Neue Typen gefragt Das Ende der Investmentbanker

Lange Zeit waren Investmentbanker die schillernden Figuren der Bankenszene. Doch die große Zeit der risikofreudigen Finanzjongleure ist vorbei. Gefragt sind heute solide Controller und Juristen - auch aus Kostengründen.
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Bankenviertel in Frankfurt: Die Branche sucht neue Fachkräfte. Quelle: dpa

Bankenviertel in Frankfurt: Die Branche sucht neue Fachkräfte.

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FrankfurtDas war’s. Paul Stevensen* muss seinen Schreibtisch räumen. Er gehört nicht mehr dazu – zu den Investmentbankern, den einstigen Herrschern des Universums. Sein Arbeitgeber, eine große angelsächsische Bank, braucht ihn nicht mehr. Kaum noch Milliardenübernahmen, die es abzuwickeln gilt; zu wenige Börsengänge, die in Krisenzeiten eingefädelt werden müssen. Es gibt nicht mehr genug Platz für Herrscher. Und Stevensen ist nicht allein.

Rund 100.000 Arbeitsplätze wollen die internationalen Finanzkonzerne in ihren Investment-Banking-Abteilungen streichen. Möglicherweise werden es sogar noch mehr. Besonders eifrig wird bei den französischen Banken gekürzt, aber auch in Großbritannien. In der Finanzmetropole London dürften einer Prognose des Forschungsinstituts CRBS zufolge allein in diesem und im nächsten Jahr rund 27.000 Stellen wegfallen. Die Sparte werde zwar fester Bestandteil einer Bank bleiben, sagt Stefanie Schulz von der internationalen Personalberatung Michael Page, „die Boomjahre im Investment-Banking allerdings sind vorbei“.

Viele Banken können sich aufgrund der neuen Eigenkapitalanforderungen die teuren Investmentbanker schlicht nicht mehr leisten. Mindestens neun Prozent muss die Eigenkapitalquote der Kreditinstitute künftig betragen, so will es die europäische Bankenaufsicht Eba; die großen Finanzkonzerne, die sogenannten Sifis, müssen sogar noch mehr Kapital vorhalten. Um die Quoten zu erreichen, spart die Branche, wo es nur geht. Beteiligungen werden verkauft, Risiken abgebaut – und Arbeitsplätze gestrichen. „Gerade die europäische Bankenindustrie droht aufgrund ihrer Struktur überproportional von der Regulierung betroffen zu werden“, sagt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann

Gefragt ist in den Banken heutzutage eine ganz andere Spezies Mitarbeiter: Kontrolleure und Risikoexperten. „Spezialisten, die sich mit der Umsetzung der neuen Regeln nach Basel III auskennen etwa“, sagt Personalexpertin Schulz. Lange Zeit eher verlacht in den Banken als Erbsenzähler und weit unten verortet, was Gehalt und Prestige betraf, mittlerweile aber heiß begehrt auf dem Arbeitsmarkt. Denn mit den immer neuen Anforderungen der Bankenregulierer kommt jede Menge Arbeit auf die Branche und ihre Spezialisten zu.

Der Markt ist für Fachleute ist sehr klein
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26 Kommentare zu "Neue Typen gefragt: Das Ende der Investmentbanker"

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  • Noch weniger Leute wissen wie man ein System gegen das andere System ausspielt.

    Andere kennen IAS 39 und verstehen ihn nicht.

  • Bleiben Sie beim Thema, ehrloses Charakterschwein!

  • Ach ja, und " Leute " die selbst zu feige sind, sich mit festen User-Nick anzumelden, werden sowieso komplett ignoriert !

  • Es handelt sich wohl eher um einen Unterschied, wie zwischen einem abgewichsten Organhändler und jemanden, der abgelaufene Fertiggerichte verkauft.

    Da liegen zwar Welten dazwischen, ist aber, menschlich gesehen, beides der letzte Dreck.

  • Nur die wenigstens kennen überhaupt den Unterschied zwischen Investment-Bankern und 08/15-Bankern - ist in etwa genauso wie zwischen Champions-League und Amateur-Fußball, oder Formel 1 und DTM.
    Von daher sollte man die meisten Kommentare hier auch nicht allzu ernst nehmen !

  • Nur die wenigstens kennen überhaupt den Unterschied zwischen Investment-Bankern und Banken - ist in etwa genauso wie zwischen Champions-League und Amateur-Fußball, oder Formel 1 und DTM.
    Von daher sollte man die meisten Kommentare hier auch nicht allzu ernst nehmen !

  • Sehr guter Kommentar. Mit der Bitte um die folgende Ergänzung auf dauerhafte Korrektur, nicht Schönfärberei - ansonsten bin ich da ganz bei Ihnen.

  • Das Problem ist nicht das Investmentbanking, sondern es sind die Herren, die vom Investmentbanking exorbitante Gewinne erwartet und ihr Haus nicht bestellt haben.

    Solange diese „Koopers“ in Funktion sind, kann mit einer Änderung nicht gerechnet werden.

    Das Investmentbanking ist grundsätzlich nicht schlecht. Aber Investmentbanking hat man nicht dadurch, dass man eine Organisationseinheit als solche bezeichnet, unangemessene Gehälter und Boni zahlt und das Bankhaus nicht auf Vordermann bringt. Dazu gehören intellektuelle Köpfe, die es beherrschen. Das gilt für die Frontabteilungen bis in die interne und externe Aufsicht. Daran mangelt es.

    Es wurden billige „Kopien“ angefertigt und als „Originale“ ausgegeben. Man hat den Kern nicht verstanden. Wir haben es allzu oft gesehen.

    Die Erfahrung hat gezeigt, dass die größten Missstände in Controlling- und Finanzbereichen gefunden wurden und nach wie vor werden. Dies liegt häufig daran, dass Zahlen zusammensortiert werden, die in ihrer Chronologie nicht zusammen gehören oder nach Bewertungsmethoden zusammen geschoben werden, die unvereinbar sind.

    Das „Einstampfen“ des Investmentbankings löst dieses Problem nicht. Es lässt die Fehler nur nicht so schnell offensichtlich werden. Die Zerreißprobe in den Banken ist dadurch entstanden, dass die Entwicklungen in unterschiedlichen Bereichen unterschiedlich schnell erfolgten. Diese Entwicklung wurde auch dadurch begünstigt, dass sich die externe Bankenaufsicht mit der gleichen Schnelligkeit oder anders ausgedrückt "im Gleichschritt" mit den vorgenannten Back-Office-Bereichen bewegte. Einem System die Geschwindigkeit, die Dynamik zu entziehen, führt zwar nicht zur Problemlösung aber tendenziell zum Stillstand. In der Ruhe lässt sich bekanntlich am besten schlafen.

    Positiv ist, dass Institute, die dies erkannt haben, zur Korrektur bereit sind und selbstregulierend eingreifen. Konsequenterweise folgt nach der Entschleunigung, dem Stillstand, deren Selbstauflösung.

  • Sie glauben in Ihrer narrzistischen Verblendung offenbar tatsächlich, dass man auf derart asoziales Gesindel neidisch wäre? Ich bitte Sie.

    Wer sein Leben nur mit Lug und (Selbst-)Betrug verbringt, seinen Lebensunterhalt also damit verdient, anderes zu bescheißen, abzuzocken und übers Ohr zu hauen, der weiß natürlich nicht, wie sich ein erfülltes, sinnvolles Leben anfühlt. Offenbar muss man nicht gerade der Hellste sein, um im Finanzgeschäft anschaffen zu gehen. Sie tun mir einfach nur Leid.

  • Egal, das "Casino" bleibt trotzdem wie es ist, und wenn sie Basel IV machen.

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