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„Net Zero Asset Owner Alliance“ wächst Investoren drängen Konzerne zu mehr Klimaschutz

Immer mehr Großinvestoren nutzen die Marktmacht ihrer billionenschweren Portfolios und drängen energieintensive Branchen zum Umdenken. Klimaschützern reicht das nicht.
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Investoren drängen auf Klimaschutz. Quelle: imago images/Hans Blossey
Kohlekraftwerk im Ruhrgebiet

Investoren drängen auf Klimaschutz.

(Foto: imago images/Hans Blossey)

Frankfurt Es war eine Entscheidung mit Signalwirkung. Im Sommer dieses Jahres beschloss das Parlament in Oslo, dass der milliardenschwere norwegische Staatsfonds Anteile von mehr als 150 Unternehmen verkaufen soll, die viel Geld mit Öl, Gas und Kohle verdienen. Norwegen zieht so rund 5,8 Milliarden Dollar aus der Kohle heraus und etwa acht Milliarden Dollar aus dem Öl- und Gassegment.

Knapp ein halbes Jahr später ist aus dem Vorstoß ein breiter Trend geworden. Der große französische Versicherer Axa kündigte am Mittwoch an, seine Politik zum Ausstieg aus der Förderung und Verstromung von Kohle, Braunkohle und Ölsand weiter zu forcieren. Axa konzentriere sich „auf nachhaltige Finanzen, die zur Energiewende in großen Industrien beitragen“, sagte Axa-Chef Thomas Buberl in Paris.

Immer mehr große Versicherer, Vermögensverwalter und Pensionskassen nutzen die Marktmacht ihrer Portfolios in Billionenhöhe und verstärken den Druck auf Unternehmen beim Thema Klimawandel. So bekommt diese Woche eine Gruppe von Großinvestoren Zuwachs, die im September unter dem sperrigen Titel „Net Zero Asset Owner Alliance“ gestartet war und deren Mitglieder ihre Anlageportfolios bis 2050 klimaneutral stellen wollen.

Sie ist nun um vier weitere Mitglieder gewachsen. Die Versicherungsriesen Axa, Aviva, CNP Assurances sowie der französische Pensionsfonds Fonds de Reserve pour le Retraites (FRR) treten diesem vor zwei Monaten gegründeten Bündnis nun ebenfalls bei. Die Zahl der Mitglieder steigt damit von zwölf auf 16, das Gesamtvolumen des Portfolios erreicht die gewaltige Summe von fast vier Billionen Dollar.

Gestartet war das Bündnis, das unter dem Dach der Vereinten Nationen angesiedelt ist und zu dessen Gründungsmitgliedern auch der Dax-Konzern Allianz zählt, mit 2,4 Billionen Dollar. Doch schon da war ein rasches Wachstum des Bündnisses das Ziel. Schnell sollte das Gesamtportfolio auf fünf Billionen Dollar ansteigen, für die Zukunft peilen die Initiatoren zehn Billionen Dollar an.

„Das wäre ein Fünftel der weltweiten Investments, dann wäre die Marktmacht ausreichend groß“, gab Allianz-Chefinvestor Günther Thallinger damals schon die Richtung vor. Die nachhaltige Ausrichtung des Bündnisses beinhaltet auch verbindliche Regeln für Geschäfte mit Kohlebezug – mit dem Ziel, Finanzierungen im Bereich der Kohleverstromung schrittweise zu reduzieren.

Seit 2016 leitet der 46-Jährige die Versicherung Axa. Quelle: Bouchon/Le Figaro/laif
Thomas Buberl

Seit 2016 leitet der 46-Jährige die Versicherung Axa.

(Foto: Bouchon/Le Figaro/laif)

Axa will nun als Investor bereits bis 2030 in den OECD-Ländern und bis 2040 in allen übrigen Ländern aus sämtlichen Kohle-Investments aussteigen. Die bestehenden Auflagen wurden zudem verschärft. Es werde nicht mehr in Werte von Unternehmen investiert, die neue Kohlekraftwerke von mehr als 300 Megawatt bauten oder in deren Energiemix die Kohle mehr als 30 Prozent einnehme, sagte Céline Soubranne, die für die Klimapolitik des Unternehmens zuständig ist.

Ein weiteres Ausschlusskriterium sei eine installierte Gesamtleistung von mehr als zehn Gigawatt Kohlekraft in einem Unternehmen. Parallel dazu werde das Ziel für „grüne“ Finanzanlagen auf 24 Milliarden Euro verdoppelt.

Axa-Kunden müssen Kohle meiden

Auch im eigenen Versicherungsgeschäft wollen die Franzosen stärker als zuvor umschwenken. Schon 2017 hatte Axa verkündet, dass keine neuen Kohlebergwerke oder -kraftwerke mehr durch Frankreichs größte Assekuranz versichert würden. Nun geht das Unternehmen einen Schritt weiter: Firmen, die Kohlekraftwerke von mehr als 300 Megawatt Leistung bauten oder deren Kohleanteil am Business-Mix 30 Prozent übersteige, würden künftig überhaupt nicht mehr versichert.

Im Unternehmen heißt es, dass ein solcher Schritt nicht einfach sei, weil dieser bei manchen Maklern auf Unverständnis stoße. Es sei auch klar, dass Axa damit Kunden verlieren könne. So lässt sich Axa eine Hintertür offen: Andere umstrittene Energieträger wie das durch Fracking gewonnene Schieferöl und Schiefergas nimmt der Versicherer von der neuen Politik aus.

Man konzentriere sich auf Kohle als Primärenergie, die besonders viel CO2-Emissionen verursache, lautet die Begründung. „Unser Ziel ist es nicht, selbst mit sauberen Händen dazustehen, sondern einen möglichst wirksamen Beitrag zum Übergang in eine klimafreundliche Wirtschaft zu leisten“, heißt es intern. Dafür müsse man die Unternehmen beim Wandel begleiten.

Dem soll auch die Schaffung einer neuen Anlageklasse dienen: Transition Bonds. Damit finanziere Axa neue Projekte, die Kohle- durch Gaskraftwerke ersetzen. Auch Gaskraftwerke sind zwar alles andere als klimaneutral. Doch erlaubten sie eine CO2-Ersparnis von bis zu 60 Prozent, sagte Soubranne. Der erste Transition Bond im Umfang von 100 Millionen Euro soll in Chile und Indonesien zum Einsatz kommen.

NGOs begrüßen den Schritt

Bei Nichtregierungsorganisationen stieß der Strategieschwenk der Axa auf Zustimmung: „Axa schafft damit eine neue Messlatte“, sagte Julie Pinson von der Aktivistengruppe „Unfriend Coal“. Kohleunternehmen wie RWE, Adani und Kepco fallen zu lassen, sei essenziell für Finanzunternehmen, die nicht zu Komplizen der Klimaschäden werden wollten.

Auch Regine Richter von der deutschen Umweltgruppe „Urgewald“ findet lobende Worte: „Im Wettlauf um die ehrgeizigsten Klimaziele hat Axa gegenüber Allianz nicht nur aufgeholt, sondern gleich überholt.“

Die neue Strategie der Großinvestoren hat Symbolwirkung auch für andere Investoren. Ein Investment in fossile Brennstoffe wird dadurch zu einem immer schwerer kalkulierbaren Risiko. Bei der Gründung der „Net Zero Asset Owner Alliance“ vor zwei Monaten in New York hatten sich bereits so namhafte Adressen wie der deutsche Marktführer Allianz, die Schweizer Versicherer Swiss Re und Zurich, die schwedische Nordea oder der US-Pensionsfonds Calpers dem Bündnis angeschlossen.

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Erstmals waren so Investmentgesellschaften aus Europa, den USA und Kanada in dem gemeinsamen Ziel vereint, den Ausstoß von klimaschädlichen Abgasen zu reduzieren und den Druck auf Unternehmen zu bündeln. Damit verpflichteten sie sich auch zu gemeinsamen Zielen in ihrer Anlagepolitik.

US-Vermögensverwalter sind weniger engagiert

Dennoch verlangen Klimaschützer noch größere Anstrengungen, um das in Paris beschlossene Ziel, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen, nicht aus den Augen zu verlieren. So engagieren sich laut dem britischen Thinktank Influence Map von den 15 weltgrößten Vermögensverwaltern lediglich die Allianz, der Versicherer Legal & General sowie die Schweizer UBS stark und dauerhaft in Unternehmen, damit diese ihr Geschäftsmodell klimafreundlicher ausrichteten.

Sie betrieben zudem Lobbying in der Politik, um die Pariser Ziele auch zu erreichen, wie es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie heißt. Auch die Asset-Manager von Axa und Credit Agricole lägen nicht weit von dieser Spitzengruppe entfernt.

Dagegen schnitten die US-Vermögensverwaltergrößen Blackrock, Vanguard und State Street schlecht ab, wenn es um das Vorantreiben von klimafreundlichen Verhaltensänderungen gehe, lautet das Urteil der Wissenschaftler. Influence Map versucht mit seiner erstmals veröffentlichten Studie, einen Maßstab aufzubauen, der über das Engagement der Vermögensverwalter beim Klimawandel in den Unternehmen Aufschluss gibt.

Insgesamt haben die 15 Asset-Manager laut Influence Map 37 Billionen Dollar angesammelt, was einem Fünftel des weltweit an den Kapitalmärkten vorhandenen Geldes entspricht. Doch die Marktmacht nutzen vor allem die Amerikaner kaum, findet die Denkfabrik.

So überprüften die Briten das Abstimmungsverhalten bei Aktionärsanträgen, die die Pariser Ziele in Hauptversammlungen unterstützen sollen. „Blackrock und Capital Group stimmen in 90 Prozent der Abstimmungen im Jahr 2018 gegen derartige Resolutionen“, lautet ein Ergebnis der Untersuchung.

Finance Map hat insgesamt 50.000 Fonds analysiert, die von 150 Finanzgruppen gemanagt werden, und 8,2 Billionen Dollar an Investments gefunden, die in Schlüsselindustrien für den Klimawandel liegen. Dazu zählen die Experten die Branchen Öl und Gas, Kohleförderung, Automobile und Energieerzeugung.

So stehen laut den Briten die Investments der Vermögensverwalter in bestimmten Branchen weiter im Konflikt mit den Zielen des Klimawandels und dem schnellen Umbau in eine Wirtschaft, die wenig CO2 ausstößt. Thomas O’Neill, Chef-Researcher von Influence Map, betont: „Wenn globale Asset-Manager die Pariser Vereinbarung unterstützen wollen und gleichzeitig in Autofirmen, der Energiebranche sowie Industrien mit fossilen Energien investiert bleiben möchten, müssen sie sich mit den Unternehmen auseinandersetzen, um den Wechsel in Karbon-Technologien mit einem niedrigeren Ausstoß zu beschleunigen.“

Mehr: Warum die Schweizer Nationalbank nicht grüner werden will.

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