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M&A-Geschäft Einbruch bei Übernahmen: Das Leiden der deutschen Investment-Branche

Investmentbanking in Deutschland ist in diesem Jahr ein schwieriges Geschäft, vor allem Fusionen und Aktienplatzierungen. Doch die Banker geben die Hoffnung nicht auf.
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Thyssen-Krupp will sich von seiner Aufzugssparte trennen. Quelle: Bloomberg
Testturm für Aufzüge in Rottweil

Thyssen-Krupp will sich von seiner Aufzugssparte trennen.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Eine 200-jährige Firmengeschichte ist keine Garantie für dauerhaften Erfolg. Das bekommt in diesen Tagen der Stahlkonzern Thyssen-Krupp zu spüren. Angesichts der herben Verluste an der Börse muss das Industrie-Urgestein den Eliteindex deutscher Unternehmen, den Dax, verlassen.

Um den Kurs wieder auf Trab zu bringen, plant Konzernchef Guido Kerkhoff einen Verkauf oder den Börsengang der Aufzugssparte. Nach Einschätzung aus Finanzkreisen ist sie etwa 15 Milliarden Euro wert. Für Investmentbanker ein verlockender Deal. Denn zweistellige Milliarden-Transaktionen sind in diesem Jahr Mangelware.

Wie stark die in den vergangenen Jahren durch Rekorde erfolgsverwöhnte Investmentbanking-Branche zu leiden hat, zeigen die jüngsten Zahlen: Nach den Berechnungen des Finanzdatenanbieters Refinitiv brach das Volumen bei Fusionen und Übernahmen (M&A) mit deutscher Beteiligung in den ersten drei Quartalen um 52 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 106 Milliarden Dollar ein.

Noch schlechter sieht es bei Aktienemissionen aus, was Börsengänge einschließt, wie im Fall der Lkw-Tochter von VW, Traton. Hier fiel das Geschäft gar um 64 Prozent auf 9,8 Milliarden Dollar. Halbwegs stabil konnte sich nur der Anleihebereich halten mit einem Rückgang um sieben Prozent auf 304 Milliarden Dollar. Die Flaute schlägt sich auch in den Gebühreneinnahmen nieder, die im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar einbrachen. Die Zahlen liegen dem Handelsblatt exklusiv vor.

Da das M&A-Geschäft ein Indikator für das Vertrauen der Unternehmen ins wirtschaftliche Umfeld ist, lässt sich das schwache Ergebnis auch als schlechtes Omen für die Konjunktur lesen. Lucille Jones, Analystin bei Refinitiv verweist allerdings darauf, „dass das Gesamtvolumen des vergangenen Jahres durch mehrere Megadeals getrieben wurde, die das Volumen deutscher M&A-Transaktionen auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gebracht haben“. Dazu gehörten die Übernahme des amerikanischen Mobilfunkanbieters Sprint durch T-Mobile, der Kauf von Innogy durch den Versorger Eon und der Erwerb des Kabelnetzbetreibers Unitymedia durch Vodafone.

Alle drei Deals summieren sich zu einem Volumen von 120 Milliarden Dollar und damit deutlich mehr als in den ersten neun Monaten dieses Jahres zusammenkam. „In Zeiten hoher Unsicherheit, einiger Gewinnwarnungen und einer drohenden Rezession fällt es Vorständen schwer, Aufsichtsräte und Großanleger von großen zweistelligen Milliardentransaktionen zu überzeugen“, analysiert Axel Höfer, Prokurist bei der US-Bank Goldman Sachs.

Hoffnungswert Thyssen-Krupp

Große Hoffnungen setzen Investmentbanker deshalb auf den Verkauf der Aufzugssparte von Thyssen-Krupp. Die offizielle Verkaufsankündigung könnte noch vor Weihnachten erfolgen. Der Deal wäre mit 15 Milliarden Euro um zwei Drittel größer als die bisherige Nummer eins im laufenden Jahr, die Übernahme von Cypress Semiconductor durch den Halbleiterhersteller Infineon für rund neun Milliarden Euro. Entsprechend versuchen alle Investmentbanken, einen Auftrag als Berater zu ergattern. Die Chancen, dass es zu einem Verkauf der Sparte kommt, stehen nicht schlecht.

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Thyssen-Chef Kerkhoff habe in der vergangenen Woche Finanzinvestoren aufgefordert, ein Gebot abzugeben, berichten Finanzkreise. Mit dabei seien nahezu alle Private-Equity-Häuser von Rang und Namen. Dazu gehörten Advent, Apollo, Blackstone, Brookfield, Carlyle, Clayton Dubilier & Rice sowie CVC.

Da die Fonds auf Milliarden Mitteln für Investitionen sitzen, können sie sich derart große Übernahmen leisten. Im Zweifel arbeiten sie mit einem zweiten Beteiligungshaus zusammen, wie etwa Bain und Cinven beim Kauf des Pharmakonzerns Stada. Auch Staatsfonds wie Temasek aus Singapur oder die kanadische Pensionskasse versuchen als Co-Investoren bei Übernahmen zum Zug zu kommen.

Wie viel Geld in der Private-Equity-Branche verfügbar ist, zeigt das Beispiel des größten Finanzinvestors der Welt. Das Beteiligungshaus Blackstone aus New York hat im laufenden Jahr 26 Milliarden Dollar für einen neuen Fonds eingesammelt und damit einen neuen Rekord aufgestellt, wie der Chef Stephen Schwarzman jetzt schrieb. Der Fonds Blackstone Capital Partners VIII ist damit rund fünf Prozent größer als der bisherige Rekordinhaber Apollo Investment Fund IX aus dem Jahr 2017.

Private Equity steht nach den Worten von Birger Berendes, M&A-Chef für Deutschland bei der Bank of America, heute in Europa für rund 30 Prozent des Volumens von Fusionen und Übernahmen, ein neuer Höchststand. „Für die nächsten Jahre sehen wir eine Fortführung dieses Trends – getrieben durch immer mehr Beteiligungsfonds mit Anlagevermögen im zweistelligen Milliardenbereich und das attraktive Zinsniveau. Das Kapital muss investiert werden“, betont der Investmentbanker.

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Es gibt für das Aufzugsgeschäft aber auch strategische Investoren, die gerne zugreifen würden. Der Chef des finnischen Konkurrenten Kone, Henrik Ehrnrooth, hat sein Interesse in einem Interview mit dem Handelsblatt bereits gezeigt und ist durchaus bereit, Thyssen-Krupp weiter als Mitaktionär nach einer Übernahme zu akzeptieren.

Ein geschickter Schachzug. Thyssen-Chef Kerkhoff hat Interessenten aus dem Private-Equity-Bereich bereits signalisiert, dass er es vorziehen würde, eine Minderheitsbeteiligung am Aufzugsgeschäft zu behalten. So könnte er Geld für den geplanten Konzernumbau beschaffen, aber weiterhin von der ertragsträchtigen Sparte profitieren. Als ein weiterer möglicher Bieter wird auch der japanische Konkurrent Hitachi gesehen.

Eine Alternative zum Verkauf wäre ein Gang an die Börse. Allerdings benötigt eine derartige Strategie eine Vorlaufzeit von rund sechs Monaten. Diese Zeit dürfte Kerkhoff nicht haben, nachdem aktivistische Investoren wie Cevian Druck auf eine schnelle Lösung machen, wie es in Finanzkreisen heißt.

Bei einer Fusion mit einem Konkurrenten könnten die Kartellbehörden zu einem Problem werden. Zwar erwarten Banker keine zweijährige Überprüfung, wie bei der Übernahme von Monsanto durch den Agrarchemiekonzern Bayer. Allerdings geht der Trend klar zu längeren Überprüfungen, „die das Risiko mit sich bringen, dass sich die Welt bis zum Abschluss der Transaktion verändert hat.

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Auch eine Untersagung ist im schlimmsten Fall möglich“, betont Holger Knittel, M&A-Chef für Deutschland bei der US-Bank Citi. Die Probleme sind gerade in politisch turbulenten Zeiten besonders groß. Nach einer Untersuchung der Citi ist die Zeit zwischen der Ankündigung einer Übernahme und dem Abschluss von durchschnittlich 92 Tagen in Europa im Jahr 2010 auf mehr als das Doppelte im vergangenen Jahr angestiegen.

Auch wenn der Thyssen-Deal in diesem Jahr gelingen sollte, „M&A bleibt für den Rest des Jahres schwierig. Angesichts der konjunkturellen Lage ist mit mehr Restrukturierungen zu rechnen“, sagt Goldman-Banker Höfer. Zu einer Art Sonderkonjunktur führe jedoch die Suche der Firmen nach Möglichkeiten, ihre Geschäftsmodelle angesichts der Digitalisierung auf künftige Wachstumsfelder auszurichten. Außerdem schauen sich japanische Adressen verstärkt in Deutschland nach Übernahmezielen um, wie Sven Baumann von Citi meint.

Bessere Zeiten für Börsengänge

Vor allem vom Prinzip Hoffnung lebt auch das Geschäft mit Aktienemissionen in Deutschland. Nachdem der Börsengang der Lkw-Tochter von VW, Traton, mit 1,5 Milliarden Euro deutlich kleiner als erwartet ausgefallen ist, setzen die Investmentbanker nun auf Teamviewer.

Das Interesse an dem Softwareanbieter ist groß, berichten Finanzkreise und sprechen von einer mehrfachen Überzeichnung. Es bestünden gute Chancen, dass der Ausgabekurs zum Börsendebüt (IPO) am 25. September in Frankfurt in der Nähe des oberen Endes der Preisspanne von 23,50 bis 27,50 Euro je Aktie angesiedelt ist. Das würde dem Eigentümer, dem Finanzinvestor Permira, maximal 2,31 Milliarden Euro einbringen.

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Trotz der schwachen Bilanz in den ersten neun Monaten hoffen die Banker auf Besserung. Für Achim Schäcker, Chef des deutschen Aktienemissionsgeschäfts bei HSBC, hat sich „das Umfeld für Börsengänge und Aktienplatzierungen in den letzten Wochen deutlich aufgehellt“.

Börsengänge mit starker Wachstumsstory und überzeugendem Geschäftsmodell böten recht attraktive Ertragschancen. Deshalb sei trotz aller makroökonomischen Widrigkeiten ein lebhafter Herbst für Aktienemissionen möglich: „Im Rest des Jahres kann es in Europa noch zu mindestens einem Dutzend erfolgreichen Börsengängen kommen“, hofft Schäcker.

Mehr: Mit Zukäufen katapultierte sich die Deutsche Bank in die Welt der angelsächsischen Investmentbanker. Doch die Risiken waren zu groß.

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