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Blick auf den Commerzbank-Tower in Frankfurt

Die Fusionsgespräche mit der Amsterdamer ING sind vorerst geplatzt.

(Foto: imago images / Hannelore Förster)

Niederländische Großbank Die ING hat kein Interesse mehr an einer Übernahme der Commerzbank

Die niederländische Großbank ING hat kein Interesse mehr an der Commerzbank. Eine Übernahme von Deutschlands zweitgrößter Privatbank rückt damit in weite Ferne.
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FrankfurtRalph Hamers war voll in seinem Element: Auf der Bühne des CDU-Wirtschaftstags plädierte der Vorstandschef der niederländischen Großbank ING derart kraftvoll für mehr europäisches Unternehmertum, dass er schlichtweg die Zeit vergaß. Für Fragen blieb vergangene Woche kein Raum mehr – dabei hätten sich wohl viele der mehr als 3500 Gäste im Berliner Maritim Hotel vor allem die Antwort auf eine Frage gewünscht: Will Hamers die Commerzbank übernehmen?

Seitdem die Commerzbank Ende April ihre Fusionsgespräche mit dem Frankfurter Rivalen Deutsche Bank abrupt beendet hat, kursieren stets Gerüchte über mögliche Avancen der Holländer. Doch nach Informationen des Handelsblatts steht schon seit vielen Wochen fest: Hamers will nicht. Die ING habe das – ohnehin nie sehr große – Interesse an der Commerzbank verloren, heißt es in Finanzkreisen. Die niederländische Großbank wolle sich lieber auf ihre eigenen Projekte konzentrieren.

Der Commerzbank gehen damit die Bieter aus. Statt des an den Kapitalmärkten erhofften Übernahmekampfs für Deutschlands zweitgrößte Privatbank lautet das wahrscheinlichste Szenario für die nähere Zukunft: Commerzbank allein zu Haus. Nicht nur die ING, auch Italiens Unicredit und die französische BNP Paribas haben in den vergangenen Wochen abgewunken. Fürs Erste zumindest.

Spielball der Konsolidierung

Dabei sah es noch vor einigen Monaten so aus, als würde die Commerzbank zum Spielball einer beginnenden europäischen Bankenkonsolidierung werden. Investoren und Analysten gingen nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank davon aus, dass die Commerzbank früher oder später von einem ausländischen Geldhaus geschluckt wird.

Es sei nur eine Frage der Zeit, wann das Geldhaus übernommen werde, sagt etwa Michael Hünseler vom Vermögensverwalter Assenagon. „Die Commerzbank hat alles getan, um sich als Braut hübsch zu machen, beispielsweise durch den Abbau von Schiffskrediten und anderen Randaktivitäten.“

Und auch die Politik mischte munter bei den Gedankenspielen mit. Insidern zufolge hat der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra Anfang Mai mit seinem deutschen Pendant Olaf Scholz über einen möglichen Zusammenschluss von ING und Commerzbank gesprochen.

Bei der Unterhaltung, über die die Nachrichtenagentur Bloomberg zuerst berichtet hatte, sei es auch um einen möglichen Firmensitz eines fusionierten Instituts in Deutschland gegangen. Jedoch sei in den Gesprächen klar artikuliert worden, dass man sich in die Strategie der Privatbanken nicht einmischen wolle.

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Dass die deutsche Politik einer solchen Fusion aufgeschlossener gegenüberstünde als einem Zusammengehen mit Unicredit, ist in Berlin kein Geheimnis. Bei einer Fusion mit Unicredit würde eine Bank mit einem gewaltigen Bestand an italienischen Staatsanleihen entstehen. Das Risiko bei einer Staatspleite Italiens würde deutlich ansteigen.

Die erste große europäische Bankenfusion seit vielen Jahren dürfte erst einmal ausbleiben. Dabei hoffen viele Politiker und Banker auf einen solchen Schritt. An grenzüberschreitenden Fusionen in Europa führe kein Weg vorbei, sagte Hans-Walter Peters, Präsident des privaten Bankenverbands, dem Handelsblatt. „Wir brauchen mehrere europäische Champions. Ein großer Wirtschaftsraum benötigt schließlich starke Banken.“ Für Peters wäre es wünschenswert, dass einer dieser Champions in Deutschland beheimatet ist.

Die Bundesregierung hält nach der staatlichen Rettung der Commerzbank in der Finanzkrise noch gut 15 Prozent an dem Institut und kann damit faktisch jeden ungewollten Deal verhindern. Aktiv forcieren kann und will der Bund jedoch keinen Zusammenschluss – auch nicht mit der ING. Grundsätzlich ist man in Berlin der Ansicht, dass die Commerzbank nach dem Ende der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank erst einmal zur Ruhe kommen und sich nicht gleich ins nächste Fusionsabenteuer stürzen sollte.

Eine Einsicht, die Commerzbank-Chef Martin Zielke und Hamers offenbar teilen. Beide Banken wollen die Vorgänge nicht kommentieren.

Doch schon vor dem Treffen der Finanzminister war klar: Einen Zusammenschluss von ING und Commerzbank wird es vorerst nicht geben. Zwar hatte sich Zielke vor und während der Gespräche mit der Deutschen Bank gleich zweimal mit dem charismatischen ING-Chef getroffen, um die Möglichkeit einer Fusion auszuloten. Aber: „Es hat keine konkreten Angebote zur Aufnahme von Verhandlungen für einen Zusammenschluss gegeben“, wie Zielke im Mai auf der Hauptversammlung der Bank sagte.

Gemeinsame Visionen

Laut Insidern haben sich die CEOs vor allem darüber ausgetauscht, ob sie eine Vision für das Banking der Zukunft teilen und sich somit eine Zusammenarbeit vorstellen könnten. Details einer etwaigen Fusion wie der Standort der Zentrale seien nicht zur Sprache gekommen.

Wohl aus gutem Grund. In Wahrheit hatten beide Seiten nie allzu großen Appetit auf einen derartigen Megadeal. So arbeitet die Commerzbank derzeit an einer neuen Strategie, die im Herbst vorgestellt werden soll. Dabei will das Institut alle Möglichkeiten prüfen, um die Profitabilität zu verbessern, wie Zielke auf der Hauptversammlung sagte. „Hierzu gehören organische Anpassungen genauso wie potenzielle anorganische Opportunitäten.“ Intern hat der Vorstand indes deutlich gemacht, dass sein Fokus darauf liegt, die Commerzbank aus eigener Kraft voranzubringen.

Dass der Commerzbank-Vorstand in naher Zukunft nicht mit einer Übernahme rechnet, liegt auch an der internen Analyse möglicher Zusammenschlüsse. Die Ergebnisse, die im Herbst 2018 auf der Strategiesitzung mit dem Aufsichtsrat vorgestellt wurden, zeigen, dass die Synergien bei einer Fusion mit der Deutschen Bank am größten wären. Mit einigem Abstand folgt Unicredit samt ihrer Tochter Hypo-Vereinsbank. Bei einer Fusion mit der ING und allen anderen potenziellen Partnern wären die Synergien deutlich geringer.

Analysten der US-Bank Citi kamen Mitte Mai in einer rund 50 Seiten dicken Analyse zu einem ähnlichen Ergebnis. Finanziell wäre eine Übernahme der Commerzbank für ING und Unicredit derzeit „schwer zu rechtfertigen“, erklärten sie. Attraktiv sei ein Deal für ING allenfalls, wenn das Institut seinen Sitz von Amsterdam nach Frankfurt verlagern würde. Dann könne die Kernkapitalquote, die ING auf Druck der Finanzaufsicht mindestens aufweisen muss, von 13,5 auf 12,5 Prozent sinken.

Die Analysten verweisen aber auf hohe Umsetzungsrisiken. Und: Auch unter optimistischen Annahmen wäre das fusionierte Geldhaus nach Berechnungen von Citi nur ein bisschen profitabler als ING alleine. Das Fazit der Analysten: „Wir glauben, die Nachteile überwiegen die Vorteile.“

Manche ING-Banker sind denn auch erleichtert über das Ende dieser Planspiele. „Es ist gut, wenn nun Ruhe einkehrt und wir uns nicht mehr mit dieser Frage beschäftigen müssen“, sagt ein führender ING-Manager. Unter Kollegen, vor allem aber in Kundengesprächen, hätten die Fusionsspekulationen zu Irritationen geführt. „Wir wurden immer wieder darauf angesprochen, obwohl es mit unserem Tagesgeschäft gar nichts zu tun hat.“

Eine deutsch-niederländische Megafusion sei zur jetzigen Zeit sowieso kein guter Plan gewesen. „Ganz offensichtlich hat die Commerzbank noch einige Hausaufgaben zu machen“, meint der ING-Manager. „Das geht so nicht, erst mit der Deutschen Bank Gespräche zu führen, und dann direkt im Anschluss mit der ING.“ Darüber hinaus sei auch die politische Dimension eines grenzüberschreitenden Zusammenschlusses häufig unterschätzt worden. „Eine solche Fusion muss man eigentlich still und ausgeruht vorbereiten. Aber das geht in diesem Fall nicht“, findet der ING-Insider.

Dafür seien die Umbrüche, die eine Fusion ING-Commerzbank erforderten, viel zu groß, etwa was die mögliche Verlagerung des Firmensitzes angehe, die Gespräche mit den niederländischen und deutschen Aufsichtsbehörden und Finanzministern, der EZB und den Aktionären. „Das alles führt zu einer enormen Unruhe, und dann kann man nicht mehr still verhandeln.“

Grundsätzlich sei eine Übernahme der Commerzbank für ING „ein sehr großer Happen“. Zudem verweisen Insider darauf, dass die niederländische Großbank derzeit noch genügend eigene Hausaufgaben zu erledigen habe. So ist das Geldhaus derzeit dabei, seine europäischen IT-Plattformen aufwendig zu integrieren und nach einem größeren Geldwäscheskandal die internen Kontrollen auf Vordermann zu bringen.

Schon im Oktober 2018 machte Hamers im Interview mit dem Handelsblatt klar, dass die ING vorwiegend organisch wachsen wolle. „Wenn es allerdings auf einem der Märkte, auf dem wir bereits stark vertreten sind, zu Konsolidierung kommt, wird das einen Prozess des Nachdenkens auslösen. Wir werden uns dann fragen, ob wir dort aus eigener Kraft schnell genug wachsen können,“ sagte er damals.

Und wie wichtig Deutschland für die ING ist, erklärte Hamers seinen vielen Gesprächspartnern auf dem CDU-Wirtschaftstag in der vergangenen Woche: Den rund acht Millionen Kunden im Heimatmarkt Holland stünden fast zehn Millionen Deutsche gegenüber, die ING-Produkte haben.

Falls in den kommenden Jahren doch noch ein europäischer Wettbewerber in Richtung Commerzbank schielen sollte, könnte sich somit auch die ING wieder bewegen. Gänzlich verschwinden dürfte die Fusionsdebatte rund um Deutschlands zweitgrößte Privatbank also auch in Zukunft nicht.

Mehr: Auf der Hauptversammlung der Commerzbank bekam ein Aufsichtsrat den Zorn der Aktionäre zu spüren – weil er sich als Verdi-Mitglied gegen eine Fusion mit der Deutschen Bank gestellt hatte.

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