an Geldstrafen. Dem Geldhaus wurde vorgeworfen, mit seinen Geschäften die gegen Iran, Birma, Libyen und Sudan verhängten Sanktionen missachtet zu haben.

(Foto: dapd)
The Angel of Independence is seen near a HSBC building in Mexico City
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Von wegen Unschuldsengel: Mit einer Rekordstrafe legt die britische Großbank HSBC ihren Geldwäsche-Skandal bei. HSBC hat sich zur Zahlung von 1,9 Milliarden Dollar Geldstrafe bereit erklärt, um weiteren Untersuchungen der US-Behörden zu entgehen, wie die Bank mitteilte. HSBC-Filialen sollen über Jahre Geldwäsche unterstützt haben. Der US-Senat wirft der Bank vor, aus Ländern wie Mexiko, Iran und Saudi-Arabien Milliarden in die USA transferiert und damit die Arbeit von Drogenhändlern sowie Geldgebern des Terrorismus unterstützt zu haben. HSBC hatte im Sommer schwere Fehler eingeräumt.

(Foto: Reuters)
Britische Grossbank Lloyds im Visier der Libor-Ermittler
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Die britische Bank Lloyds TSB wurde wegen verbotener Finanzgeschäfte mit dem Iran und dem Sudan 350 Millionen Dollar Strafe in den USA verdonnert. Lloyds habe zugegeben, bei Finanztransaktionen in die USA die Identität der iranischen und sudanesischen Kunden verschleiert zu haben, berichtete der zuständige Bezirksstaatsanwalt in New York, Robert Morgenthau.

(Foto: dapd)
File photo of morning commuters rushing past a branch of RBS in London
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Bank im Regen: Die britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) steckt tief im Skandal um Zinsmanipulationen. Der teil-verstaatlichten Bank droht eine Strafe von mehreren hundert Millionen Euro. Händler mehrerer Banken haben den Leitzins Libor manipuliert.

(Foto: Reuters)
File photo of letter "B" of signage on Barclays headquarters being hoisted up the side of the building in London
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Die britische Barlays Bank hat Zinsmanipulationen eingestanden und zahlt dafür eine Strafe in Höhe von 450 Millionen Dollar. Die Führungsspitze um den schillernden Bob Diamond musste wegen des Libor-Skandals zurücktreten.

(Foto: Reuters)
huGO-BildID: 25054768 (FILES) This March 9, 2011 file photo shows Lloyd Blankfein, chairman and ceo, Goldman Sachs speaking to the 2011 CARE Conferen
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In den Libor-Skandal scheint die US-Großbank Goldman Sachs zwar nicht verwickelt. Doch aufatmen kann der Vorstandschef Lloyd Blankfein nicht: 2012 wurden gegen die Bank Millionenstrafen wegen verdeckter Wahlkampfhilfe und verbotener Anlagetipps verurteilt.

(Foto: AFP)
PMorgan Chase says Q2 profits up 13 per cent to 5.4 bn dollar
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Der US-Kreditregulierer hat die US-Großbank JP Morgan Chase im Zusammenhang mit dem Verkauf von Hypothekenpapieren an Genossenschaftsbanken über die Rekordsumme von 3,6 Milliarden Dollar verklagt. Die Bank war kurz zuvor in ähnlichen Fällen zu einer Strafe von rund 300 Millionen Dollar verdonnert worden. Dabei geht es um Geschäfte der 2008 von JP Morgan übernommenen Investmentbank Bear Stearns. Der Vorwurf: Bear Stearns habe Investoren beim Verkauf von Hypothekenpapieren hinters Licht geführt. Die Bank habe es nicht gekümmert, welch minderwertigen Hauskredite darin verpackt gewesen seien. Das habe zu „riesigen Verlusten“ bei den Investoren geführt. JP Morgan hatte die Anschuldigungen damals zurückgewiesen.

(Foto: dpa)

Monte dei Paschi leidet wie andere italienische Banken auch unter der schwachen Konjunktur in Italien und den Problemkrediten. Das liegt auch daran, dass die Bank stark lokal verwurzelt ist. "Aber wenn ich auf die vergangenen Wochen zurückschaue, lagen die Probleme nicht daran, dass wir lokal so stark verwurzelt sind", sagte Viola.

Dreh- und Angelpunkt in dem Skandal um die Traditionsbank ist die Übernahme der Antonveneta im Jahr 2007. Die norditalienische Bank war bereits zuvor von der niederländischen ABN Amro übernommen worden. Da allerdings die Niederländer nach dem Kauf selbst in finanzielle Schwierigkeiten gerieten und aufgekauft wurden, landete Antonveneta schließlich bei der spanischen Bank Santander. Die wiederum verkaufte die italienische Bank kurze Zeit später weiter an Monte dei Paschi - zu einem viel zu hohen Preis.

Monte dei Paschi hat mit neun Milliarden Euro drei Milliarden mehr bezahlt als ABN Amro hingelegt hatte. Schon damals verwunderte der hohe Preis, den die Spanier zahlten. Wie jetzt herauskommt, scheinen im Zuge der Transaktion ein bis zwei Milliarden Euro auf ein Londoner Konto geflossen zu sein. Es wird spekuliert, ob das Geld als Schmiergeldzahlungen dienen sollte oder ob sich die beteiligten Banker die Summe gar untereinander aufteilen wollten.

Bei dem Verkauf an Monte dei Paschi kommt auch die mächtige katholische Organisation Opus Dei ins Spiel: Nicht nur der damalige Santander-Chef ist ein Prälat der Vereinigung. Auch der für Italien zuständige Top-Manager von Santander Ettore Gotti Tedeschi gehört Opus Dei an. Gotti Tedeschi wechselt später zur Vatikan-Bank Ior, wurde dort aber geschasst.

Opus Dei fühlte sich genötigt, sich von dem Skandal zu distanzieren: "Wir möchten klarstellen, dass die Würdenträger von Opus Dei an den Vorgängen nicht beteiligt sind und dass ihre Aktivitäten nichts mit Banken und wirtschaftlichen Fragen zu tun haben", teilte die Organisation mit. Auch die Bankenaufsicht der Banca d'Ìtalia und mit ihr der damalige Gouverneur und heutige EZB-Präsident Mario Draghi sind in die Kritik geraten, weil sie die Missetaten nicht gesehen haben.

EZB-Präsident Mario Draghi hat sich mit dem italienischen Wirtschaftsminister Vittorio Grilli vor dessen Anhörung im Parlament zur Affäre um die ins Wanken geratene Bank Monte dei Paschi di Siena getroffen. "Ich kann bestätigen, dass es ein Treffen gegeben hat", sagte ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) am Dienstag.

Der scheidende Premierminister Mario Monti stärkte Draghi gestern den Rücken: "Ich möchte mein volles Vertrauen in die italienische Zentralbank bekräftigen und in diejenigen, die die Verantwortung tragen und getragen haben", sagte Monti im italienischen Fernsehen.

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1 Kommentar zu "Monte dei Paschi di Siena: Italiens Traditionsbank kehrt Skandale aus"

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  • Das Vokabular im Zusammenhang mit dem Namen "Draghi" zu gebrauchen, ist bemerkenswert und sicherlich sauber recherchiert. Das wird schwierig wieder unter den Teppich zu bringen.

    Wenn auch nur ein Hauch Wahrheit an den Aussagen ist, dann muss Merkel gewaltiges Geschütz zur Verteidigung Draghis auffahren. Solche Leuten "Schusswaffen" in de Hand zu geben, ist wohl unverantwortlich, würde aber erklären, weshalb er auf geschlossene Verträge keine Rücksicht nimmt.

    Es wäre ein weiterer Tropfen zu viel.