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Monte-dei-Paschi-Prozess Ex-Top-Manager der Deutschen Bank zu Haftstrafe verurteilt

Er galt schon lange als einer der umstrittensten Manager von Deutschlands größtem Geldhaus. Jetzt soll Michele Faissola nach dem Willen eines Mailänder Gerichts ins Gefängnis.
Update: 11.11.2019 - 08:06 Uhr Kommentieren
Mithilfe von Derivategeschäften wurden Verluste bei der italienischen Krisenbank vertuscht. Quelle: AP
Monte dei Paschi

Mithilfe von Derivategeschäften wurden Verluste bei der italienischen Krisenbank vertuscht.

(Foto: AP)

Rom, Frankfurt
Es ist einer der größten Finanzskandale in der italienischen Bankengeschichte. Drei Jahre hatte die Verhandlung vor der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Kammer des Mailänder Gerichts gedauert. Am vergangenen Freitag kam das Urteil: Alle Angeklagten sind im Verfahren wegen der Vertuschung von Verlusten der Problembank Monte dei Paschi verurteilt worden.

Darunter auch Michele Faissola, einst ein Topmanager der Deutschen Bank und enger Vertrauter des früheren Vorstandschefs Anshu Jain. Faissola wurde von den Richtern zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Er hatte zuletzt als Chef des Asset-Managements für die Deutsche Bank gearbeitet. Als Jains Nachfolger John Cryan beim größten deutschen Geldhaus im Oktober 2015 aufräumte, musste auch Faissola die Koffer packen.

Der Fall geht zurück bis zum Jahr 2008. Nach Meinung der italienischen Strafverfolger gab es einen illegalen Plan, Verluste bei Monte dei Paschi gezielt zu verschleiern. Die Angeklagten sollen dabei geholfen haben, die Bilanzen der Bank aus Siena zu fälschen. Die Transaktionen liefen unter den Projektnamen „Santorini“ und „Alexandria“. Monte dei Paschi hatte sich damals beim Kauf des Geldhauses Antonveneta in Padua für zehn Milliarden Euro verhoben und war in eine Schieflage geraten. Das Ganze kam 2013 durch die Bankenaufseher in Italien und Deutschland ans Licht.

Faissola hatte vielfältige Beziehungen zur Deutschen Bank. Er war Zeuge im Libor-Fall, wo es um die kriminelle Manipulation von Zinsen durch Banken ging. Sein Rechtsbeistand dabei war Stefan Simon. Der wurde später Aufsichtsrat der Deutschen Bank und im Sommer Mitglied des Vorstands.

Außerdem beriet Faissola als Chef einer Vermögensverwaltung zuletzt Mitglieder der katarischen Herrscherfamilie Al-Thani, die zusammen mehr als sechs Prozent an der Deutschen Bank halten und zurzeit jemanden suchen, der ihre Interessen im Aufsichtsrat vertreten kann. Faissola gilt als eine der wichtigen Figuren im Reich der Scheichs. Seit dem vergangenen Jahr sitzt er im Vorstand der 2014 gekauften Fördergesellschaft Heritage Oil; außerdem auch im Aufsichtsrat der französischen Kaufhauskette Printemps.

Insgesamt verurteilten die Richter fünf ehemalige Deutsch-Banker zu Gefängnis. Dazu kommen drei Jahre und sechs Monate für Matteo Angelo Vaghi, der nach Informationen des Handelsblatts noch immer auf der Gehaltsliste des Frankfurter Geldhauses steht.

Der Prozess geht weiter

Die höchste Strafe in dem Prozess vor dem Mailänder Gericht erhielt mit sieben Jahren und sechs Monaten der ehemalige Verwaltungsratsvorsitzende von Monte dei Paschi, Giuseppe Mussari. Das Gericht blieb nur wenig unter dem Strafmaß, das die Staatsanwaltschaft im Mai gefordert hatte.

Der Verteidiger der angeklagten Deutsche-Bank-Manager, Giuseppe Iannaconne, sagte, er könne seinen „Schock über das Urteil nicht verbergen. Da ich von der Unschuld meiner Klienten überzeugt bin, werde ich in Berufung gehen, überzeugt davon, dass es dann andere Schlussfolgerungen geben wird.“ In Italien ist ein Urteil erst nach der dritten Instanz rechtskräftig.

Eine Berufung dürfte das Verfahren noch einmal zwei bis drei Jahre in die Länge ziehen, sagte eine mit dem Sachverhalt vertraute Person. Der Verteidiger betonte, dass die in erster Instanz verhängten Strafen gegen die Angeklagten nicht vollstreckbar seien. Es sei außerdem verbreitet, dass Berufungsgerichte die Entscheidungen der ersten Instanz revidieren.

Auch im Fall der Deutschen Bank ist das in der Vergangenheit schon so gewesen, etwa in einem Rechtsstreit, in dem es um den Verkauf von Zinsderivaten an die Stadt Mailand ging: Nachdem ein Gericht in erster Instanz Deutsche Bank, UBS, JP Morgan und Depfa sowie Angestellte dieser Institute 2012 zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt hatte, hob ein Berufungsgericht im März 2014 dieses Urteil wieder auf.

Gegen die Deutsche Bank als Institution verhängten die Mailänder Richter im Fall Monte dei Paschi eine Geldstrafe in Höhe von drei Millionen Euro, außerdem wurden 64 Millionen Euro beschlagnahmt. Ursprünglich hatten die Staatsanwälte rund 440 Millionen Euro gefordert. Die japanische Bank Nomura muss 3,45 Millionen Euro Strafe zahlen, und es werden 88 Millionen Euro beschlagnahmt. Beide Geldhäuser sind nach einem italienischen Gesetz verwaltungsrechtlich verantwortlich für den Skandal.

Die Deutsche Bank zeigte sich von dem jüngsten Urteil enttäuscht und will es prüfen, sobald es vorliegt. Die Anklagepunkte in dem Prozess waren Marktmanipulation, Bilanzfälschung und Behinderung der Regulierungsbehörden.

Mit der Geldstrafe und dem Urteil gegen Faissola und seine Kollegen wird die Deutsche Bank wieder einmal von ihrer Vergangenheit eingeholt. Es trifft die Bank in einer kritischen Phase. Vorstandschef Christian Sewing hat gerade erst den größten Umbau der vergangenen Jahrzehnte angestoßen, und viele Investoren zweifeln nach den durchwachsenen Zahlen für das dritte Quartal, dass sein Plan tatsächlich aufgeht.

Mehr: In einem anderen Prozess konnte die Deutsche Bank zuletzt durchatmen. Der BGH bestätigte die Freisprüche für Ackermann, Fitschen und Breuer im Kirch-Prozess.

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