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Nach der Brandkatastrophe Keine Versicherung wird die Schäden an Notre-Dame zahlen

Den teuren Aufbau der Kathedrale wird wohl hauptsächlich der französische Staat stemmen. Notre-Dame hatte keinen wirklichen Versicherungsschutz.
1 Kommentar
Notre-Dame: Keine Versicherung wird die Schäden zahlen Quelle: Reuters
Notre Dame in Flammen

Die Wiederaufbauarbeiten des fast 900 Jahre alten Denkmals könnten mehrere Milliarden Euro verschlingen.

(Foto: Reuters)

ParisNach dem vernichtenden Feuer am Montag in der Kathedrale Notre-Dame stellt sich die große Frage der Versicherung des Bauwerkes. Historiker haben schon geschätzt, dass die Wiederaufbauarbeiten des fast 900 Jahre alten Denkmals mehrere Milliarden Euro verschlingen könnten. Doch Notre-Dame hat keine wirkliche Versicherung. Die Kathedrale gehört Frankreich. Das ist bei allen religiösen Einrichtungen so, die vor 1905 – also vor der Trennung von Staat und Kirche – gebaut wurden.

Laut einer staatlichen Quelle, die die Tageszeitung „Le Parisien“ zitiert, war die Kathedrale nicht versichert. Dazu ist der Staat nur bei Gebäuden verpflichtet, nicht aber bei historischen Denkmälern. Auch die Kunstschätze sind über den Staat versichert, soweit sie ihm und nicht Stiftungen oder der Kirche selbst gehören.

Was mögliche Versicherungen der Kirche angeht, gibt es bisher keine Details. Meist sind diese Kunstwerke nicht versichert, so Experten, weil ihr Wert unschätzbar ist. Ohnehin hätte keine Versicherung ausgereicht, um die Schäden zu zahlen. Der Eiffelturm etwa ist gegen Brand versichert, aber nur in Höhe von 200 Millionen Euro. Die Nichtversicherung hat einen Grund: Die Prämien jedes Jahr wären höher als die tatsächlichen Kosten einer Beschädigung.

Und damit wäre Frankreich an der Reihe zu zahlen. Präsident Emmanuel Macron hat versprochen, dass Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren wieder aufgebaut werden soll. Renovierungsarbeiten werden zumeist auf Staatskosten finanziert. Doch der Staat muss vermutlich in diesem Fall nicht allzu tief in die Kasse greifen, denn Frankreichs Großunternehmen, darunter die Familie Pinault (Kering), Bernard Arnault (LVMH) und diverse andere haben schon über 800 Millionen Euro versprochen. Und die Familie Pinault erklärte sogar, für diese Spende will sie nicht die vorgesehenen Steuerabschläge vom Staat bekommen.

Allerdings könnten darüber hinaus auch Versicherungsunternehmen zur Kasse gebeten werden. Würde sich herausstellen, dass Unternehmen mit Schuld an dem Brand tragen, haftet die Firma. Die Bauunternehmen, die in der Kirche arbeiten, haben ihre eigenen Versicherungen, um die Arbeiten abzusichern. Allerdings sicherlich nicht in der Höhe, wie sie hier anfällt. Meist werden diese Versicherungen nur über rund zehn Millionen Euro abgeschlossen.

Übersteigt der Schaden die versicherte Höhe, könnte der Bauunternehmer haftbar sein. Doch damit das Unternehmen nicht pleite macht, tritt in solchen Fällen der Staat für den Rest der Summe ein.

Frankreich hat für das Jahr 2019 im Budget des Kulturministeriums insgesamt 345 Millionen Euro für Schäden eingeplant. Da die Schäden die Summe weit übersteigen, müsste über mehrere Jahre zusätzlich eine Schadenssumme kalkuliert werden. Deshalb setzt Macron auf einen staatlichen Fonds, in den jeder spenden kann.

Bei zwei Bauunternehmen, Europe Echafaudage und Le Bras Frères ist die Axa im Spiel, teilte die Versicherungsgesellschaft mit. Axa Art versichert auch einige religiöse Kunstwerke. Axa kündigte schon an, selbst zehn Millionen Euro spenden zu wollen. Ein Sprecher wollte aber keine Schätzung abgeben, welche Kosten sonst auf den Versicherer zukommen könnten.

Bei solchen Fällen gibt es oft jahrelange Streitigkeiten um die Höhe der Versicherungssumme. Insgesamt sollen laut Staatsanwaltschaft fünf Unternehmen an der Renovierung der Kathedrale beteiligt gewesen sein.

Allerdings hatten nach letzten Informationen nur zwei Unternehmen Europe Echafaudage (Gerüstbau) sowie Socra (Renovierung von Kunstwerken) bisher mit den Renovierungsarbeiten begonnen, wobei Europe Echafaudage eine Filiale von Le Bras Frères (zuständig für Dach- und Dachstuhlrenovierung der Notre-Dame) aus Jarny in Ostfrankreich ist. Es handelt sich dabei um ein Familienunternehmen mit 25 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2017 und 200 Angestellten, spezialisiert auf historische Bauwerke.

Bisher ist die Brandursache noch nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Unfall im Zusammenhang mit den Bauarbeiten aus. Ob aber jemals die genauen Verantwortlichkeiten festgestellt werden können, ist unklar. Möglicherweise ist ein Kurzschluss dafür verantwortlich, zitierte die Tageszeitung „Le Parisien“ eine den Ermittlungen nahestehende Quelle.

Beim Feuer wurde ein großer Teil des Dachstuhls, der zum Teil schon aus dem 13. Jahrhundert stammt, zerstört. Auch die 93 Meter hohe Spitze des Kirchenschiffes ist eingestürzt. Dazu kommen die Schäden des eingesetzten Wassers. Ein großer Teil der Kunstschätze soll gerettet worden sein, nach Schätzungen von Experten gingen aber mindestens 5 bis 10 Prozent der Schätze verloren, darunter auch große Gemälde.

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1 Kommentar zu "Nach der Brandkatastrophe: Keine Versicherung wird die Schäden an Notre-Dame zahlen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zurzeit deutet nichts darauf, dass die Bauunternehmen den Brand verursacht hätten. Dennoch spekuliert die Autorin zudem falsch darüber, was wäre, falls eines der zwei bei Axa versicherten (von fünf am Dach tätigen) Handwerksunternehmen den Brand an Notre Dame verursacht hätten. Hätten!

    Und was steht im Text: “Übersteigt der Schaden...“ - und prompt liest sich das wie eine Tatsache vom schuldigen Dachdecker. Was fehlt: Ein Schadenverursacher haftet immer, und zwar ab dem ersten Euro - egal, ob er versichert ist oder nicht, egal, ob bei (im Beispiel fiktiven und spekulativen) 10 Millionen Haftpflicht-Deckungssumme das Versicherungsgeld ausgeht.

    Dass der französische Staat bei (zum Beispiel) zu knappen Haftpflicht-Versicherungssummen einspringt wie im Text spekuliert, etwa um den schlecht versicherten Handwerker zu retten, das verweise ich ins Reich der Fantasie.