Munich Re Investoren erteilen Munich Re einen Rüffel

Auf der Hauptversammlung erhält der scheidende Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard viel Lob. Doch eine Abstimmungsniederlage beim umstrittenen Vergütungsplan kann dies nicht verhindern.
Update: 26.04.2017 - 17:16 Uhr Kommentieren
Der CEO verabschiedet sich nach 13 Jahren an der Spitze der Munich Re. Quelle: AFP
Nikolaus von Bomhard

Der CEO verabschiedet sich nach 13 Jahren an der Spitze der Munich Re.

(Foto: AFP)

MünchenAn seiner Position zum umstrittenen Vergütungsplan machte Nikolaus von Bomhard keinen Hehl. „Es handelt sich um ein nachhaltiges System“, beteuerte der scheidende Vorstandschef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re am Mittwoch vor den Aktionären. „Aber wir können unsere Vergütungskriterien nicht alle offenlegen, sonst erhalten Wettbewerber sensible Informationen über unsere Pläne.“

Doch das wortreiche Werben des 60-Jährigen Vorstandschefs, der in der Nacht zum Donnerstag das Ruder an seinen Nachfolger Joachim Wenning übergibt, konnte die rund 3000 Aktionäre auf der Hauptversammlung in München nicht mehr umstimmen. Das System zur Vergütung der Vorstandsmitglieder findet bei den Anlegern keine Mehrheit. Nur 34 Prozent stimmen zu – zu wenig, um akzeptiert zu werden.

Es ist ein Paukenschlag zum Abschied, der den Stabswechsel von von Bomhard zu Wenning trübt. Doch das Management musste sich bereits in den letzten Tagen darauf einstellen, dass das geplante Vorstands-Vergütungssystem in der Abstimmung durchfiel. Der einflussreiche Aktionärsberater ISS hatte empfohlen, das System abzulehnen, da die Kriterien für die Bemessung der Vorstandsboni den Aktionären nicht erläutert würden. Auch werde dem Aufsichtsrat zu viel Spielraum in der Festlegung der Boni eingeräumt. Bei der Deutschen Bank waren die Gehalts- und Bonus-Richtlinien bereits im vergangenen Jahr auf der Hauptversammlung durchgefallen – ebenfalls auf Betreiben von ISS.

Auch die Beschwörungen von Aufsichtsratschef Bernd Pischetsrieder auf der Hauptversammlung können die Anleger nicht zu einem Ja für den Vergütungsbericht mehr umstimmen. „Die Vorstandsmitglieder werden damit nicht motiviert, unverhältnismäßige Risiken einzugehen“, erklärte er mit  den Anlegern mit einer Stimme, die seine bayerische Herkunft deutlich verrät.  Doch es hilft nichts.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Auf Vorschlag der Stimmrechtsberater stimmten mehr als 65 Prozent der anwesenden Aktien gegen den Vorschlag von Aufsichtsrat und Vorstand, das bisherige System ohne Offenlegung fortzusetzen. Pischetsrieder reagiert am Ende leicht verärgert, weil die Stimmrechtsberater vorher nicht das Wort ergriffen hatten. „Eigentlich halte ich das für eine Missachtung des Gremiums“, sagte der frühere BMW-Chef. Trotzdem will der Aufsichtsrat nun über Konsequenzen beraten. Die Aktionärsvoten  zur Vergütung sind in Deutschland zwar rechtlich nicht bindend, aber Firmen können sich kaum erlauben, ein Nein der Anteilseigner zu ignorieren.

Der Dämpfer für das Munich-Re-Kontrollgremium wirft einen leichten Schatten über einen Tag, an dem eigentlich der Führungswechsel sowie die Verabschiedung des scheidenden Vorstandschefs im Mittelpunkt stehen sollte. Von Bomhard selbst geht zuvor in seiner Abschiedsrede nur mit wenigen Worten auf den Streit ein.

Stattdessen nutzt er seine letzte Rede zu einem persönlich gefärbten Lebewohl nach 13 Jahren an der Spitze des weltgrößten Rückversicherers und einen Rückblick auf das abgelaufene Geschäftsjahr. „Das Wort Stolz ist mir eher suspekt“, ruft er den Aktionären zu. „Aber ich bin wirklich stolz auf das, was wir unter der Überschrift ‚Innovation‘ über die gesamte Gruppe hinweg erreicht haben.“ Die Pipeline der Ideen sei erfreulich voll. Die Munich Re habe 2016 zwar kein „Ergebnis mit Goldrand“ vorgelegt – wie von Bomhard unter Anspielung auf den Bilanzcheck des Handelsblatts betonte – aber hinter der Gruppe liege ein „ordentliches Jahr“.

Auch im laufenden Jahr liege der Konzern nach einer ersten Einschätzung des Geschäftsverlaufs in den ersten drei Monaten dieses Jahres „gut auf Kurs, um unser Gewinnziel zu erreichen“. Das liegt allerdings unter Vorjahr: Für das laufende Jahr strebt Munich Re einen Gewinn von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro an, nach 2,6 Milliarden Euro im Jahr 2016. Am Ende seines Vortrages erlaubt sich von Bomhard dann aber auch noch einige persönliche Worte. „Es ist ein Privileg, für dieses Unternehmen gearbeitet haben zu dürfen, sagt er mit leiser, aber bestimmter Stimme in München. Die Munich Re habe sich immer die Freiheit genommen, auch gegen den Strom zu schwimmen und den Mut zum Widerspruch bewiesen, wenn etwas in ihren Augen schief lief – und dabei nicht nur „eng pro domo“ gesprochen.

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