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Nach geplatzter Fusion Deutsche Bank und Commerzbank müssen beweisen, dass sie allein bestehen können

Die Institute müssen zeigen, dass sie auch allein bestehen können. Wichtige Investoren fordern von Deutsche-Bank-Chef Sewing, eine neue Strategie zu prüfen.
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Deutsche Bank und Commerzbank: Zurück auf Los Quelle: mauritius images / Bernd Wittelsbach
Blick auf Frankfurts Bankenviertel

Viele Analysten fordern von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing eine deutlich angepasste Strategie.

(Foto: mauritius images / Bernd Wittelsbach)

Frankfurt Nach dem Aus für die Fusion mit der Commerzbank steht Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing vor einer entscheidenden Aufgabe: Er muss beweisen, dass das größte heimische Geldhaus auch allein auf festen Füßen steht. Wie schwierig dieser Job ist, zeigen die Zahlen zum ersten Quartal. Einige Eckwerte hatte die Bank bereits am Donnerstag veröffentlicht, die sahen beruhigend aus. Doch die detaillierten Daten vom Freitag bargen einige hässliche Überraschungen.

Sewing musste die Ertragsprognose für dieses Jahr kassieren, und die Investmentbank rutschte in die roten Zahlen. Für dieses Jahr hat der Vorstandschef eine Eigenkapitalrendite von vier Prozent versprochen. An diesem Ziel hält er fest, räumt aber ein, dass die Bank dafür den Rückenwind der Märkte braucht.

Analysten zeigten sich von den Quartalszahlen gänzlich unbeeindruckt. Neun von ihnen bestätigten ihre ohnehin sehr niedrigen Anlageurteile, keiner erhöhte das Kursziel. Aktuell rät nur ein einziger von 29 Experten zum Kauf der Aktie. Dagegen empfehlen 16 den Verkauf. Eine so schlechte Quote ist beispiellos unter europäischen Großbanken.

Viele Analysten und einige der wichtigsten Aktionäre fordern von Sewing eine deutliche Anpassung der Strategie, vor allem Einschnitte im Investmentbanking. Aber die Investoren würden gerne auch kreative Lösungen sehen, wie einen Ausbau des Holding-Prinzips, sodass der Wert der leistungsfähigen Geschäftsbereiche klarer wird.

Begrüßt würde auch eine stärkere Zusammenarbeit mit Konkurrenten, so wie bei den Gesprächen über eine Fusion des Fondsgeschäfts mit der Schweizer UBS. Baustellen gibt es reichlich.

Grafik

Das Investmentbanking, vor allem das Handelsgeschäft, war einst der Gewinnmotor der Bank, doch diese Zeiten sind lange vorbei. Der Bereich bindet zwar noch immer zwei Drittel des Kapitals der gesamten Bank, aber er erwirtschaftete im vergangenen Jahr nur eine Eigenkapitalrendite von 0,9 Prozent.

Um einen Euro einzunehmen, mussten die Investmentbanker 95 Cent ausgeben. In den ersten drei Monaten ist der Bereich sogar in die roten Zahlen gerutscht, weil die Erlöse im Handel um knapp 20 Prozent einbrachen.

Bislang traute sich Sewing genauso wenig wie sein Vorgänger John Cryan, wirklich tiefe Schnitte im Investmentbanking anzusetzen. Nun hat er allerdings zum ersten Mal eine deutliche Warnung an seine Investmentbanker ausgesprochen: „Im Kapitalmarktgeschäft haben wir zuletzt wenig verdient“, sagte Sewing der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Wenn sich die Märkte aber wie schon im März wieder stabilisieren, könne die Bank dort auch wieder wachsen. „Richtig ist allerdings auch: Wenn sich das nicht nachhaltig verbessert, dann werde ich auch so konsequent sein und sagen: Da müssen wir uns etwas anderes überlegen.“

Als Problemfall gilt vor allem das Geschäft in den USA und der Aktienhandel. Bei letzterem verliert die Bank Analystenschätzungen zufolge rund 300 Millionen Euro vor Steuern im Jahr.

Einige der größten Aktionäre der Bank drängen hier auf harte Schnitte. Ein institutioneller Investor wirft die Frage auf, ob es für die Deutsche Bank nicht sinnvoll wäre, ihren Aktienhandel auszulagern.

Andere europäische Banken hätten das bereits vorgemacht. Einige Großaktionäre fragen sich auch, ob das Vorzeigegeschäft Global Transaction Banking im Bereich Investment- und Unternehmensbank noch richtig aufgehängt ist. Zum Transaction Banking gehören beispielsweise der Zahlungsverkehr und die Handelsfinanzierung.

Sewing hat den Bereich als eine der entscheidenden Wachstumschancen identifiziert. Deshalb halten einige Investoren eine Ausgliederung aus dem Investmentbanking für sinnvoll, weil sich so die Stärke und die Stabilität des Geschäfts besser nach außen darstellen ließe.

Da die Gesamterträge auch in diesem Jahr nicht den Erwartungen des Vorstands folgen wollen – die Bank erwartet mittlerweile nur noch stabile anstelle von leicht steigenden Erlösen –, dürfte das Institut sich um weitere Kostensenkungen bemühen.

Bei einem Treffen mit Arbeitnehmervertretern zur Postbank hat der Vorstand am Donnerstag bereits angekündigt, dass er einige Schritte zur Integration der Bonner Tochter zeitlich gerne nach vorn ziehen würde, wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr.

Damit würde die Bank bereits früher von geplanten Einsparungen profitieren. Zusätzlich will Privatkundenvorstand Frank Strauß prüfen, wo sich noch im Konzern angesiedelte Stellen, die dem Privatkundengeschäft zugeordnet sind, einsparen lassen.

Seit seinem Amtsantritt hat Sewing im Topmanagement bereits einige Kandidaten ausgetauscht. So musste der damalige DWS-Chef Nicolas Moreau gehen, dafür rückte Chief Operating Officer Frank Kuhnke in den Vorstand auf. Doch das reicht einigen kritischen Investoren noch nicht, sie drängen auf einen weiteren Umbau.

Als gefährdet gelten vor allem Regulierungschefin Sylvie Matherat und Chefinvestmentbanker Garth Ritchie. Vor allem der Zustand der Geldwäsche-Prävention der Deutschen Bank belastet die beiden.

Ihnen wird angelastet, dass die Bafin im vergangenen Herbst dem Institut einen Geldwäsche-Sonderbeauftragten ins Haus schickte, der sicherstellen soll, dass die Bank Schwächen in ihren Systemen zügig ausbügelt.

Auch die Rolle der Deutschen Bank im Danske-Skandal sorgte für Ärger mit den Behörden. Da die Finanzaufsicht Bafin unzufrieden über die Informationspolitik des Instituts war, bestellte sie Matherat und Ritchie persönlich ein.

Dazu kommt: Beide Manager erreichten nach Ansicht des Aufsichtsrats 2018 ihre persönlichen Ziele nur zu 80 Prozent. Das sorgte vor allem für Kritik an Ritchie, weil der Investmentbanker dennoch mit Abstand das meiste Geld aller Deutsche-Bank-Vorstände verdiente.

Commerzbank prüft Strategie-Schärfung

Die Commerzbank ist bei Investoren besser gelitten als die Deutsche Bank. Anders als beim größeren Rivalen halten die Aktionäre das Geschäftsmodell der Commerzbank grundsätzlich für intakt. Doch darauf ausruhen kann sich das Institut nicht. Die Rendite lag 2018 bei gerade einmal 3,4 Prozent.

Zwar gewinnt die Bank neue Kunden und weitet ihr Kreditgeschäft aus, musste aber ihre Rendite- und Ertragsziele kassieren. „Natürlich werden wir uns nicht entspannt zurücklehnen“, sagt auch Vorstandschef Martin Zielke im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir werden im Herbst, wenn der übliche Strategiezyklus ausläuft, prüfen, ob wir an der einen oder anderen Stelle noch einmal nachschärfen“, betonte er.

Zielke hat sehr viel offensiver als Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing dafür getrommelt, eine Fusion zumindest zu prüfen. Bei vielen Mitarbeitern erweckte er damit den Eindruck, er zweifle an der eigenen Strategie und denke, der Commerzbank fehle die kritische Masse, um allein weiterzubestehen. Diesem Eindruck widerspricht Zielke im Handelsblatt-Gespräch.

„Wir haben eine funktionierende Strategie. Wir haben den Zusammenschluss mit der Deutschen Bank nicht geprüft, weil wir an diese Strategie nicht mehr glauben, sondern weil wir prüfen wollten, ob etwas Stärkeres und Leistungsfähigeres entstehen kann“, sagte er.

Doch obwohl die Commerzbank im Privat- und Firmenkundengeschäft neue Kunden gewinnt und ihr Einlagen- und Kreditvolumen ausweiten kann, gelingt es ihr bislang nicht, ihre Rentabilität im gleichen Maße zu steigern.

Zielke wird also weiter prüfen müssen, ob er das zum Überleben nötige Wachstum organisch erreichen kann oder ob die Commerzbank doch mit einem anderen Wettbewerber zusammengehen muss.

Nach intensiven Verhandlungswochen mit der Deutschen Bank dürfte Zielke von solchen Anbahnungsgesprächen vorerst jedoch genug haben. Und ein Selbstläufer wäre eine Übernahme aus dem Ausland nicht. Zwar wäre der Widerstand der Gewerkschaften wohl geringer – schließlich würden in dem Fall weniger Jobs überflüssig.

Doch es gäbe andere Hürden. „Eine nationale Konsolidierung ist um ein Vielfaches leichter als eine Konsolidierung auf europäischer Ebene. Letztlich hat man es in der Euro-Zone immer mit zwei Aufsichtsbehörden zu tun – der nationalen und der europäischen“, sagte eine mit dem Thema vertraute Person.

Bei einer grenzüberschreitenden Fusion bedeute das, dass man es danach mit drei Behörden zu tun habe – der EZB und zwei nationalen Behörden. Das wäre teurer und komplexer. Dennoch vermuten Experten, dass sich früher oder später ausländische Institute für die Commerzbank interessieren werden.

Deutschland ist als große Volkswirtschaft für viele europäische Banken interessant, trotz des harten Wettbewerbs. Die Bewertung der Commerzbank an der Börse ist aktuell sehr günstig – und damit für jede Bank, die sich die Restrukturierungskosten und die stillen Lasten besser leisten kann als die Deutsche Bank. Und vor allem die zahlreichen Kundenkontakte der Commerzbank im deutschen Mittelstand sind für viele Wettbewerber attraktiv.

Doch so attraktiv die Kundenliste der Commerzbank bei deutschen Firmenkunden ist: In der Niedrigzinsphase gelingt es dem Institut immer weniger, in dem Geschäft auskömmliche Renditen zu erzielen. Mit Krediten allein lässt sich wenig verdienen, zumal viele Konkurrenten der Commerzbank vorwerfen, ihre Kunden mit Kampfkonditionen zu locken.

Wachstum allein wird dem Institut aber nicht helfen, schließlich hat es bereits eine starke Marktposition. Die Hoffnungen, dass durch die Zusammenlegung der Firmenkunden- mit der Kapitalmarktsparte die Erlöse stärker sprudeln, haben sich bislang nicht erfüllt.

„Mit business as usual kann es bei der Deutschen Bank nicht weitergehen“

Zwar wächst das Kreditvolumen und die Zahl der Kunden, doch der Gewinn ist 2018 weiter geschrumpft. Die Bank begründet das mit dem intensiven Wettbewerb – und der geringeren Nachfrage nach Kapitalmarkt- und Absicherungsprodukten.

Der Commerzbank-Chef hofft nach dem Aus der Fusionsgespräche auf neue Impulse. Firmenkunden würden ihr Geschäft häufig auf mehrere Banken verteilen, zugleich messe die Commerzbank im Firmenkundengeschäft die höchste Kundenzufriedenheit seit Langem.

Wachstum ist für die Commerzbank Pflicht

„Viele Unternehmen haben uns in den vergangenen Wochen gesagt, wie wichtig es ihnen ist, dass es uns gibt. Das ist eine gute Ausgangsbasis für künftige Gespräche, von denen ich hoffe, dass sie zu mehr Geschäft führen“, sagt Zielke. Einige Kunden hätten schon signalisiert, „dass sie bereit sind, uns stärker zu berücksichtigen“.

Ein wichtiger Grund für die Fusionsgespräche war das Privatkundengeschäft. Mit einem Marktanteil von sechs bis sieben Prozent im stark zersplitterten deutschen Heimatmarkt ist die Commerzbank allerdings in keiner Position, in der sie für sie günstige Konditionen durchsetzen könnte. Wachstum ist also Pflicht, allein schon um die existierenden Plattformen besser auszulasten.

Doch daneben wird das Institut um Kostensenkungen kaum herumkommen – und dann dürfte sich wieder die Frage stellen, ob das üppig dimensionierte Filialnetz der Commerzbank sich in dieser Form wirklich lohnt. Daran zweifeln viele Wettbewerber hinter vorgehaltener Hand, darunter auch Deutschbanker, die einen Blick ins Zahlenwerk hatten werfen können.

Ihre Baustellen wird die Commerzbank nun allein angehen müssen. Einiges hat sie aus den gescheiterten Verhandlungen dafür mitnehmen können. „Die Gespräche haben uns eine ganze Menge andere Erkenntnisse gebracht“, sagt Zielke jedenfalls. „Wir haben eine hohe Solidarisierung der Mitarbeiter der Bank und wir haben eine große Unterstützung durch die Kunden erlebt. Beides gibt uns Rückenwind, dieses Momentum wollen wir nutzen.“

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