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N26-Konkurrent Dauerdruck und Überstundenkultur – Digitalbank Revolut offenbart ihre dunkle Seite

Die Digitalbank Revolut gilt als eine britische Erfolgsgeschichte. Nun gibt es Berichte über die „menschlichen Kosten“ des rasanten Aufstiegs.
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Die britische Digitalbank durchlebt gerade ihre schwerste Imagekrise. Quelle: IMAGO
Revolut

Die britische Digitalbank durchlebt gerade ihre schwerste Imagekrise.

(Foto: IMAGO)

LondonMehr als 700 Gäste drängten sich vergangenen Donnerstag in der ehemaligen Brauerei „The Brewery“ im Londoner Finanzdistrikt, als Bürgermeister Sadiq Khan zur jährlichen Verleihung der London Business Awards geladen hatte. Ausgezeichnet wurden die besten Unternehmen der Stadt, darunter auch das Fintech Revolut. Das Start-up bekam den Preis für das „größte globale Wachstum“.

Doch dessen Gründer, Nikolay Storonsky, war nicht anwesend, um den Pokal entgegenzunehmen. Er hatte andere Sorgen. Tagsüber hatte das Tech-Magazin „Wired“ einen investigativen Artikel über die „menschlichen Kosten“ des rasanten Aufstiegs der Digitalbank veröffentlicht. Ehemalige Mitarbeiter berichteten von unbezahlter Arbeit, unrealistischen Zielvorgaben und einer hohen Kündigungsquote.

So erzählte eine ehemalige Revolut-Bewerberin, dass sie als Teil des Bewerbungsprozesses auf sozialen Netzwerken ihre Freunde als neue Kunden anwerben sollte. Das Magazin zitierte interne Ansagen Storonskys, in denen er Mitarbeitern Wochenendarbeit nahelegte und mit Kündigung drohte.

Dazu passte eine Analyse von 147 LinkedIn-Profilen ehemaliger Mitarbeiter. Sie kam zu dem Ergebnis, dass mehr als 80 Prozent von ihnen es weniger als ein Jahr bei der Bank aushielten. Der Bericht schlug Wellen, denn er offenbarte eine neue Seite des Start-ups, das seit seiner Gründung im Jahr 2015 als britische Erfolgsgeschichte gefeiert wird.

Die Zahlen bleiben beeindruckend: Mehr als vier Millionen Kunden nutzen die App-basierten Bankdienstleistungen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg im vergangenen Jahr von 150 auf mehr als 750.

Investoren bewerten die Firma der beiden russischstämmigen Gründer Storonsky und Vlad Yatsenko mit 1,7 Milliarden Pfund. Sie gehört damit zum elitären Zirkel der europäischen „Einhörner“. Seit 2018 ist Revolut auch in Deutschland aktiv und macht N26 Konkurrenz.

Doch mit der Größe wachsen auch die Probleme. Die Firma durchlebt die bisher schwerste PR-Krise ihrer jungen Geschichte. Die Negativschlagzeilen begannen schon im Januar mit einer Werbekampagne in der britischen Hauptstadt. Revolut hatte die Slogans seiner Plakate fast eins zu eins bei einer zwei Jahre alten Kampagne des Streamingdienstes Spotify abgeguckt – und musste dann auch noch einräumen, die abgedruckten Statistiken zu den eigenen Kunden frei erfunden zu haben.

Start-up ist mit Geldwäsche-Vorwürfen konfrontiert

Vergangene Woche dann berichtete der „Daily Telegraph“, dass Revolut gegen Geldwäscheregeln verstoßen haben soll. Das ist ein schwerwiegender Vorwurf für eine Firma, die sich weltweit um Banklizenzen bewirbt.

Demnach hatte Revolut zwischen Juli und September 2018 eine Funktion in der Kontrollsoftware ausgeschaltet, die verdächtige Zahlungen an oder von sanktionierten Personen automatisch blockiert. Nachdem ein Mitarbeiter dies gemeldet hatte, startete der Board eine interne Untersuchung. Mitte September wurde die Funktion wieder aktiviert.

Damit nicht genug: Am Freitag trat plötzlich Finanzvorstand Peter O’Higgins nach drei Jahren zurück. Das schien das interne Chaos zu bestätigen, auch wenn die Firma sogleich beschwichtigte, er mache nur Platz für einen erfahreneren Banker, der die globale Expansion begleiten kann. Am Dienstag schließlich berichtete die „Financial Times“, dass die Londoner Polizei wegen einer fehlgegangenen Überweisung von 70.000 Pfund gegen Revolut ermittele.

Der Imageschaden war komplett. Storonsky startete umgehend eine Gegenoffensive. Binnen weniger Tage veröffentlichte er gleich zwei offene Briefe auf der Firmenwebsite. Am Freitag ging er zunächst auf den Vorwurf ein, die Geldwäschekontrollen abgeschaltet zu haben. Der Bericht sei „irreführend“, schrieb er.

Man habe im vergangenen Juli eine neue, „verbesserte Compliance-Software“ eingeführt. Die neue Software habe nicht den eigenen Standards entsprochen, deshalb habe man im September wieder das alte System aktiviert. Man habe nachträglich alle Transaktionen in dem Zeitraum auf mögliche Geldwäsche überprüft und keinerlei Hinweise gefunden. Zu keinem Zeitpunkt habe Revolut gegen das Gesetz verstoßen.

Gründer Storonsky räumt Fehler ein

Erst am Montag äußerte der Gründer sich zu den Vorwürfen in dem „Wired“-Artikel. Die Berichte ehemaliger Mitarbeiter lassen sich nicht so einfach abtun. Er versuchte es daher gar nicht erst mit einem Dementi. Er wolle keine Ausreden suchen, sondern zugeben, „dass wir in der Vergangenheit nicht immer alles richtig gemacht haben“, schrieb Storonsky.

Er habe inzwischen gelernt, dass die Prozesse in einer Firma mit fünf Mitarbeitern nicht die gleichen sein können wie in einer Firma mit achtzig oder achthundert Mitarbeitern. „Ich weiß jetzt, dass zu einem erfolgreichen Unternehmen mehr gehört, als nur die Ziele zu erfüllen“, schrieb der frühere Credit-Suisse-Trader. Deshalb werde man die Mitarbeiter nun nach Verbesserungsvorschlägen befragen. Auch suche man einen neuen „Head of People and Culture“.

Der Brief folgt dem Handbuch der Krisen-PR: Fehler einräumen, Besserung geloben, ein paar konkrete Vorschläge machen. Die Frage ist, wie glaubwürdig er ist. So schnell ändert sich eine Unternehmenskultur nicht. Und Revolut ist nicht das erste Start-up, bei dem die Mitarbeiter gegen den Dauerdruck und die Überstundenkultur aufbegehren.

Am Dienstag musste Revolut weitere kritische Fragen beantworten, nachdem die „Financial Times“ über die Ermittlungen der Londoner Polizei berichtet hatte. Ein Geschäftskunde hatte sich wegen einer fehlgeleiteten Zahlung von 70.000 Pfund an die Behörden gewandt, nachdem er bei Revolut nicht weitergekommen war.

Die Bank betonte auf Handelsblatt-Anfrage, es werde nicht wegen Betrugs ermittelt und man wisse auch von keiner anderen Ermittlung. Das Geld sei wegen falscher Zahlungsangaben nicht auf dem richtigen Konto gelandet, man sei dabei, dies zu beheben.

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