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Niederländisch-belgischer Finanzkonzern Höchster Vergleich der europäischen Rechtsgeschichte – Geldsegen für Fortis-Aktionäre

Nach irreführenden Aussagen des Management brach der Aktienkurs um mehr als 90 Prozent ein. Neun Jahre Jahre später wurden Anleger entschädigt.
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Geschädigte Aktionäre können sich noch bis zum 28. Juli 2019 dem Vergleich anschließen. Quelle: BLOOMBERG NEWS
Fortis-Zentrale in Brüssel

Geschädigte Aktionäre können sich noch bis zum 28. Juli 2019 dem Vergleich anschließen.

(Foto: BLOOMBERG NEWS)

Düsseldorf Es war eine Übernahme mit fatalen Folgen: Im Sommer 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, gab der niederländisch-belgische Finanzkonzern Fortis 24 Milliarden Euro aus, um gemeinsam mit zwei Großbanken die Amsterdamer Bank ABN Amro zu kaufen.

Der Deal sollte Fortis fast die Existenz kosten: Als sich die Hypothekenkrise in den USA zuspitzte, sackte der Aktienkurs um mehr als 90 Prozent ab. Der niederländische Staat musste einspringen und übernahm den heimischen Teil von Fortis. Die Aktionäre gingen leer aus – und klagten Anfang 2010 auf Schadensersatz.

Fast neun Jahre später, im Sommer 2018, kam es zum bislang höchsten Vergleich der europäischen Rechtsgeschichte. Die Fortis-Nachfolgegesellschaft Ageas einigte sich mit den Klägern auf eine Zahlung von 1,3 Milliarden Euro. Damit sollen die Anleger für die Kurseinbrüche nach irreführenden Äußerungen der Fortis-Spitze entschädigt werden.

Anspruch auf Entschädigung haben alle natürlichen und rechtlichen Personen, die zur Zeit der ABN-Amro-Übernahme zwischen März 2007 und Oktober 2008 Fortis-Aktien hielten. Geschädigte Aktionäre können sich noch bis zum 28. Juli 2019 dem Vergleich anschließen. Hierfür muss eine eigens eingerichtete Vorlage genutzt werden, die unter der Adresse www.forsettlement.com zu finden ist.

Mehr Geld für Aktive

Aktionäre, die sich nicht an dem Vergleich beteiligen, aber dennoch Ansprüche gegen Fortis geltend machen möchten, können eine „opt-out-notice“ senden. Das entsprechende Formular muss bis Jahresende 2018 eingesendet werden. Wer sich nicht aktiv für oder gegen die Teilnahme an dem Vergleich entscheidet, der verzichtet auf alle Ansprüche aus dem Vergleich und verwirkt das Recht, einen Schaden geltend zu machen.

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Wie viel die einzelnen Aktionäre erhalten, hängt von der Zahl der Investoren ab, die sich dem Vergleich anschließen. Erst im Juli 2019 gibt es endgültig Klarheit. Fest steht, dass die Entschädigung höher ausfällt, wenn sich der Aktionär am Prozess beteiligt hat. Das ist typisch für das niederländische Recht. Ein „aktiver Kläger“ erhält eine um 25 Prozent höhere Summe.

Zudem wird unterschieden zwischen Aktien, die zu einem bestimmten Zeitpunkt gehalten wurden, und solchen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt gekauft wurden. Bei Letzteren winkt mehr Geld.

Dramatischer Kursverfall

Der Kurs der Fortis-Aktie sackte von Anfang 2007 bis Ende 2008 von über 213 Euro auf knapp neun Euro ab. Diesen dramatischen Kapitalverlust kann der 1,3 Milliarden Euro schwere Vergleich bei Weitem nicht kompensieren. Das meiste Geld dürfen Aktionäre erwarten, die in der Zeit vom 13. Mai bis 25. Juni 2008 eingestiegen waren. Damals machte Fortis bewusst falsche Angaben zur Überlebensfähigkeit – die Aktie verlor fast 40 Euro an Wert.

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Wichtig ist eine weitere Besonderheit des niederländischen Rechts: Aktionäre stellen sich umso besser, je früher sie sich einer Sammelklage anschließen. Für die Kläger besteht die Möglichkeit, sich zu 70 Prozent frühzeitig auszahlen zu lassen – das heißt, schon bevor die Frist für Aussteiger abgelaufen ist und der endgültige Betrag der Begünstigten feststeht.

Liegt dieser über dem vorläufigen 70-Prozent-Wert, erhalten die früh ausbezahlten Aktionäre den Restbetrag gutgeschrieben. Liegt der allgemeine Auszahlungsbetrag darunter, dürfen die früh ausbezahlten Anteilseigner den überzähligen Betrag auf Kosten der Fortis-Nachfolgegesellschaft Ageas behalten.

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