Moonfare Private Equity auch für Privatanleger – ein neues Fintech macht's möglich

Private Equity ist Kleinanlegern meist verschlossen. Eine Berliner Firma öffnet nun den Zugang für alle – allerdings mit Risiken.
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Bislang konnten Privatanleger nur über Dachfonds und sehr wenige börsennotierte Gesellschaften in Private Equity investieren. Quelle: Getty Images
Auf der Jagd nach Beteiligungsfonds

Bislang konnten Privatanleger nur über Dachfonds und sehr wenige börsennotierte Gesellschaften in Private Equity investieren.

(Foto: Getty Images)

FrankfurtEs ist ein ehernes Gesetz: Beteiligungskapital ist ein Markt für Profis, das „Eintrittsgeld“ liegt in der Regel im Millionenbereich. Die Fonds der großen Private-Equity-Häuser mit klingenden Namen wie KKR oder Carlyle blieben weitgehend den institutionellen Investoren – darunter Pensionskassen, Versicherungen und Versorgungswerke – vorbehalten.

Doch das könnte sich nun bald ändern. Ein Berliner Fintech-Unternehmen will jetzt auch den privaten Investoren den direkten Weg zu den Top-Fonds der alternativen Anlageklasse ebnen. „Wir sprechen die erfahrenen Privatanleger an, die Mindestanlagesumme beträgt in Deutschland 200.000 Euro. Neben Privatpersonen haben wir auch Family Offices und Privatbanken mit einbezogen“, sagt Alexander Argyros, Gründer und CEO des Fintech-Unternehmens Moonfare dem Handelsblatt.

Private Equity gilt als riskante, aber lukrative Anlage. Die global operierenden Fonds übernehmen Unternehmen oder Konzernteile und restrukturieren sie über drei bis zehn Jahre. Danach veräußern sie die Firmen wieder an Strategen aus der Industrie oder an Finanzinvestoren, eine weitere Exit-Möglichkeit ist ein Börsengang.

Beflügelt wurde das Beteiligungsgeschäft durch die günstigen Übernahmefinanzierungen, denn die Private-Equity-Manager stemmen die Zukäufe über den Einsatz von rund 40 bis 50 Prozent Fremdkapital. Im bisherigen Jahresverlauf haben die Private-Equity-Fonds weltweit 5400 Deals eingefädelt und dabei 511 Milliarden Dollar investiert – ein Plus von 38 Prozent. In Deutschland wurden in den vergangenen Monaten von Finanzinvestoren Milliarden für den Kauf des Energiedienstleisters Techem und des Arzneimittelherstellers Stada hingeblättert.

Heiß laufender Markt

Bislang konnten Privatanleger über Dachfonds und sehr wenige börsennotierte Gesellschaften in die Anlageklasse Private Equity investieren. Ein gezieltes Investment in einzelne Mega-Fonds fehlte. Jetzt gewährt die neue Plattform Moonfare erstmals den direkten Zugang, derzeit nutzen bereits rund 200 Anleger das neue Instrument im Internet.

Beim Private-Equity-Fonds EQT VIII, der insgesamt 10,8 Milliarden Dollar managt, seien 20 Millionen Dollar über Moonfare eingebracht worden, beim Carlyle Partners VII mit einem Volumen von 18,5 Milliarden Dollar seien es 35 Millionen Dollar gewesen. „Bis zum Ende des Jahres werden wir rund 100 Millionen Dollar managen. Für Ende 2019 sind 2 000 Kunden und ungefähr 350 Millionen Euro geplant“, erläutert Moonfare-Gründer Argyros, der früher für KKR und JP Morgan Securities arbeitete.

Nach Carlyle und EQT soll als nächster Anbieter Warburg Pincus auf die Plattform kommen. Laut Argyros wollen bereits 18 Fonds mit Moonfare zusammenarbeiten. Im Aufsichtsrat des Newcomers sitzen der frühere Pro-Sieben-Sat1-Chef Thomas Ebeling und Prof. Heinrich von Liechtenstein von der IESE Business School.

„Geschäftsmodelle wie Moonfare sind ein erster Schritt für eine Öffnung des Privatkundenmarktes. Hier ist das Internet der Hebel, um sehr viel mehr Kunden zu erreichen“, sagt Peter Schwanitz, selbstständiger Berater für Private Equity. Solche virtuellen Plattformen seien ein relativ neuer Trend hierzulande, in den USA sei das Geschäftsmodell schon etabliert und sehr erfolgreich.

Dort sei aber auch das regulatorische Umfeld viel günstiger, das Geschäft mit privaten Kunden sei dort einfacher umzusetzen. „Wegen des recht hohen Mindestbetrags für die Anlage kommt ein relativ überschaubarer Kreis von vermögenden Personen und Familien als Kunden infrage“, ergänzt Schwanitz.

Moonfare ist für deutsche Investoren ein Novum, in den USA gibt es aber schon vergleichbare Geschäftsmodelle. iCapital Network sowie Artivest verwalten jeweils rund fünf Milliarden Dollar, hier sind Blackrock sowie der Investor Peter Thiel engagiert.

Die Kleinanleger müssen bei Moonfare eine jährliche Managementgebühr von bis zu 0,75 Prozent bezahlen sowie eine einmalige Gebühr von einem Prozent des investierten Geldes. Die Bruttorenditen der Top-Beteiligungsfonds lagen in der Vergangenheit bei 20 bis 25 Prozent per annum, allerdings floss zuletzt extrem viel Geld in die Anlageklasse, sodass die Renditen in Zukunft tendenziell niedriger ausfallen dürften.

Laut dem Informationsdienst Preqin betrug das weltweit verwaltete Vermögen in den Beteiligungsfonds Ende Dezember 2017 gut drei Billionen Dollar, entsprechend einem Plus von 20 Prozent. Dies war die höchste Zuwachsrate seit dem Jahr 2000.

Die Risiken bei solchen Finanzprodukten darf man jedoch nicht aus den Augen verlieren. So können die Investments in einem allgemeinen Kursrutsch auch überdurchschnittlich an Wert verlieren. Denn Kritiker befürchten, dass in der jetzigen Boomphase zu hohe Preise bezahlt werden. Das nicht investierte Kapital lag zuletzt mit rund einer Billion Dollar auf einem Höchststand. Angelockt werden die Investoren von den sehr hohen Renditen, es gibt allerdings auch einen weiteren wesentlichen Nachteil der Anlageklasse.

Die Lebensdauer der Private-Equity-Fonds beträgt üblicherweise zehn Jahre, in den ersten drei bis vier Jahren wird nur investiert, Erträge fallen in den Folgejahren an. Das Kapital ist also relativ lange gebunden. Geldgeber müssten sich darüber im Klaren sein, dass das investierte Kapital bei Private Equity kurzfristig nicht zur Verfügung steht, die Liquidität also nicht gegeben sei, sagt ein Branchenexperte.

„Private Equity bleibt eine renditeträchtige, aber auch sehr langfristige Geldanlage, das ändert sich auch nicht mit einem virtuellen Geschäftsmodell. Investieren sollte man nur Gelder, die man übrig hat“, sagt Schwanitz.

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