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Nach dem EZB-Zinsentscheid Draghi könnte die Strafzins-Regeln für Banken aufweichen

Die avisierte Zinssenkung der EZB würde Europas Geldhäuser in hohem Maße belasten. Aber die Notenbank könnte die bittere Pille versüßen – besonders für deutsche Institute.
4 Kommentare
Der EZB-Präsident ordnet sein Erbe neu. Quelle: Reuters
Mario Draghi

Der EZB-Präsident ordnet sein Erbe neu.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Viele deutsche Banker können ihre Enttäuschung kaum verhehlen, als klar wird: Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), wird seine Amtszeit voraussichtlich mit einer weiteren Zinssenkung beenden.

Die vielleicht schärfste Kritik kam kurz nach der Entscheidung am Donnerstag aus dem Lager der Sparkassen. Angesichts der EZB-Signale, die Geldpolitik bald noch expansiver zu machen, warnte Sparkassenpräsident Helmut Schleweis: „Ein weiteres Anhalten oder eine Verschärfung der Negativzinsen wird für die Wirtschaft und für jeden in diesem Land deutlich spürbar werden.“

Die Banker fürchten konkret, dass die EZB im September ihren Einlagensatz von minus 0,4 Prozent auf minus 0,5 Prozent senkt. Für die Banken würde das neue Milliardenlasten bedeuten. Einige Institute haben bereits angedeutet, dass sie diese Lasten auch an ihre Privatkunden weitergeben könnten – vor allem in Form von höheren Gebühren.

Aber die EZB hatte immerhin auch eine positive Botschaft für die Banken im Gepäck. Die Notenbanker brachten eine Staffelung der Minuszinsen ins Spiel. Würden diese Gedanken Wirklichkeit, könnte die Zinslast der Geldhäuser um Milliarden von Euro niedriger ausfallen.

„Wenn die EZB diesen Zinsschritt unternimmt, muss sie der angekündigten Überprüfung von Staffelzinsen zur Entschärfung der Nebenwirkungen Taten folgen lassen, um die Kreditinstitute durch angemessene Freibeträge zu entlasten ", forderte Kai Wohlfahrt vom Verband der Genossenschaftsbanken.

Belastung könnte um weitere zwei Milliarden Euro steigen

Ein negativer Einlagensatz bedeutet, dass Banken Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie über Nacht bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. 2018 summierten sich die Lasten für die Institute in der Euro-Zone durch die Minuszinsen bereits auf 7,5 Milliarden Euro.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) befürchtet, dass durch die wahrscheinliche Zinssenkung der EZB die Belastung noch einmal um knapp zwei Milliarden Euro steigen würde. Für die deutschen Banken beläuft sich die aktuelle Last durch den Minuszins nach Berechnungen des BdB aktuell auf rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr, bei einer weiteren Zinssenkung würden noch einmal 600 Millionen Euro fällig.

Staffelzinsen würden bedeuten, dass die Geldhäuser einen zusätzlichen Freibetrag erhalten, für den die EZB keinen Minuszins verlangt. Beträgt der Freibetrag das Zehnfache des vorgeschriebenen Mindestreservesolls, würde das die Banken im Euro-Raum jährlich um 4,6 Milliarden entlasten, kalkuliert der Deutsche Sparkassen- und Giroverband.

Von einer solchen Regelung würden die Deutschen Banken am stärksten profitieren, zumindest wenn man den Nutzen in absoluten Zahlen misst.

Die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg haben ausgerechnet, was passieren würde, wenn die EZB ein ähnliches Modell wie die Schweiz einführen würde. Dort liegt der Leitzins bei minus 0,75 Prozent, die Banken profitieren gleichzeitig von einem Freibetrag in Höhe des 20-Fachen der Mindestreserve.

Würde die EZB diese Regelung übernehmen, würden die Lasten der deutschen Geldhäuser auf unter 1,5 Milliarden Euro fallen. Prozentual hätten die Institute in Spanien und Italien den größten Nutzen. Sie müssten gar keine Strafzinsen mehr an die EZB überweisen.

Die Hoffnung auf Staffelzinsen beflügelte am Donnerstag bereits die Bankaktien. Die Papiere der Deutschen Bank stiegen zeitweise um mehr als fünf Prozent, die Aktien anderer europäischer Institute wie ING oder Credit Agricole legten vorübergehend um etwa drei Prozent zu. Der europäische Bankenindex gewann zeitweise 2,4 Prozent.

Mehr: Die Entscheidungen der EZB im Newsblog zum Nachlesen

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4 Kommentare zu "Nach dem EZB-Zinsentscheid: Draghi könnte die Strafzins-Regeln für Banken aufweichen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Frank Krebs
    "Das Dragi und seine Nachfolgerin dieses Geld als Verfügungsmasse betrachten ist absolut einleuchtend."

    Nein, "einleuchtend" bestenfalls für Menschen mit krimineller Energie. Es ist ein Verbrechen, nichts anderes.
    Weil Sie (und ich) wissen, wie man aus Minuszinsen das Beste macht, dürfen sie nicht schlussfolgern, dass Andere, die dieses Wissen nicht haben, halt selber Schuld sind, wenn sie durch Draghis "Geldpolitik" enteignet werden.
    Jahrtausende lang haben die meisten Menschen Ersparnisse IMMER auf die einfachste Art und Weise gebildet: nämlich durch Horten von GUTEM Geld. Immer und immer wieder wurden sie jedoch von den Herrschern und Mächtigen um die gespeicherten Früchte ihrer Lebensenergie betrogen, sei es früher duch Münzverschlechterung oder Münzverruf oder heute durch Inflation oder ganz neu eben Minuszinsen.
    Der freie Markt würde GUTES Geld durchsetzen, mit dem man eben auch Kaufkraft über die Zeit speichern kann - die Herrscher und Zentralbanken produzieren dagegen bewusst SCHLECHTES Geld - und das ist UNETHISCH!!

  • Soll ich demnach Ihre Ausführungen, als lang gedacht, interpretieren? Nun denn, bonne Chance!

  • Nun Herr Krebs, das ist ein bisschen kurz gedacht. Europäische Banken müssen extreme Regulierung und niedrige Zinsen ertragen, während amerikanische Banken hier ein massiven Wettbewerbsvorteil genießen. Über kurz oder lang würden nicht europäische Banken die benachteiligten europäischen Banken übernehmen. Insofern muss der Strafzins für europäische Banken abgeschafft werden.

  • Dragi handelt zwar menschlich nachvollziehbar, aber unklug. Die Schonung der deutschen Institute, die sämtlich, die Entwicklung im modernen Banking verschlafen haben, verhindert die nötige Marktbereinigung. Deutschland hat zu viele Bankinstitute und es hat vor allem zu viele Schlechte.(die HypoVereinsbank mal ausdrücklich aussen vor, aber die gehört ja auch den Italienern) Der Personalbestand ist extrem hoch. Das Personal unmotiviert und schlecht ausgebildet, die Häfte dieser Schlafmützen müßte eigentlich entlassen werden. Seit 10 Jahren jammern diese Leute über die niedrigen Zinsen und waren nicht in der Lage eine adäquate Strategie zu entwickeln. Also Dragi bleib bei deiner Linie, die deutsche Bankenlandschaft muß schlanker werden, und der deutsche "Sparfuchs" muß lernen, das auch intelligente Formen der Geldanlage gibt. Was für eine Vorstellung: Einganzes Volk legt sein Geld in Lebensversicherungen und Spareinlagen an. Kein Wunder, das in diesem lustigen Land alle (übrigens auch die jungen Menschen)) wie fixiert auf die Rente schauen.
    Das Dragi und seine Nachfolgerin dieses Geld als Verfügungsmasse betrachten ist absolut einleuchtend.

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