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Nach Danske und Swedbank Auch Nordea betroffen: Geldwäscheskandal weitet sich aus

Die Teilhabe nordeuropäischer Finanzinstitute an einem der größten Geldwäschefälle Europas wird immer größer. Quelle der Gelder: oft russische Eliten.
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Die skandinavische Bank muss den größten Kurssturz seit einem Jahr verkraften. Quelle: Reuters
Nordea Bank

Die skandinavische Bank muss den größten Kurssturz seit einem Jahr verkraften.

(Foto: Reuters)

FrankfurtNach Informationen des öffentlich-rechtlichen finnischen Fernsehsenders YLE, der dänischen Tageszeitung „Berlingske“ und des Journalistennetzwerks Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) ist nach Danske Bank aus Dänemark und Swedbank aus Schweden nun auch die größte Bank der Region, Nordea, in den großen Geldwäscheskandal verwickelt. Wie beide Medien am Montag enthüllten, sollen über Nordeas Abteilung für internationale Geschäfte in Kopenhagen rund 700 Millionen Euro gewaschen worden sein.

Als Folge fielen die Aktien des größten skandinavischen Geldhauses am Montag in Helsinki um bis zu 6,6 Prozent. Das ist der größte Kurssturz seit einem Jahr.

Ein Großteil der Gelder soll von Personen stammen, die der russischen Machtelite zugerechnet werden. Aus dem Material, das YLE, „Berlingske“ und OCCRP zugespielt worden ist, geht hervor, dass rund 300 Nordea-Kunden aus verschiedenen ex-sowjetischen Ländern Gelder über Nordeas internationale Abteilung gewaschen haben.

Die Methode ist von anderen Geldwäscheskandalen schon bekannt: Gelder aus kriminellen Geschäften in Russland werden über Strohmänner auf den britischen Jungferninseln, in Panama oder anderen Steuerparadiesen zu nordeuropäischen Banken überführt. Aufgrund fehlender Kontrollmechanismen gingen die Gelder über mittlerweile geschlossene litauische Banken auf Konten von Danske Bank, Nordea oder Swedbank ein.

Ein Beispiel: Der Nordea-Kunde Lankon Limited erhält eine Überweisung des Unternehmens Delico Corporation. Diese Firma ist in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku registriert. Knapp zwei Millionen Euro werden über die litauische Bank Ukio Bankas auf das Nordea-Konto in Kopenhagen überwiesen. „Für Ausrüstung“, heißt es auf dem Überweisungsdokument.

Zwischen 2008 und 2011 sollen zwischen den beiden Unternehmen insgesamt 40 solcher Geldtransfers durchgeführt worden sein. Der Empfänger Lankon Limited hat eine Adresse in Neuseeland. Chef soll nach Angaben von YLE und „Berlingske“ eine gewisse Nesita Manceau aus dem Steuerparadies Vanatu sein. Obwohl sie als Beruf „Hausfrau“ angegeben hat, ist sie Chefin von rund 400 Firmen.

„Als Nordea die Lankon Limited als Kunden akzeptierte, hätten viele rote Lampen blinken müssen“, zitiert „Berlingske“ den britischen Geldwäschespezialisten Graham Barrow, der bereits Geldwäscheskandale bei HSBC und der Deutschen Bank untersucht hat.

Auch andere Transaktionen hätten seiner Meinung nach auffallen müssen. So erhielt ein Unternehmen von der Karibikinsel Nevis Überweisungen „für Rohstoffe“ von einer anderen Firma aus Belize. Die Transaktionen gingen über die litauische Bank auf ein Nordea-Konto in Dänemark. „Warum soll ein Unternehmen aus Belize Gelder für Rohstoffe über eine litauische Bank und Nordea in Kopenhagen erhalten?“, so Barrow.

Nordea-Sprecherin Julie Galbo gab gegenüber „Berlingske“ zu, dass man aufmerksamer hätte sein müssen. „Historisch gesehen hatten wir wohl zu viel Vertrauen zu unseren Kunden, es grenzte an Naivität“, sagte sie der Zeitung.

Dass gerade nordeuropäische Banken in den Geldwäscheskandal verwickelt sind, liegt vermutlich an ihrem Engagement in den ehemaligen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen. Swedbank ist die größte Bank in der Region, auch Nordea und Danske Bank waren dort vertreten. Viele Unternehmen aus Russland und anderen Ex-Sowjetrepubliken unterhielten auch nach der Unabhängigkeit der baltischen Staaten enge Geschäftsbeziehungen zu ihnen.

Der bislang größte Geldwäscheskandal in Europa wurde im vergangenen Jahr bekannt. Dänemarks größte Bank, Danske Bank, soll zwischen 2007 und 2015 über seine kleine Filiale in Estland Transaktionen von nicht in Estland lebenden Personen und Unternehmen in einem Volumen von 200 Milliarden Euro durchgeführt haben. Das hatte ein interner Untersuchungsbericht der Bank ergeben. Ein Großteil der Transaktionen gilt als „verdächtig“, wie es in dem Bericht heißt. Indirekt ist auch die Deutsche Bank involviert, denn sie war über Jahre hinweg die Korrespondenzbank von Danske Bank in Estland.

Die Auftraggeber der Transaktionen sollen aus Russland, Moldawien und Aserbaidschan stammen. Laut internem Untersuchungsbericht gibt es außerdem Verbindungen zu dem in russischer Haft unter mysteriösen Umständen verstorbenen Anwalt Sergei Magnitzky, der Verwicklungen der russischen Machtelite in Korruptionsgeschäfte vor mehreren Jahren öffentlich gemacht hatte.

Einer von Magnitzkys Mandanten, der Chef des US-Investmentfonds Hermitage Capital Management, Bill Browder, hat angekündigt, die Danske-Bank-Affäre zum Anlass zu nehmen, um erneut über Korruption der russischen Machtelite zu recherchieren. Browder war 2017 in Abwesenheit von einem russischen Gericht zu neun Jahren Straflager wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden. Zuvor hatte er über zahlreiche Verwicklungen russischer Politiker und Geschäftsleute in Korruptionsaffären berichtet. 

Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass auch die schwedische Swedbank in den Geldwäscheskandal verwickelt ist. Sie soll demnach zwischen 2007 und 2015 über ihre Filialen in den baltischen Ländern insgesamt 40 Milliarden Kronen (3,8 Milliarden Euro) gewaschen haben.

Den Banken drohen enorme Geldstrafen, sollten sich die Vorwürfe erhärten. Im Fall von Danske Bank ermitteln die Finanzaufsichten in Dänemark, Estland und den USA.

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