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Nachgefragt Klaus Nieding „Die Commerzbank ist zum Wachsen verdammt“

Der Aktionärsschützer glaubt, dass das Geldinstitut auch allein überleben kann. Dennoch müsse die Commerzbank grenzüberschreitende Deals prüfen.
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Bei der Commerzbank gibt es noch viel Luft nach oben, so Nieding. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Klaus Nieding

Bei der Commerzbank gibt es noch viel Luft nach oben, so Nieding.

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

FrankfurtKlaus Nieding ist Anwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Bei Verfehlungen kritisiert er Unternehmen hart und pointiert. Bei der Commerzbank sieht Nieding Licht und Schatten.

Herr Nieding, vor drei Wochen wurden die Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank abgebrochen. Welches Institut hat jetzt die größeren Schwierigkeiten?
Die Absage der Fusion war gut, weil es sonst noch viel größere Probleme gegeben hätte. Die Commerzbank steht aus meiner Sicht aktuell bei einigen Themen besser da als die Deutsche Bank – etwa bei den Erträgen, den Kosten und der Digitalisierung. Sie ist stabil, aber wenig profitabel.

Woran liegt das?
Die niedrigen Zinsen und der harte Wettbewerb im Privat- und Firmenkundengeschäft führen dazu, dass die Gewinnmargen unter Druck stehen. Daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern. Die Commerzbank ist deshalb zum Wachsen verdammt. Nur so kann sie die erodierenden Erträge auffangen. 2018 ist der Bank dies gut gelungen, und sie hat unter dem Strich rund 420.000 neue Kunden gewonnen.

Doch die Frage ist, wie lange sich dieses Wachstum fortsetzen lässt. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass Vorstandschef Martin Zielke einen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank geprüft hat, durch den die Kundenzahl deutlich schneller gestiegen wäre.

Zielke zählte zu den Treibern der Fusionsgespräche. Muss er nach den geplatzten Verhandlungen Konsequenzen ziehen?
Nein. Ich finde es richtig, dass er eine Fusion ergebnisoffen geprüft hat. Und Zielke muss auch alle anderen Optionen prüfen – also auch grenzüberschreitende Zusammenschlüsse. Doch anscheinend gibt es bisher kein anderes Institut, das einen ernsthaften Vorstoß gemacht hat.

Was hielten Sie von einer Übernahme der Commerzbank durch ausländische Geldhäuser wie BNP, ING oder Unicredit?
Ich stehe grenzüberschreitenden Fusionen grundsätzlich positiv gegenüber. Der deutsche Markt und die Kunden der Commerzbank sind für viele ausländische Geldhäuser interessant. Dennoch glaube ich nicht, dass es zeitnah zu einer Übernahme der Commerzbank kommt.

Warum?
Der Bund ist noch mit gut 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Das macht eine Übernahme schwieriger, weil die Regierung nur grünes Licht für politisch opportune Deals geben würde. Ein Zusammenschluss mit Unicredit ist deshalb eher unwahrscheinlich.

Darüber hinaus gibt es nach wie vor regulatorische Hürden. In Bereichen wie Steuern und Datenschutz gibt es in den EU-Staaten zu viele unterschiedliche Regelungen. Hier ist die Politik gefordert. Solange es einen regulatorischen Flickenteppich gibt, werden grenzüberschreitende Fusionen sehr viel schwieriger sein als inländische Zusammenschlüsse.

Ist die Commerzbank stark genug, um auf Dauer allein zu bestehen?
Wenn es der Commerzbank gelingt, weiter zu wachsen, kann sie auf Dauer allein überleben. Da die Zinsen in absehbarer Zeit nicht ansteigen werden, muss das Institut die Kosten allerdings noch stärker drücken. Ein Verhältnis von Kosten zu Erträgen von über 80 Prozent wie im vergangenen Jahr ist deutlich zu hoch.

Ich erwarte vom Management, das ja gerade an einer neuen Strategie arbeitet, in den kommenden Jahren noch mehr Sparanstrengungen.

In der kommenden Woche findet die Hauptversammlung der Commerzbank statt. Wie bewerten Sie die Entwicklung des vergangenen Jahres?
Die Bilanz für die Aktionäre ist sehr ernüchternd. Die Commerzbank-Aktie hat im vergangenen Jahr über 50 Prozent verloren und ist aus dem Leitindex Dax geflogen. Insgesamt ist die Bank nicht großartig vorangekommen. Es gibt noch viel Luft nach oben.

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