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Neue Strategie Aufsichtsrat nimmt Commerzbank-Chef Zielke in Sondersitzung ins Kreuzverhör

Der Commerzbank-Aufsichtsrat lädt den Vorstand zum Rapport: CEO Zielke muss auf einer Sondersitzung erklären, welche Strategie er nach der gescheiterten Fusion verfolgt.
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Commerzbank: Martin Zielke im Kreuzverhör Quelle: Reuters
Martin Zielke

Der Commerzbank-Chef muss dem Aufsichtsrat am 21. Mai um 15 Uhr Rede und Antwort stehen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, Berlin Vor drei Wochen haben die Commerzbank und die Deutsche Bank ihre Gespräche über einen Zusammenschluss beendet. Doch zur Ruhe gekommen sind die beiden größten deutschen Privatbanken seitdem nicht. Hinter den Kulissen beraten die Institute über ihre künftige strategische Ausrichtung – und dabei geht es bei der Commerzbank durchaus kontrovers zu.

Auf Antrag des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Uwe Tschäge findet am 21. Mai um 15 Uhr eine Sondersitzung des Kontrollgremiums statt, wie mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt sagten. Bei der Sitzung müsse der Vorstand ausführlich darlegen, warum er die Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank beendet hat und welche strategischen Pläne er nun verfolgt.

Auch die Vertreter der Bundesregierung im Commerzbank-Aufsichtsrat haben sich Finanzkreisen zufolge für die Sondersitzung ausgesprochen. Der Staat hält nach der Rettung in der Finanzkrise noch gut 15 Prozent an dem Institut.

Die große Frage ist, ob die Commerzbank auf Dauer allein bestehen kann oder von einem ausländischen Geldhaus geschluckt wird. Die niederländische ING und die italienische Unicredit haben Finanzkreisen zufolge in der Vergangenheit in Berlin grundsätzlich Interesse signalisiert. Konkrete Gespräche gab es bisher aber nicht.

An diesem Dienstag dementierte Unicredit Medienberichte, das Institut habe Investmentbanken damit beauftragt, einen Kauf der Commerzbank vorzubereiten. Auch der Vorstand von Deutschlands zweitgrößter Privatbank rechnet in naher Zukunft nicht mit Übernahmeofferten. Bisher habe niemand angeklopft, sagte Finanzchef Stephan Engels kürzlich. Einen Bieterwettkampf um die Commerzbank sehe er im Moment „echt nicht kommen“.

Engels’ Äußerungen kamen nicht aus dem Bauch heraus, sondern sie stützten sich auch auf eine interne Analyse des Vorstands. Die Führungsspitze hatte zur Strategiesitzung im Herbst 2018 mehrere mögliche Zusammenschlüsse durchgerechnet.

Dabei kam nach Handelsblatt-Informationen heraus, dass die Synergien bei einer Fusion mit der Deutschen Bank mit Abstand am größten wären. Mit einigem Abstand folgte Unicredit samt ihrer deutschen Tochter Hypo-Vereinsbank.

Bei einer Fusion mit der ING, die in Deutschland bisher nur als Direktbank aktiv ist, und allen anderen potenziellen Partnern wären die Synergien nach den Berechnungen des Managements deutlich geringer gewesen. Analysten der US-Bank Citi kommen diese Woche in einer rund 50 Seiten dicken Analyse zu einem ähnlichen Ergebnis.

Finanziell wäre eine Übernahme der Commerzbank für ING und Unicredit derzeit „schwer zu rechtfertigen“, erklärten sie. Attraktiv wäre ein Deal für beide Institute laut Citi allenfalls, wenn diese dabei ihren Hauptsitz nach Deutschland verlagern – denn dann könnten die Finanzierungskosten und die Kapitalanforderungen sinken.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die ING die Commerzbank kauft, bezifferten die Citi-Experten auf 35 bis 45 Prozent. Bei Unicredit sehen sie eine Chance von 20 Prozent.

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Auch die Aktionäre der Commerzbank, die an der Börse aktuell 9,4 Milliarden Euro wert ist, treibt die Frage einer möglichen Übernahme um. „Die Commerzbank ist besser aufgestellt als die Deutsche Bank und kommt aktuell auch allein gut zurecht“, sagt ein Investor, der an beiden Geldhäusern beteiligt ist. „Ob die Commerzbank dauerhaft allein bestehen kann, ist jedoch offen.“

Aus Sicht von Michael Hünseler, dem Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon, ist es dagegen nur eine Frage der Zeit, wann die Commerzbank geschluckt wird. „Die Bank wird auf lange Sicht nicht allein bestehen“, sagt Hünseler.

Das auf Deutschland fokussierte Geschäftsmodell funktioniere nicht, weil die Gewinnmargen wegen des harten Wettbewerbs und des Zinsumfelds zu niedrig seien. „Die Kundenzahlen und das Wachstum der Commerzbank sind solide, aber es bleibt am Ende einfach zu wenig Gewinn hängen.“

Die Strategie von Vorstandschef Martin Zielke setzt auf Wachstum im Privat- und Firmenkundengeschäft. Doch Zielke räumte Anfang des Jahres selbst ein, dass die Bank damit aktuell in der Bundesrepublik keine international wettbewerbsfähigen Renditen erwirtschaften kann.

Während der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank erklärte Zielke dann im Intranet des Instituts, die eigene Strategie funktioniere. „Dennoch hat organisches Wachstum einen Nachteil: Es braucht Zeit, um Marktanteile substanziell zu steigern.“ Deshalb prüfe die Bank parallel „alle Optionen für externes Wachstum, die sich uns bieten“.

Viele Commerzbank-Mitarbeiter hatten nach diesen Aussagen den Eindruck, Zielke rede die eigene Bank schlecht. Und sie sehen den Vorstandschef heute auch wegen der Gespräche mit der verhassten Deutschen Bank kritischer.

Das Verhältnis zwischen den Arbeitnehmervertretern, die lautstark gegen eine deutsche Großbankenhochzeit gekämpft haben, und dem Management hat sich ebenfalls spürbar verschlechtert. Einige Arbeitnehmervertreter wollen sich in der Debatte über eine neue Strategie, die im Herbst vorgestellt werden soll, nun frühzeitig Gehör verschaffen.

Als die Bankspitze den Aufsichtsrat der Commerzbank in einer Telefonkonferenz am 25. April über die abgesagte Deutsche-Bank-Fusion informierte, wurde aus den Reihen des Kontrollgremiums deshalb sofort der Wunsch nach einer Sondersitzung laut.

Fusion mit der BayernLB im Gespräch

Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann wies diese Forderungen nach Informationen des Handelsblatts jedoch zunächst mit deutlichen Worten zurück. Er war der Ansicht, das Gremium sei ausreichend über die Gespräche informiert worden – in mehreren Plenumssitzungen sowie bei Treffen eines Sonderausschusses des Aufsichtsrats zur Fusion.

Doch am Ende musste Schmittmann klein beigeben. Sein Stellvertreter Tschäge, der auch Betriebsratsvorsitzender der Commerzbank ist, erzwang mit seinem Antrag das Treffen, das nun einen Tag vor der Hauptversammlung am 22. Mai stattfinden soll. Die Commerzbank äußerte sich zu der Sitzung und möglichen Übernahmen nicht.

Denkbar ist, dass bei der Sitzung nicht nur über grenzüberschreitende Fusionen gesprochen wird, sondern auch über eine deutsche Option. Denn in Berlin und Frankfurt macht seit einigen Tagen das Gerücht die Runde, die Commerzbank könne auch mit der Bayerischen Landesbank (BayernLB) zusammengehen.

Konkrete Gespräche zwischen beiden Geldhäusern hat es Finanzkreisen zufolge noch nicht gegeben – und viele Bankmanager halten ein solches Szenario auch für unwahrscheinlich. Völlig ausschließen will es jedoch kaum jemand, schließlich hat die Commerzbank im vergangenen Jahr auch eine Übernahme der NordLB geprüft.

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1 Kommentar zu "Neue Strategie: Aufsichtsrat nimmt Commerzbank-Chef Zielke in Sondersitzung ins Kreuzverhör"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Commerzbank hat in der Vergangenheit noch schlechter gewirtschaftet als die Deutsche Bank und musste vom Staat aufgefangen werden.
    Zu etlichen Kapitalerhöhungen bei denen ebenfalls die Aktionäre zu dummen Verlierern gemacht wurden, kam noch die geniale Idee der Zusammenführung von Aktien im Verhältnis 10 : 1. Eine rein optische Korrektur, da wir sonst jetzt einen Aktienkurs von ca. 77 Cent hätten.
    Viele Milliarden fauler Schiffskredite und eine Milliardenstrafe in der USA im Jahr 2015 waren die Hauptbelastungen, aber nicht die Verantwortung von Hr. Zielke.
    Der Aufsichtsrat darf sich selbst an der Nase nehmen, zumindest jene, die dort seit mehr als 10 Jahren sitzen. Die Hauptverantwortung liegt beim Aufsichtsrat als oberste Machtinstanz.