NFC-Technik Kontaktlos bezahlen mit Karte oder Smartphone – das müssen Verbraucher wissen

Neue Bezahlsysteme ermöglichen Käufe praktisch im Vorbeigehen. Welche Technik dahintersteckt und ob das sicher ist – die wichtigsten Antworten.
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Die Daten werden maximal über eine Distanz von vier Zentimetern übertragen. Quelle: obs
Kontaktloses Bezahlen

Die Daten werden maximal über eine Distanz von vier Zentimetern übertragen.

(Foto: obs)

FrankfurtEnde Juni ist der Bezahldienst Google Pay in Deutschland gestartet, unter anderem mit der Commerzbank als Partner. Die neue Bezahl-App der Sparkassen ist ab Montag verfügbar, die Volksbanken bieten das Bezahlen per Smartphone ab Mitte August an. Grundlage ist die NFC-Technik, mit der Handy sowie Kassenterminal im Geschäft ausgestattet sein müssen.

Sie ermöglicht auch, dass man kontaktlos mit der Girocard und der Kreditkarte bezahlen kann. „Girocard“ oder auch Girokarte heißt die Bankkarte, die bisher als EC-Karte bekannt ist, seit einiger Zeit offiziell.

Wie geht das kontaktlose Bezahlen?
Bei Einkäufen von bis zu 25 Euro müssen Kunden, wenn sie bereits über eine entsprechende Giro- oder Kreditkarte verfügen, keine Geheimnummer mehr eingeben.

Sie halten einfach kurz ihre Giro- oder ihre Kreditkarte direkt an das Kassenterminal – und bezahlen binnen einer Sekunde, bis das Terminal piept oder kurz aufleuchtet. Wenn man höhere Summen begleichen will, muss man zusätzlich die Geheimnummer, die PIN, eingeben. Bei Kreditkarten gibt es teils auch die Möglichkeit, Einkäufe bis zu 50 Euro kontaktlos ohne PIN zu begleichen.

Muss man eine Gebühr zahlen, wenn man die Kontaktlos-Funktion nutzen will?
Nein. Es ist eine ganz normale Transaktion mit der Girokarte oder mit der Kreditkarte, die auch bisher – wenn man die Karte in das Lesegerät an der Kasse steckt – nichts kostet.

Mit welcher Technik funktioniert das?
Basis für das kontaktlose Bezahlen mit Giro- oder Kreditkarte ist die NFC-Technologie, kurz für Near Field Communication, die in die Kassenterminals sowie in die Chips in den Giro- und Kreditkarten integriert ist. Sie überträgt über maximal vier Zentimeter Distanz Daten per Funk. Der Kunde muss die Giro- oder Kreditkarte also ziemlich nah an das Kartenterminal halten.

Wer kann kontaktlos bezahlen?

Ob die eigene Giro- oder Kreditkarte NFC-fähig ist, erkennt man an einem Funksymbol darauf, das ein wenig an das WLAN-Symbol erinnert. Banken und Sparkassen statten derzeit Giro- und Kreditkarten beim regulären Austausch mit der NFC-Technik aus.

Welche Banken haben die Girokarten schon mit dem neuen Chip ausgerüstet?
Die Geldhäuser sind unterschiedlich weit. Beispiel Volks- und Raiffeisenbanken: Sie haben bisher etwa 14 Millionen Girokarten mit Kontaktlos-Funktion an ihre Kunden ausgegeben, 2020 sollen alle 27 Millionen mit NFC-Chip ausgestattet sein. Bei den Sparkassen sind momentan rund 23 Millionen Girokarten mit Kontaktlos-Funktion in Umlauf, Ende des Jahres sollen es 35 Millionen sein und 2020 alle 45 Millionen.

Die Commerzbank hat im Frühjahr damit begonnen, die neuen Girokarten mit NFC-Chip auszugeben. Wer schon vor dem Verfallsdatum der alten eine neue Girokarte mit NFC-Chip haben will, bekomme sie auch, und zwar gratis, so ein Sprecher der Bank. Bei der Deutschen Bank läuft der Umtausch ab Mitte September.

Wie sieht es bei den Kreditkarten aus?
Die werden ebenfalls mit dem NFC-Chip ausgestattet. Bei der Deutschen Bank sowie bei der Commerzbank ist das weitgehend schon passiert. Die ING-Diba, die größte Onlinebank in Deutschland, hat alle Kreditkarten umgestellt, und einen Teil der Girokarten.

Kann man die Kontaktlos-Funktion der Giro- und Kreditkarten auch abschalten?
Teils ja, teils nur bei den Girokarten, teils gar nicht. Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken können die Kontaktlos-Funktion von Giro- und Kreditkarte am Geldautomaten deaktivieren. Bei den Sparkassen geht das für die Girokarte in der Filiale, bei Kreditkarten funktioniert es nicht. Kunden können aber eine kostenlose Schutzhülle, die das Funksignal aufhält, in der Geschäftsstelle bekommen. Darauf weist auch die Commerzbank hin.

Bei einigen anderen Geldhäusern gilt ebenfalls: Wer die Funktion loswerden will, muss Berater in der Filiale ansprechen, teils geht es auch per Telefon. Bei Kreditkarten ist das Abschalten aber meist nicht möglich. Im Fall der ING-Diba geht das auch bei Girokarten bisher nicht, die Bank arbeitet daran.

In welchen Geschäften kann man so zahlen?
Bei vielen großen Einzelhändlern, etwa in großen Supermarktketten, funktioniert das bereits, teils findet man dazu einen Hinweis am Kassenterminal. Rund 475.000 Kassenterminals in Deutschland verfügten zuletzt über die NFC-Technik – nach Aussage von Euro-Kartensysteme, einem Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Banken und Sparkassen. Das entspricht rund 60 Prozent aller Kassenterminals. Der Anteil soll schnell steigen.

Wie funktioniert das Bezahlen per Smartphone?
Es beruht ebenfalls auf der NFC-Technik. Das Smartphone benötigt dafür eine NFC-Schnittstelle. Als App kann man dafür bisher Google Pay verwenden oder die Apps von Banken.

Was genau ist Google Pay?

Google Pay ist die Bezahl-App des Tech-Konzerns Google, manchmal auch „digitale Geldbörse“ genannt. Ende Juni ist Google Pay in Deutschland gestartet. Kunden der Commerzbank, ihrer Tochter Comdirect und der Smartphone-Bank N26 können den Bezahldienst nutzen und Kreditkarten mit dieser App verknüpfen. Der Zahlungsdienstleister Wirecard bietet mit Boon zudem eine App an, über die man Google Pay mit einer extra digitalen Kreditkarte und unabhängig von der eigenen Bank nutzen kann.

Für Google Pay braucht man ein Smartphone mit mindestens dem Betriebssystem Android 5.0 und eine Kreditkarte der Partnerbanken – mit Girokarte geht das noch nicht. Zum Bezahlen von Beträgen bis 25 Euro muss man das Smartphone nur „wecken“, also weder den Bildschirm entsperren noch die App öffnen, und es nah an den Kassenterminal heranhalten. Dann läuft die Zahlung automatisch. Bei höheren Summen muss man das Gerät entsperren.

Was macht Google Pay mit den Daten?
Google Pay speichert die Kartendetails nicht auf dem Smartphone, sondern verschlüsselt auf sicheren Servern. Nutzerdaten verwendet Google lediglich dafür, um eine ausführliche Rechnung zu den Käufen zu erstellen, hat der Konzern beim Deutschlandstart von Google Pay betont.

Welche Bezahl-Apps von Banken gibt es?
Die Deutsche Bank setzt schon seit gut einem Jahr auf eine eigene Lösung. Die Kunden brauchen dafür ein Android-Smartphone und eine Mastercard, weshalb nur ein Bruchteil von acht Millionen das Angebot nutzen kann. Auch die Fidor Bank hat kürzlich bereits ein eigenes Angebot, „Fidor Pay“, gestartet. Die Sparkassen starten Montag mit ihrer App „Mobiles Bezahlen“, die man zusätzlich zur Banking-App braucht.

In dieser App können Kunden ihre Giro- oder Kreditkarte hinterlegen und das per Sicherheitscode TAN bestätigen. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken ist das mobile Bezahlen eine Funktion innerhalb der Banking-App, unter dem Menüpunkt „Digitale Karten“ kann man sie einrichten. Alle Lösungen funktionieren nur mit Android-Geräten, die in Deutschland aber auch am weitesten verbreitet sind.

Wann kommt Apple Pay, der Bezahldienst des iPhone-Herstellers?
Darüber wird seit Langem spekuliert. Apple äußert sich grundsätzlich nicht dazu, wann der Konzern wo neue Dienstleistungen startet. Das Problem aus Sicht der Banken: Apple gibt die NFC-Schnittstelle in seinem eigenen Bezahlverfahren nicht automatisch frei. In der Bankenbranche heißt es immer wieder, dass Apple an den Gebühren, die bei Bezahltransaktionen anfallen, mitverdienen wolle – und dass es dazu noch keine Einigung gebe.

Sobald das der Fall ist, könnte es losgehen: „Wenn Banken einmal die technische Voraussetzung geschaffen haben, dass Kreditkarten wie jetzt für Google Pay digitalisiert werden, lässt sich das auch schnell auf andere digitale Geldbörsen übertragen“, sagt Volker Koppe, beim Kreditkartenanbieter Visa unter anderem zuständig für die Marktentwicklung mobiler Bezahlservices in Zentraleuropa.

Ist das Bezahlen mit der Kontaktlos-Funktion und per Smartphone auch sicher?
Viele Kunden fürchten, dass das nicht der Fall ist. So haben 58 Prozent Angst um die Sicherheit ihrer Daten, wenn sie kontaktlos mit Karte oder per Smartphone zahlen, zeigt eine Studie des Handelsforschungsinstituts ECC. Dem widersprechen die Geldhäuser. Sie halten das Verfahren sogar für „sehr sicher“, so die Deutsche Kreditwirtschaft, die für mehrere Lobbyverbände der Branche spricht. Sie trifft diese Aussage für Girokarten beziehungsweise für digitale Girokarten im Smartphone, weil sie ein Produkt der deutschen Banken sind.

Möglichen Angriffen wollen die Anbieter „mit modernster Sicherheitstechnologie im Chip der Karte, im Händler-Terminal und in den entsprechenden Apps für das Smartphone“ begegnen. Theoretisch besteht das Risiko, dass Betrüger Daten auf den Giro- oder Kreditkarten abfischen. Allerdings müssten sie dafür mit Smartphone oder speziellen Auslesegeräten den Karteninhabern sehr nah auf die Pelle rücken.

„Es wird immer jemanden geben, der versucht, irgendwelche Sicherheitslücken zu nutzen. Aber dafür ist ein enorm großer Aufwand notwendig“, sagt Niklas Grisar von der Beratungsfirma Capco. Das Auslesen wird zudem erschwert oder ganz verhindert, wenn die Karte im Portemonnaie steckt oder in einer Schutzhülle.

Wie schnell wird sich das Bezahlen per Smartphone verbreiten?
Wahrscheinlich eher langsam. 61 Prozent der Kunden nutzen bisher weder Bezahlen per Smartphone noch das kontaktlose Zahlen mit der Giro- oder Kreditkarte – und haben das auch nicht vor. Das ergab eine Umfrage der Postbank unter 3100 Personen. Selbst in den USA nutzen es nur wenige Verbraucher.

Naheliegend ist, dass viele Kunden erst einmal mehr kontaktlos mit der Girokarte zahlen werden, weil man an die Karte gewöhnt ist und das Bezahlen per Handy auch nicht schneller geht. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken sind immerhin schon 15 Prozent der Girokarten-Transaktionen kontaktlos, so ihr Bundesverband. Von den Sparkassen heißt es, dass manche Kunden sogar nach einer neuen Karte mit Kontaktlos-Funktion fragen.

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