Neuer Steuerskandal Credit-Suisse-Kunden tappen in die Bermuda-Falle

Die Schweizer Großbank lockte Tausende Kunden mit einem Steuertrick. Über sogenannte Bermuda-Produkte schleusten vor allem deutsche Staatsbürger Milliarden am Fiskus vorbei. Wie das unmoralische Angebot funktionierte.
Update: 11.07.2012 - 13:04 Uhr 34 Kommentare
Versicherung statt Sparkonto: Ein einfacher Trick spart Steuern.

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Düsseldorf, Zürich, BerlinOffiziell hatte die Credit Suisse den Skandal um Steuerhinterziehung in der Schweiz eigentlich schon längst abgehakt. Die Bank hat vor wenigen Monaten 150 Millionen Euro an das Land Nordrhein-Westfalen gezahlt. Im Gegenzug stellte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ihre Verfahren gegen Mitarbeiter der Großbank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ein.

Seit heute ist aber klar: Ein neues Datenleck bei der Bank zeigt, dass die Credit Suisse auf ihren Konten nach wie vor massenhaft unversteuerte Vermögen hortet. Erneut gelangten die Daten in den Besitz deutscher Steuerbehörden - auf welchem Wege und womöglich gegen welche Geldzahlungen, ist noch unklar. Die zuständigen Behörden lehnten einen Kommentar ab.

Klar aber ist: Wieder geht es um hohe Summen. Nach Recherchen des Handelsblatts sind rund 7000 Kunden betroffen, die meisten von ihnen deutsche Steuerbürger. Ihr Geld steckt in sogenannten Bermuda-Produkten - Konten, die als Lebensversicherungen getarnt wurden und, anders als die meisten Kapitalanlagen, für ihre Laufzeit von mindestens zwölf Jahren steuerbefreit sind.

Die ersten Bermuda-Produkte legte Credit Suisse 2005 auf, die unmoralischen Angebote gelten also mindestens bis zum Jahr 2017. In den Scheinversicherungen, die in Wirklichkeit nichts anderes als normale Anlagekonten sind, wurden mehrere Milliarden Euro vor dem Finanzamt versteckt.

Credit Suisse wälzt nun die Verantwortung für die Steuerhinterziehung auf die Kunden ab. Banksprecher Marc Dosch: "Der Kunde hat unterschrieben, dass er die Steuersituation selber klären muss."

Bundesweit gab es bereits zahlreiche Hausdurchsuchungen bei Credit-Suisse-Kunden, weitere sind beantragt. Fahnder berichteten dem Handelsblatt, der neue Datensatz ergebe bei der Suche nach unversteuerten Vermögen bisher eine Trefferquote von fast 100 Prozent. Im Schnitt gehe es um Anlagebeträge von rund 500.000 Euro, es gebe aber auch Einzelfälle von zwölf Millionen Euro und mehr.

Credit-Suisse-Sprecher Dosch wollte sich zur Zahl der betroffenen Kunden zwar nicht äußern, bestätigte aber die Brisanz der Lage: "Wir haben Kunden geraten, einen Steuerexperten beizuziehen, um ihre Steuersituationen zu überprüfen und gegebenenfalls eine Selbstanzeige vorzunehmen."

Die Bank selbst ist, wie ein Sprecher am Mittwoch betonte, nicht Gegenstand der Ermittlungen. Ohnehin geht Credit Suisse davon aus, dass alle Vorwürfe wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung in Deutschland seit der Einigung mit der Staatsanwaltschaft Düsseldorf vom Tisch sind. "Es gibt keine Untersuchung gegen die Bank und das ist auch nicht zu erwarten", sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters.

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans kündigt an, weiter gegen Steuersünder vorzugehen. Die Ereignisse zeigten, dass eine entschlossene Steuerfahndung für das Gemeinwesen unverzichtbar sei, so lange es "scheunentor-große Schlupflöcher für Steuerhinterzieher" gebe. "Unsere Steuerfahnder müssen ungehindert ihrer Arbeit nachgehen können, nämlich kriminelle Hinterzieher aufzuspüren", sagte der Finanzminister laut Reuters.

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34 Kommentare zu "Neuer Steuerskandal: Credit-Suisse-Kunden tappen in die Bermuda-Falle"

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  • Wenn Sie in der Schweiz, ob selbständig oder nichtselbständig sich niedergelassen haben und "vergessen" ihre Steuern zu zahlen, hat dies ungeahnte Folgen, bis hin zur Existenzvernichtung.

    Ausländer in der Schweiz sind besser dran; denn passiert dies, wird er umgehend ausgeschafft. Und Staatsbürger aus Deutschland sind am ehesten davon betroffen. Ergo schön zahlen, was Sie natürlich in Deutschland anprangern. Irgendwie der Vergleich von einer Tomate zur Pflaume.

    Hoffentlich vergessen Sie die Jubelfeiern für unseren "hochgeschätzten" Bimbeskanzler nicht. Auf jeder Einladung steht nämlich der genaue Termin mit Uhrzeit.

    Im übrigen sind die ZEITen der Wendehälse irgendwie passé, ähm ich meine vorbei.

  • Hallo Partner, es sind diese Taue, welche auch in der Finanzwelt ganze Kälberstricke werden lassen. Einmal mitgehangen, wird das Seil immer länger oder für manche endet so etwas auf sehr tragische Weise. Der Asiate sagt dazu, schlicht und ergreifen, er habe sein Gesicht verloren.

    In all den heutigen Debatten um den Ankauf der CDs sollte der geneigte Leser als Bürger nicht vergessen, wie es möglich war, daß ein gestandener Alt-Bundeskanzler in den Beirat dieser CS aufgenommen wurde und nach kurzer Zeit bereits verabschiedet wurde. Nachdenken kann manchmal sehr verletzend sein.

    Dies gilt für Anleger, wie für Bängkstars.

  • In der Schweiz gibt es sehr wohl ein Gesetz gegen Steuerhinterziehung, nämlich gegen Steuerhinterziehung Schweizer Staatsbürger am Schweizer Fiskus vorbei. Nur ausländische Steuerhinterzieher scheren die Schweizer einen Dreck, dabei wird noch kräftig geholfen. Und Arbeiter, die Steuern hinterziehen können: Sie träumen wohl. Das geht nicht vom Verfahren her und nicht mangels Masse!

  • "Die Bank hat vor wenigen Monaten 150 Millionen Euro an das Land Nordrhein-Westfalen gezahlt."

    His es nicht irgendwann mal Bestechung von Beamten sei strafbar?

  • Ich hoffe die Leute haben wenigstens etwas zu versteuern. Solche Policen waren vor ein paar Jahren populär, auch andere Banken haben sie angeboten. Wenn man aber nach 2005 abgeschlossen hat, sind sie meistens tiefrot angesichts der Entwicklung auf den Märkten. Naja, abgerechnet wird zum Schluss, aber die derzeitige Marktlage läßt wenig Raum für Hoffnung.

  • Sie sind ein Schaumschläger, wie er im Buche steht!
    Mag sein, dass Sie auf dem Blatt ein High-Potential sind, mit Ihrer Sozialkompetenz kommen Sie aber mit Sicherheit nicht weit, da Sie aufgrund Ihrer Ignoranz und Arroganz ganz stark anecken werden!

    So gut ich weiß, werden IT-Experten überall gesucht, Ihnen steht also die große weite Welt offen.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute - wo auch immer!

  • Über die Versicherungsgeschichte der Credit Suisse wird völlig falsch berichtet. Nach einem vorliegenden Schreiben der Credit Suisse handelt es sich „um eine Versicherung nach Bermudarecht, welche im Todesfall der versicherten Person eine entsprechende Nachfolgeregelung gewährleistet“. Somit handelt es sich um eine Erbschaftsangelegenheit, die in jedem Land per Gesetz geregelt ist und vermutlich als Versicherung nach Bermudarecht häufig nur ein sachlicher Unsinn ist, der mit ca. 0.5 % vom Depotwert pro Jahr zu bezahlen war. Beim Verkauf der „Versicherung“ ging es dann auch weniger um diese Versicherungsleistung, als um die Tatsache, das nun das Depot und der gesamte Vorgang auf den Bermudas angesiedelt waren und damit eine größere Sicherheit gegen Indiskretion versprachen. Was als „Versicherungsprämien“ ausgegeben wurde entsprach vom Charakter mehr einem Schutzgeld, wie es auch in anderen „Branchen“ üblich ist und dem letztlich keine Leistung entgegen stand. Einst wurden die Schweizer Banken für ihre Diskretion gerühmt – heute lassen sie sich dafür bezahlen und können sie nicht mal gewährleisten.

  • Wer hats erfunden? Der Liechtensteiner Heinrich Kieber, sozusagen die Mutter aller Datendiebe. Gibt ein spannendes Buch darüber, wie es zum Fall Zumwinkel kam, resp. wie Kieber den FAll auslöste: Der Datendieb heisst es. Kann es nur weiterempfehlen. Wenn man nicht wüsste, dass die Geschichte wahr ist, man würde sie kaum glauben. Kieber, ein Waisenkind, wächst zu einem fantastischen Hochstapler heran und am Ende zieht er sogar den Fürsten von Liechtenstein über den Tisch, bevor er die vom Fürsten gestohlenen Bankdaten an den BND verkauft für ein paar Millionen Euro.

  • "Nur noch geschäftlich und wegen meiner Familie hier" , was sollte es denn noch an Gründen geben hier zu leben. Geschäftlich sind Sie wahrscheinlich hier, weil Sie trotz allem wenig Abgaben zahlen, eine gute Infrastruktur, Rechtssicherheit und zig Steuerschlupflöcher vorfinden und ihre Familie profitiert von der kostenlosen Bildung und einem noch immer guten Gesundheitssystem. Ich habe selber 10 Jahre im Ausland gelebt und gearbeitet, und habe Erfahrungen als selbständiger Geschäftsführer wie als angestellter Manager und teile ihre Ansicht überhaupt nicht.
    Ihr Egoismus ist es woran unser System hapert und nicht daran, dass der Staat Sie belügt und ausnimmt. Hoffentlich ziehen Sie weg, aber geben Sie dann auch den deutschen Pass und jegliche Anwartschaft auf eine Rückkehr auf, anstatt Wasser zu predigen und Champagner zu trinken.

  • Das ist eine Möglichkeit. Ich habe inzwischen die andere Möglichkeit gewählt: Ich mache den Griechen! D.h. ich habe meine selbständige Tätigkeit reduziert und sitze jetzt öfters mit einem Glas Wein in der Sonne.

    Dumm für den Staat, denn eigentlich bin ich so einer von den HiTech-HighPotentials, die allerorts gesucht werden und die Deutschland angeblich voranbringen sollen.

    Wenn man aber nur noch fürs Finanzamt arbeitet, dann emigriert man irgendwann - entweder tatsächlich oder innerlich.

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