Neuer Deutsche Bank-Chef John Cryan Verschnaufpause vor dem großen Umbau

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als neuer Chef der Deutschen Bank dürfte John Cryan ordentliche Zahlen präsentieren. Spannend wird es Ende des Jahres – und die Investmentsparte zittert bereits.
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John Cryan wird bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als neuer Chef der Deutschen Bank wohl eine ordentliche Zwischenbilanz präsentieren. Doch die großen Aufgaben kommen erst noch. Quelle: AFP
Cryan und die „Strategie 2020“

John Cryan wird bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als neuer Chef der Deutschen Bank wohl eine ordentliche Zwischenbilanz präsentieren. Doch die großen Aufgaben kommen erst noch.

(Foto: AFP)

FrankfurtEs wird John Cryans erster öffentlicher Auftritt als Chef der Deutschen Bank : Am kommenden Donnerstag legt das größte deutsche Geldhaus seine Zwischenbilanz für das zweite Quartal vor und nach zahlreichen Nackenschlägen könnte es dieses Mal gute Nachrichten geben.

Nach Einschätzung von Experten wird Cryan einen Gewinnsprung präsentieren. Denn im Tagesgeschäft dürfte sich das Institut wacker geschlagen haben. Und die noch immer schwelenden Rechtsstreitigkeiten haben vermutlich keinen Grund geboten, so viel mehr Geld zur Seite zu legen, dass es wehtut.

Das verschafft Cryan, der Anfang Juli überraschend Anshu Jain ablöste, eine Atempause. Bis Oktober will er an den Details der „Strategie 2020“ feilen. Solange heißt es für Aktionäre und Analysten: abwarten. „Cryan wird sich die großen Nachrichten für den Herbst aufheben, deshalb ist die Halbjahresbilanz nur eine Momentaufnahme“, glaubt Neil Smith vom Bankhaus Lampe.

Das Banken-Chamäleon
Zeugnis der Anfangstage
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Der 10. März 1870 ist der Gründungstag der Deutschen Bank. Standort war damals nicht Frankfurt, sondern Berlin. Gründer waren Privatbankier Adelbert Delbrück und der Politiker Ludwig Bamberger. Erster Vorstandssprecher ist Georg von Siemens. Im Gründungsstatut wird die Bedeutung des Auslandsgeschäfts unterstrichen: „Der Zweck der Gesellschaft ist der Betrieb von Bankgeschäften aller Art, insbesondere Förderung und Erleichterung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, den übrigen Europäischen Ländern und überseeischen Märkten.“ Eine klare Ausrichtung des jungen Instituts.

Hauptsitz in Berlin
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So sah die Zentrale der Deutschen Bank in Berlin aus, hier auf einer späteren Aufnahme aus dem Jahr 1929. Ab 1880 finanzierte die Bank zunehmend Industrieprojekte. Der Ausbau des Filialnetzes hatte zunächst keine Priorität, die meisten Geschäfte wurden aus Berlin abgewickelt.

Frankfurt kommt erst später
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Weiteres Standbein ist von Beginn an das Einlagengeschäft. Bis 1873 eröffnet die Bank Filialen in Bremen, Hamburg, Yokohama, Schanghai und London. London ist schon damals die wichtigste Auslandsniederlassung. Die Filiale in Frankfurt am Main, heute der Hauptsitz, öffnet erst 1886. Im Bild die Niederlassung an der Frankfurter Kirchnerstraße anno 1914.

Filiale in der Fuggerstadt
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Die Filialen prägten natürlich auch nicht überall das Stadtbild, so wie in Berlin und später in Frankfurt. Diese Aufnahme zeigt die Straßen von Augsburg zur Jahrhundertwende – also 1900.

Geschäftssitze im Wandel der Zeit
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Gegen Ende des ersten Weltkriegs entstand dieses Foto von kaiserlichen Militärs vor der Niederlassung in Bremen. An der Filiale in der Hansestadt lässt sich der Wandel im Stadt- und Bankenbild gut illustrieren.

Bremen 50 Jahre später
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Das historische Gebäude am Domshof blieb der Handelsstadt Bremen erhalten. Das Umfeld hat sich komplett verändert – das gilt auch für Geschäftsfelder. Auf Wandel musste das Institut in seiner Geschichte immer wieder reagieren.

Neuausrichtung nach dem Ersten Weltkrieg
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Mit Ende des Erste Weltkriegs war auch das Auslandsvermögen des Instituts verloren. Die schwierige Wirtschaftslage nebst Inflation in der Weimarer Republik macht es der Deutschen Bank nicht einfach. Im Bild ein Kassenschalter aus dem Jahr 1920.

Cryan präsentiert das Zahlenwerk zusammen mit dem ebenfalls neuen Finanzchef Marcus Schenck. Das Gros der Analysten rechnet mit einem Vorsteuergewinn zwischen 1,2 und 1,4 Milliarden Euro, vor einem Jahr stand nicht einmal eine Milliarde in den Büchern. Viel spannender dürfte für Cryan der Blick in die einzelnen Sparten sein, muss er doch über den endgültigen Zuschnitt der „neuen“ Deutschen Bank entscheiden.

Dass das Privatkundengeschäft unter anderem durch den Verkauf der Postbank deutlich verkleinert wird, steht fest. Das Filialnetz verschlingt viel Geld, während die dauerhaften Niedrigzinsen am Ergebnis nagen. Die Vermögensverwaltung wiederum, die auf reiche Privatkunden und Profi-Anleger zielt, hatte unlängst über florierende Geschäfte berichtet und hohe Erwartungen geweckt.

Zittern muss die Investmentbank, wo die Geschäfte traditionell stärker schwanken. Dass die Frühjahrsmonate eher eine Enttäuschung waren, hat sich bereits in den Bilanzen großer US-Rivalen wie JP Morgan und Goldman Sachs gezeigt: Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren - die wichtigste Domäne der Deutschen Bank - lief zuletzt zäh.

Griechenland lässt Investoren zaudern
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