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Neuer Firmenkundenchef Commerzbank wirbt ING-Manager Boekhout ab

Der langjährige ING-Diba-Chef Roland Boekhout wird neuer Firmenkundenvorstand der Commerzbank. Die Neuverpflichtung ist aus mehreren Gründen brisant.
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Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der ING-Diba wird nun Firmenkundenchef bei der Commerzbank. Quelle: dpa
Roland Boekhout

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der ING-Diba wird nun Firmenkundenchef bei der Commerzbank.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Commerzbank hat nach monatelanger Suche einen neuen Firmenkundenvorstand gefunden. Und die Personalie hat es in sich: Roland Boekhout, der aktuell im Vorstand der niederländischen Großbank ING sitzt, wird Anfang 2020 die Nachfolge von Michael Reuther antreten.

Die Verpflichtung des 56-jährigen Niederländers ist aus mehreren Gründen brisant. Zum einen hat die ING der Commerzbank Finanzkreisen zufolge noch vor einigen Monaten Avancen gemacht, inzwischen jedoch das Interesse an einer möglichen Übernahme verloren. Zum anderen hat Boekhout in seiner Zeit als Chef der Deutschlandtochter ING-Diba wiederholt kritisiert, dass deutsche Banken zu hohe Kosten und zu viele Filialen haben.

„Filialen sind eine Last, nicht eine Lust“, sagte der Niederländer im Februar 2017 auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz als ING-Diba-Chef. Es könnte künftig also kontroverse Diskussionen mit Commerzbank-Privatkundenchef Michael Mandel geben. Dieser hat mehrfach betont, am Filialnetz der Gelben mit rund 1.000 Niederlassungen festhalten zu wollen.

Boekhout war von 2010 bis 2017 Vorstandschef der ING-Diba und hat sich in dieser Zeit auf vielen Konferenzen als Vorreiter bei der Digitalisierung präsentiert. Bei den meisten Mitarbeitern kam der Familienvater, der Deutsch mit niederländischem Akzent spricht, auch wegen seiner lockeren Art gut an. Zur Bundesrepublik hat Boekhout auch aufgrund seiner deutschen Mutter seit jeher eine hohe Affinität.

Die ING ist in Deutschland als Direktbank vor allem für ihr Privatkundengeschäft bekannt. Unter Boekhout hat das Institut, das mittlerweile auch in Deutschland nur noch unter dem Namen ING auftritt, jedoch auch sein Firmenkundengeschäft massiv ausgebaut.

Boekhout war im Mai 2017 von ING-Diba zum Mutterkonzern nach Amsterdam zurückgekehrt, wo er aktuell für das Bankgeschäft in Benelux und die Implementierung einer integrierten Banking-Plattform in Belgien und den Niederlanden verantwortlich ist. Zuvor hatte er bei der ING verschiedene Führungspositionen inne, unter anderem in den USA, Polen und Mexiko.

Vom Ertragsbringer zum Sorgenkind

„Mit Roland Boekhout gewinnen wir einen sehr erfahrenen, internationalen Experten für die Leitung unseres Firmenkundengeschäfts“, sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke. „Ich freue mich auf die neuen Impulse, die Roland Boekhout auch bei der weiteren Digitalisierung unseres Firmenkundengeschäfts setzen wird.“

Die Finanzaufsicht muss die Personalie noch absegnen. Und da Boekhout erst Anfang 2020 bei der Commerzbank anfängt, wird Amtsinhaber Reuther nicht wie ursprünglich geplant Ende September abtreten, sondern noch drei Monate dranhängen.

Die Aufgabe, die der 60-Jährige an seinen Nachfolger übergibt, ist alles andere als einfach. Das Firmenkundengeschäft der Commerzbank hat sich in den letzten Jahren vom Ertragsbringer zum Sorgenkind des Geldhauses entwickelt. Im vergangenen Jahr fiel der Vorsteuergewinn um 23 Prozent auf 614 Millionen Euro.

Die Commerzbank leidet wie viele andere Geldhäuser unter dem harten Wettbewerb um deutsche Unternehmen. Zudem hat die 2016 beschlossene Zusammenlegung von Mittelstandsbank und Investmentbank intern zu zahlreichen Reibereien geführt. Manche Mitarbeiter sehen den neuen Zuschnitt bis heute kritisch und fürchten, die Bank verliere die Bedürfnisse kleinerer Firmen aus den Augen. Dazu trug auch die Tatsache bei, dass Amtsinhaber Reuther zuvor für das Investmentbanking zuständig war.

Die Commerzbank hat bei der Suche nach einem Reuther-Nachfolger interne und externe Kandidaten unter die Lupe genommen. Zu den internen Anwärtern gehörte Finanzkreisen zufolge Roland Böhm, der sich als Bereichsvorstand Corporates International aktuell um das Auslandsgeschäft der Firmenkundensparte kümmert. Innerhalb der Commerzbank gab es jedoch viele, die sich eine externe Lösung gewünscht haben. Sie dürften nun zufrieden sein.

Mehr: Banken müssen aufgrund der IT-Pannen aufpassen, nicht ihr größtes Kapital zu verspielen.

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