Nach der Trump-Wahl US-Banken drängen auf schnelle Deregulierung

Unter den US-Banken mehren sich die Stimmen, die unter anderem das Eigenhandelsverbot der Geldhäuser zumindest lockern wollen. Branchenlobbyisten berichteten zuletzt, seit längerem mit Parlamentariern darüber zu reden.
Kommentieren
Die US-amerikanische Finanzbranche wittert Morgenluft nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten. Quelle: AP
New York Stock Exchange

Die US-amerikanische Finanzbranche wittert Morgenluft nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten.

(Foto: AP)

New York/DüsseldorfDie US-Großbanken wollen den bevorstehenden Regierungswechsel für eine Abschwächung der nach der Finanzkrise verschärften Auflagen nutzen. Mehrere Branchenlobbyisten berichteten zuletzt, mit Parlamentariern bereits seit einiger Zeit entsprechende Gespräche zu führen.

Im Zentrum steht dabei die nach einem früheren Notenbank-Chef benannte sogenannte Volcker-Regel, die ein wichtiger Teil der Reformen als Lehre aus den kostspieligen Bankenrettungen (Dodd-Frank-Gesetz) ist. Sie zielt darauf ab, dass die Institute ihren Eigenhandel beschränken und damit riskanten Finanzwetten aus dem Weg gehen.

So gefährlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland
1 von 14

Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 17 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – das ist eine weniger als im Vorjahr. Diese Banken müssen ein Prozent mehr Kapital zusätzlich zu der erforderlichen Eigenkapitalquote vorhalten. Unter diesen für das System vergleichsweise nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, ING Bank, die Royal Bank of Scotland und Bank Morgan Stanley.

Klasse 1 – Standard Chartered
2 von 14

Welche Konsequenzen der Brexit für die britische Standard Chartered haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Bank belegt wie im Vorjahr einen Platz in Klasse 1, die einen Kapitalaufschlag von einem Prozent voraussetzt.

Neu in Klasse 1: Die Credit Suisse.
3 von 14

Neu in der Klasse 1 ist die US-Bank Credit Suisse, die im Vorjahr noch mehr Kapital vorhalten musste. Jetzt beträgt dieser Zuschlag für das Schweizer Geldhaus nur noch ein Prozent. Sie hat aus Sicht der Regulierer an Relevanz verloren.

Klasse 2 – Barclays
4 von 14

James Staley, seit Dezember 2015 Chef der britischen Bank Barclays, konnte die Risikoeinstufung des Geldhauses reduzieren. Barclays gehört, wie auch 2016 schon, nur noch der Klasse zwei an. Dort ist ein Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent erforderlich.

Klasse 2 – Wells Fargo
5 von 14

Wells Fargo spielt mit Barclays in einer Liga. Beide gehörten Klasse 2 an, was einen Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent bedeutet.

Klasse 2 – Goldman Sachs
6 von 14

Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten.

Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China
7 von 14

Für genauso systemrelevant halten die Regulierer die Industrial and Commercial Bank of China. Aufschlag auch hier: 1,5 Prozent.

Geht es nach den Großbanken, soll sie abgeschwächt oder gestrichen werden. Der Einfluss der Finanzindustrie hatte in den Jahren unter US-Präsident Barack Obama deutlich nachgelassen. Die Lobbyarbeit gegen die Volcker-Regel gilt nun als Testlauf, wie stark der Einfluss der Wall Street in Washington wieder ist.

Schon seit der US-Wahl Ende November treffen sich Branchenlobbyisten mit Kongressmitarbeitern, um die Zukunft der Banken-Regulierung zu diskutieren. Ein halbes Dutzend Finanzlobbyisten bestätigten der Nachrichtenagentur Reuters entsprechende Treffen. Kongressabgeordnete sollen davon überzeugt werden, dass die Volcker-Regel Unternehmen, Investoren und der US-Volkswirtschaft schade.

Die Volcker-Regel wurde von einer Kommission unter dem früheren Chef der Zentralbank Fed, Paul Volcker, erarbeitet. Obama hatte sie infolge der Finanzkrise 2008 ins Leben gerufen. Die Einschränkung des Eigenhandels sollte ursprünglich schon 2010 als Teil des „Dodd-Frank Act“ in Kraft treten, der die Finanzbranche reformieren und Verbraucherrechte stärken sollte. Jedoch wurden in den Folgejahren zahlreiche Ausnahmen erlassen – und die Frist zur vollständigen Umsetzung für die Großbanken mehrmals verlängert.

Nun wittert die Branche die Chance, die Regulierung der Obama-Jahre gleich ganz zurückzudrehen. Hoffnung wecken der Amtsantritt des Immobilien-Milliardärs Donald Trump zum US-Präsidenten am 20. Januar, außerdem der von den als wirtschaftsfreundlich geltenden Republikanern dominierte neue Kongress. Trumps Finanzminister Steven Mnuchin, ein ehemaliger Goldman-Sachs-Banker, hat die Volcker-Regel bereits als zu kompliziert bezeichnet.

Der Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, sagte dem Handelsblatt bereits im Dezember: „Die Auflagen für die Banken sind ja aus einer traumatischen Situation heraus beschlossen worden.“ Das Pendel sei dabei zu weit ausgeschwungen, zu viele Kontrollschichten seien übereinander gelegt worden. Mit der Wahl Donald Trumps sei die Zeit gekommen, um einige Regeln wieder zu lockern: „Es wäre wohl auch ohne ihn gekommen, aber mit ihm geht es wahrscheinlich schneller.“

Unscheinbare Änderungen mit großer Tragweite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Nach der Trump-Wahl - US-Banken drängen auf schnelle Deregulierung

0 Kommentare zu "Nach der Trump-Wahl: US-Banken drängen auf schnelle Deregulierung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%