Negativzinsen für Privatkunden „Genossen“ verlangen erstmals Strafzinsen

Die Front bröckelt: In Bayern müssen Privatkunden einer Raiffeisenbank ab September Geld für ihr Geld auf dem Girokonto zahlen – ab einer bestimmten Höhe. Die Maßnahme zeigt bereits Wirkung.
Update: 10.08.2016 - 16:37 Uhr 18 Kommentare

Wer sein Geld bei der Bank parkt, der zahlt

FrankfurtEine kleine bayerische Raiffeisenbank verlangt von September an von Privatkunden mit großen Summen auf dem Girokonto einen Strafzins. Josef Paul, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee, bestätigte am Mittwoch, dass die Bank für Beträge von mehr als 100.000 Euro auf dem Girokonto oder dem Tagesgeld-Konto ein „Verwahr-Entgelt“ von 0,4 Prozent erheben werde.

„Wir haben alle Großanleger gezielt angeschrieben und ihnen empfohlen, sich Gedanken zu machen“, sagte Paul. „Wenn man keine Anreize schafft, etwas zu verändern, verändert sich auch nichts“, begründete er den Schritt.

Banken zahlen selbst 0,4 Prozent, wenn sie überschüssige Einlagen über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Auch die DZ Bank, das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, verlangt von den angeschlossenen Instituten dafür Zinsen. Bisher haben Banken diese Strafzinsen nur an institutionelle Anleger und Firmenkunden weitergereicht.

Für Privatkunden schließen sie die meisten deutschen Geldhäuser offiziell aus. Nur die Skatbank, eine zum Genossenschaftssektor gehörende Direktbank aus dem thüringischen Altenburg, hatte für Beträge über eine halbe Million Euro Negativzinsen eingeführt. Die ebenfalls genossenschaftliche Alternativ-Bank GLS plant im Kampf gegen das Zinstief von den Kunden einen monatlichen „Solidarbeitrag“ zu erheben. Viele Geldhäuser bieten inzwischen keine kostenlosen Girokonten mehr an oder erhöhen die Gebühren für Kontoführung und Kreditkarten.

Der Genossenschaftsverband Bayern (GVB), dem die 299 Volks- und Raiffeisenbanken im Freistaat angehören, äußert Verständnis für sein Mitglied vom Tegernsee. „Der extreme geldpolitische Kurs der EZB verursacht bei allen Banken erhebliche Kosten. Vor allem die Negativzinsen für das Anlegen überschüssiger Liquidität bei der Zentralbank belasten die Institute zunehmend“ , sagte ein Sprecher. Auf Dauer könnten die Banken das nicht selbst tragen. Sie überlegten sich daher Maßnahmen, um die Folgen abzupuffern. „Dazu kann es in letzter Konsequenz auch gehören, einen Auslagenersatz für Einlagen ins Auge zu fassen.“ Der GVB wisse allerdings von keiner Bank, die ähnliche Pläne wie die Raiffeisenbank Gmund verfolge.

Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) erwartet nicht, dass das Beispiel aus Oberbayern Schule macht. "Der BVR glaubt nicht, dass wir in Deutschland im Privatkundengeschäft in der Breite Negativzinsen sehen werden - nicht zuletzt auf Grund der intensiven Wettbewerbssituation im deutschen Bankenmarkt." Auch in Gmund sei das klassische Breitengeschäft nicht betroffen.

Auch ein Sprecher des Sparkassen-Verbandes DSGV sagte, ihm sei kein Fall bekannt, dass eine der 408 deutschen Sparkassen eine Verwahrgebühr von Privatkunden verlangt.

Laut Raiffeisenbank-Vorstand Paul hat der Strafzins schon Wirkung gezeigt. „Ein Teil der Kunden, die wir informiert haben, hat sich für alternative Anlagen entschieden, andere haben ihr Geld zu anderen Banken verlagert.“ Eine Ausweitung auf weniger wohlhabende Kunden sei nicht geplant. Die Raiffeisenbank Gmund ist mit sechs Filialen rund um den Tegernsee und einer Bilanzsumme von 145 Millionen Euro eine der kleineren deutschen Genossenschaftsbanken.

  • rtr
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18 Kommentare zu "Negativzinsen für Privatkunden: „Genossen“ verlangen erstmals Strafzinsen"

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  •  Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Meine Sicht ist, dass zu oft das beurteilt wird, was man kennt. Nullzinsen oder Negativzinsen kennen die Menschen in Deutschland nicht. Ob es schlecht ist oder nicht, zeigt die Zukunft. Fakt ist, dass die Menschen sich an eine Verzinsung gewöhnt haben. Neben Aktien, Immobilien und Versicherungen wurden immer auch Zinsprodukte als Analgeform angeboten. Letztere sind derzeit unantraktiv, da die Rendite null oder unter null ist. Alternativen gibt es, nur muss man sich damit auseinandersetzen.

  • Dieser historische Paradigmenwechsel wird von Bankern weiterhin kleingeredet und von Wirtschaftsredakteuren noch immer nicht begriffen. Die »Verwahr-Entgelt« genannte Geldgebühr ist eine sinnvolle und dringend notwendige Maßnahme, um gesellschaftlichen Kosten durch Geldhortung an deren Verursacher weiterzureichen, wie auf INWO.de beschrieben wird. Das Unverständnis in einigen Kommentaren ist beschämend.

  •  Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Die Weitergabe von Kosten ist ehrlich und insoweit nicht zu kritisieren. Das Problem ist nicht die Bank, sondern die Negativzinspolitik der EZB. Diese führt in ihrer Konsequenz zu einer Umverteilung Richtung Südeuropa. Kollateralschäden wie Immobilienblasen und überhöhte Aktienkurse werden in Kauf genommen. Wenn eines Tages die unausweichlichen Korrekturen erfolgen, stehen wir vor neuen Krisen. Mich wundert nur, wie ruhig und gelassen wir sehenden Auges diesen Irrweg forstsetzen.

  • Da hadert der Schmock mit seiner elenden Existenz, anstatt zu arbeiten, zu sparen und Aktien zu kaufen. Da warten Ärmsten auf die Pfaffen, Räte und Genossen auf dass sie von ihnen bereit werden, anstatt ihre Dividenden in den Oasen dieser Welt zu verleben.

  • "„Wenn man keine Anreize schafft, etwas zu verändern, verändert sich auch nichts“."

    Richtig.

  • Vinci schrieb:

    "Das bedeutet wiederum, dass sich Beträge ab 100.000 € bei dieser Bank auf Konten NICHT mehr vorzufinden sein werden."

    Es ist es lustig wenn unser Oberkommentierer über was schreibt was er gar nicht kennt.......LOL

    100.000,-Euronen hat er noch nie gesehen....vielleicht damals in Lire

    ....


    über was sich hier aufgeregt wird

    :-)))))))



    Sonderzeichen,Absätze und GROSSBUCHSTABEN für carlos






  • Was schreibt der Unwissende, Aktien sind überteuert, dann muss er Schiff-Aktien kaufen.
    Heute
    KNOT Offshore Partners (NYSE:KNOP): Q2 net income of $11.6M.Revenue of $43.1M (+16.5% Y/Y) beats by $0.28M.
    Das sind 10% Dividende natürlich steuerfrei zum Verzehr in den Oasen.
    Reich werden wie die Finken durch Tanker-Aktien, da lacht der Investor und die Genossen und Räte schauen blöd.

  • „Wir haben alle Großanleger gezielt angeschrieben und ihnen empfohlen, sich Gedanken zu machen“, sagte Paul. „Wenn man keine Anreize schafft, etwas zu verändern, verändert sich auch nichts“, begründete er den Schritt.
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    Naja, die Bank dürfte doch sicherlich "Anreize" geschaffen haben, z.B. , um am überteuerten Aktienmarkt Papiere zu erwerben, die dann nach dem absehbaren Finanzcrash in den Keller rauschen und beim Kleinanleger das Anlagekapital "verdampfen" lassen. Alles wie gehabt !!

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