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Nachhaltiges Wirtschaften Deutschlands Wirtschaftselite geht auf Sinnsuche

Larry Fink hat zahlreiche Wirtschaftsbosse zur Blackrock-Jubiläumsfeier geladen. Diskutiert wird über einen neuen Kapitalismus. Siemens-Chef Joe Kaeser fordert ein nachhaltiges Unternehmertum.
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Der Siemens-Chef versteht Profitabilität nicht als Selbstzweck. Quelle: Bloomberg
Joe Kaeser

Der Siemens-Chef versteht Profitabilität nicht als Selbstzweck.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Wenn Larry Fink, der Chef des größten Vermögenverwalters der Welt, einlädt, kommt das Who‘s who der deutschen Wirtschaft. Zur 25-Jahr-Feier von Blackrock in Deutschland erschienen am vergangenen Mittwoch rund 100 Vertreter der deutschen Wirtschaft in der feinen Villa Kennedy in Frankfurt. Immerhin hält Blackrock an allen großen börsennotierten Unternehmen eine Beteiligung von durchschnittlich fünf Prozent.

Und so waren unter den Gästen mit Martin Brudermüller (BASF), Werner Baumann (Bayer), Christian Sewing (Deutsche Bank), Theodor Weimer (Deutsche Börse) und Hans van Bylen (Henkel) gleich mehrere Dax-Chefs.

Aber auch Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner und Multi-Aufsichtsrätin Ann-Kristin Achleitner sowie JP-Morgan-Deutschland-Chefin Dorothee Blessing nahmen die Einladung an. Die renommierten Wissenschaftler Peter Bofinger, viele Jahre lang einer der fünf Wirtschaftsweisen, und Michael Hüther, Präsident des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), zählten ebenso zur illustren Runde. 

Am Mittwochmorgen hatte Blackrock-Chef Fink den Handelsblatt-Banken-Gipfel besucht und dort eindrücklich für einen Kapitalismus geworben, der sich nicht allein um die Interessen der Aktionäre (Shareholder-Value) kümmert, sondern alle relevanten Interessengruppen in den Blick nimmt – die Mitarbeiter, die Umwelt und die Gesellschaft insgesamt. Am Abend wiederholte Fink diese Forderung auf der Jubiläumsfeier. 

Der Blackrock-Chef will nicht nur die Interessen der Aktionäre im Blick haben. Quelle: AFP
Larry Fink

Der Blackrock-Chef will nicht nur die Interessen der Aktionäre im Blick haben.

(Foto: AFP)

Die Hauptrede hielt aber nicht der mächtige Blackrock-Chef, sondern Siemens-Boss Joe Kaeser. In einer Zeit mit großen geopolitischen Veränderungen und gewaltigen technologischen Umbrüchen stelle sich mehr und mehr die Frage, was für die Wirtschaft der richtige Kompass sei, fragte Kaeser laut Redemanuskript, das dem Handelsblatt vorliegt. „Es kommt nicht von ungefähr, dass wir heute eine intensive Suche nach dem Sinn in Unternehmen erleben.“ Das Streben nach nachhaltigem Wert, finde immer mehr Anklang. Und das sei auch gut so. 

Kaesers Schlussfolgerung fiel klar aus: „Heute kann sich unternehmerisches Handeln nicht mehr ausschließlich am Gewinnstreben ausrichten. Der Anspruch ist höher – bei Siemens, bei vielen anderen Unternehmen, bei Aktionären und vor allem auch bei Mitarbeitern.“ Heute wäre, in Anlehnung an den liberalen Ökonomen Milton Friedman, eher der Satz angebracht: „The business of business is to serve society.“ In diesem Sinne müsse Siemens Verantwortung für die Gesellschaft tragen und der Gesellschaft dienen. „Das ist unser moralischer Kompass“, betonte Kaeser. Voraussetzung für die Erfüllung dieser Bestimmung sei der wirtschaftliche Erfolg. „Profitabilität als Mittel zum Zweck und nicht als Selbstzweck“, sagte Kaeser. In Anlehnung an das deutsche Modell der Sozialen Marktwirtschaft sprach er von „inkludierendem Kapitalismus“. 

Einmischen erwünscht

Kaeser, der sich in den vergangenen Monaten immer wieder zu gesellschaftlichen Themen geäußert hatte, sieht in dieser Interpretation des Kapitalismus einen Vorteil für die Unternehmen selbst. „Wenn es die Bestimmung des Unternehmens ist, Wert für die Gesellschaft zu schaffen, dann setzt sich ein Unternehmen unweigerlich mit gesellschaftlichen Themen auseinander. So kann es Entwicklungen, die Kunden betreffen, antizipieren. So bleibt es relevant, anpassungsfähig und innovativ“, betonte der Siemens-Chef.

Man kann Kaesers Äußerungen auch als Aufforderung an die Wirtschaftselite verstehen, sich häufiger in relevante gesellschaftliche Debatten einzumischen. Die meisten Unternehmenslenker halten sich bei solchen Diskussionen aus Sorge um die Reputation des Unternehmens oder der eigenen Person zurück. Mit Deutsche-Bank-Chef Sewing äußerte sich in der vergangenen Woche erstmals ein führender Vertreter der Finanzindustrie deutlich zum Rechtsruck in Deutschland: „Was kann es noch Schlimmeres geben als 27 Prozent für eine rechte Partei?“, sagte er auf dem Handelsblatt-Banken-Gipfel. Sewings Forderung: „Wir müssen die Menschen besser mitnehmen und zeigen, dass wir die Wirtschaft fördern um damit auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.“

Um Politik ging es auch an anderer Stelle des Jubiläumsabends. Friedrich Merz, Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland, erzählte, dass er zweimal in seinem Leben nach einem persönlichen Gespräch einen neuen Job angenommen habe. Einmal, als er für ein Angebot vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) sein Richteramt in Saarbrücken aufgab. Und dann, als Blackrock-Chef Fink ihn überzeugte, zum weltgrößten Vermögensverwalter zu wechseln. Siemens-Chef Kaeser nahm den Gedanken in seiner Rede auf. Er hoffe, dass Merz ein drittes Mal einen Anruf erhalte und eine führende Aufgabe in der Politik übernehme. Ob Kaeser mit der Anspielung den CDU-Vorsitz oder eine Kanzlerkandidatur meinte, blieb unklar. Die Frage spielte für die Gäste offenbar keine Rolle, sie unterstützten die Idee mit kräftigem Applaus.

Mehr: Gewinn habe keine Priorität mehr, sagen 200 amerikanische Firmenchefs. Europas Konzernlenker sind da glücklicherweise längst einen Schritt weiter.

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  • Wie weise doch die Väter des Grundgesetztes waren (s. Artikel 14 GG).

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