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Sturmtief „Herwart“ in Hamburg

Ein Auto steht in Hamburg am Fischmarkt im Wasser. Die Sturmflut überflutete im Oktober die Straßen. (Archivfoto)

(Foto: dpa)

Naturkatastrophenbilanz So teuer waren extreme Wetterlagen 2018 für die Versicherer

Große Hitze, Stürme und Waldbrände haben das Wetterjahr 2018 geprägt. Versichert waren viele Betroffene, aber längst nicht alle. Dabei werden die Gefahren in Zukunft weiter steigen.
Update: 08.01.2019 - 16:50 Uhr Kommentieren

München Die Bilder fehlten in keinem Jahresrückblick: schwitzende Menschen auf der Suche nach Schatten, vertrocknete Felder und Flüsse mit Niedrigwasser. Der schier endlose Sommer 2018 ging in Europa als der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ein.
Die Experten der Munich Re verkünden traditionell zu Beginn des Jahres ihre Naturkatastrophenbilanz und haben diesmal auch der Hitze ein Kapitel gewidmet.

Erstaunlich dabei: Insgesamt lagen die Schäden durch Naturkatastrophen in Europa im abgelaufenen Jahr nur knapp über dem langfristigen Durchschnitt. Konkret waren es unter anderem 3,9 Milliarden Dollar, die an direkten Schäden durch die Dürre zu beklagen waren.

Eine Erklärung dafür hat Ernst Rauch, der Chef-Klima- und Geowissenschaftler beim weltgrößten Rückversicherer: „Trockenheit und Hitze prägen die Gesamtsumme meist nicht so sehr wie klassische Natur‧katastrophen wie Überschwemmungen.“ Davon gab es allerdings im vergangenen Jahr nur wenige.

In den Zahlen der Munich Re sind jedoch indirekte Folgen wie Produktionsausfälle oder hohe Rohstoffpreise wegen der niedrigen Flusspegel nicht enthalten. Zu leiden hatten 2018 in Europa vor allem Landwirte durch Ernteausfälle oder hohe Kosten für die künstliche Beregnung. Versichert waren sie aber lediglich mit einem Bruchteil, nämlich 280 Millionen Dollar. Üblicherweise schließen Bauern nur Policen gegen einzelne Gefahren ab, meist gegen Hagel.

Die privaten Haushalte waren dagegen vor allem von Sturm und Hagel betroffen, von beiden gab es reichlich. Bei 2,2 Milliarden Euro lag die Schadensumme in Deutschland, hat der Branchenverband GDV errechnet. „2018 gehört zu den vier schwersten Sturmjahren der letzten 20 Jahre“, resümiert GDV-Präsident Wolfgang Weiler.

So verursachte der Sturm „Friederike“ im Januar einen Schaden von 900 Millionen Euro. Leicht unter dem langjährigen Schnitt lagen dagegen die Belastungen durch Starkregen. Sie summierten sich auf rund eine halbe Milliarde Euro. Was wiederum für Menschen im Saarland oder in Wuppertal nur ein geringer Trost ist, waren sie doch besonders von regionalen Unwettern betroffen.

Elementarschäden versichern

Hier zeigte sich wie schon in den Vorjahren, dass extreme Wetterlagen mit Sturm, Hagel und starken Regenfällen auch in Deutschland nicht mehr ungewöhnlich sind. Wenden sich die Betroffenen anschließend zur Begleichung des Schadens an ihren Versicherer, kommt es für sie indes häufig zu einem bösen Erwachen. Nämlich dann, wenn sie beispielsweise merken, dass sie gegen Sturzfluten gar nicht versichert sind.

Zwar sind knapp 90 Prozent der Wohngebäude in Deutschland gegen Sturm und Hagel abgesichert, wenn allerdings der Keller oder die Wohnung mit Wasser vollläuft, dann benötigen Versicherte dafür einen Zusatzbaustein in ihrer Wohngebäudeversicherung, die sogenannte Elementarversicherung.

Hier ist die Zahl der abgesicherten Gebäude in den vergangenen Jahren zwar von rund 35 Prozent auf über 40 Prozent angestiegen, damit ist die Mehrzahl der Wohnhäuser in Deutschland allerdings noch immer ohne Schutz gegen solche Gefahren. Einzig Baden-Württemberg ragt hier mit fast flächendeckender Absicherung heraus.

Bis zum Jahr 1994 war es dort per Gesetz vorgeschrieben, sein Haus gegen Elementarschäden wie Überschwemmungen zu versichern. Nachdem die Pflicht dazu wegfiel, behielten die meisten Eigentümer den bisherigen Schutz bei.

Die deutschen Zahlen wirken im Vergleich zur weltweiten Schadensumme immer noch gering. Diese belief sich im vergangenen Jahr auf insgesamt 160 Milliarden Dollar. Damit bewegt sie sich im langfristigen Mittel und ist weit entfernt vom Rekordjahr 2017, als mit 350 Milliarden Dollar eine mehr als doppelt so hohe Summe zu beklagen war.

Damals hatten vor allem die drei Wirbelstürme „Harvey“, „Irma“ und „Maria“ in den USA und im Golf von Mexiko für gewaltige Verwüstungen gesorgt. 2018 waren der Hurrikan „Michael“ mit 16 Milliarden Dollar sowie der Waldbrand „Camp Fire“ im Norden Kaliforniens mit 12,5 Milliarden Dollar die teuersten Einzelereignisse.

Schäden aus Waldbränden sprunghaft gestiegen

Mediales Großereignis war jedoch das „Woolsey Fire“ in den Hügeln des Prominentenortes Malibu nahe Los Angeles. Rund 1500 Häuser wurden dabei zerstört. Der Schaden lag wegen der hochwertigen Ausstattung bei 5,2 Milliarden Dollar, davon waren vier Milliarden Dollar versichert. „Die Schäden aus Waldbränden in Kalifornien sind in der jüngeren Vergangenheit fast sprunghaft angestiegen“, beobachtet Munich-Re-Experte Rauch.

Bei rund 24 Milliarden Dollar lag der Gesamtschaden im vergangenen Jahr, davon waren etwa 18 Milliarden Dollar versichert. 2017 waren bei einem Gesamtschaden von 20 Milliarden Dollar rund 15 Milliarden Dollar versichert. Für Ernst Rauch ergibt sich eine weitere Konsequenz: „Auch wenn Kalifornien beim Thema Umweltschutz weltweit als führend gilt, kann sich die Region nicht vom allgemeinen Klimawandel abkoppeln.“

Auch Asien war 2018 stark betroffen. Fünf Taifune trafen oder streiften allein Japan. Hinzu kamen zwei Erdbeben, die mit neun Milliarden Dollar zu Buche schlugen. Auf den Philip‧pinen sorgte der Super-Taifun „Mangkhut“ für Windgeschwindigkeiten von bis zu 270 Kilometern pro Stunde.

Versichert waren weltweit mit 72 Milliarden Dollar knapp die Hälfte aller Schäden. Das ist weit mehr als im inflationsbereinigten Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre, als diese Zahl bei 41 Milliarden Dollar lag. Die Konsequenz daraus lautet, dass die Belastungen für die Versicherer ebenfalls sehr viel höher ausfielen.

Einen generellen Preisanstieg müssen Versicherte künftig nicht befürchten: „Es wird aber Anpassungen auf regionaler Ebene und bei spezifischen Gefahren geben“, erwartet Munich-Re-Experte Rauch.

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