Niedrigzinsen Sparda-Bank West führt neue Girokontenmodelle ein

Die Niedrigzinsen belasten auch die Sparda-Banken. Immer mehr Institute verabschieden sich nun vom kostenlosen Girokonto.
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Die zwölf Sparda-Banken sind genossenschaftlich organisiert. Sie haben rund 3,6 Millionen Mitglieder - wobei die Zahl 2017 erstmals seit der Finanzkrise leicht sank. Quelle: action press
Sparda-Bank

Die zwölf Sparda-Banken sind genossenschaftlich organisiert. Sie haben rund 3,6 Millionen Mitglieder - wobei die Zahl 2017 erstmals seit der Finanzkrise leicht sank.


(Foto: action press)

Frankfurt Die Zahl angebotener Girokonten, die weitgehend gratis sind, sinkt. Nun nimmt auch die Sparda-Bank West Abschied von ihrem kostenlosen Konto. Das genossenschaftliche Geldhaus führt zum 1. Juli neue Girokontenmodelle ein. Das Standardkonto, Sparda-Giro Flex, kostet dann 2,50 Euro im Monat – vorausgesetzt die Kunden zahlen monatlich Lohn oder Rente ein. Andernfalls verlangt die Sparda-Bank fünf Euro. Parallel erhöht sie die Gebühr für die Girokarte auf zwölf Euro.

Das Beispiel zeigt, wie sehr die erfolgsverwöhnten Sparda-Banken mit den niedrigen Zinsen ringen. Für sie sind die Minizinsen sogar eine besondere Herausforderung, weil sie sich traditionell nur an Privatkunden richten und sehr hohe Kundeneinlagen haben. Dabei wird es zusehends schwieriger, mit der Kreditvergabe und Eigenanlagen Geld zu verdienen. Wenn Banken kurzfristig Geld bei der Europäischen Zentralbank parken, müssen sie sogar einen Strafzins zahlen.

„Als Genossenschaftsbank streben wir nicht nach dem maximal möglichen Gewinn“, sagte Manfred Stevermann, Chef der Sparda-Bank West, zu dem Schritt. „Aber auch wir müssen kostengerecht wirtschaften.“ Üblich war in der Gruppe der zwölf Sparda-Banken bis vor kurzem, dass die Girokonten weitgehend kostenlos sind.

Mit der Sparda-Bank Münster und der Sparda-Bank Berlin gibt es aber bereits zwei Sparda-Banken, die Kontoführungsgebühren verlangen. Das Berliner Kreditinstitut hatte das Entgelt im vergangenen Herbst eingeführt und damit ein Tabu in der Gruppe gebrochen. Im Fall der Sparda-Bank West aus Düsseldorf ist das neue Entgelt auch deshalb naheliegend, weil sie mit der Sparda-Bank Münster fusionieren will.

Deutschlandweit haben viele Banken und Sparkassen in den vergangenen Monaten die Gebühren erhöht oder neue Entgelte eingeführt. „Auch die Sparda-Banken können sich dem Trend nicht widersetzen“, sagte Uwe Sterz, der dem Vorstand des Verbandes der Sparda-Banken angehört.

Insgesamt aber wollen die Sparda-Banken – einst gegründet als Banken für die Eisenbahnbeamten – „kostengünstig und schlank“ bleiben und weiter eine hohen Kundenzufriedenheit erreichen, wie Verbandschef Florian Rentsch sagte. „Diesen Vorteil wollen wir behalten.“ Rentsch steht seit Juli an der Spitze des Verbandes, zuvor saß der FDP-Politiker im hessischen Landtag und war zeitweise hessischer Wirtschaftsminister.

Die Rahmenbedingungen seien nicht einfach, sagte Rentsch mit Blick auf Minizinsen, steigende Regulierung und Digitalisierung in der Branche. Die Gruppe sei derzeit dabei, „sich so auszurichten, dass wir auch in der Niedrigzinsphase Geld verdienen“. Dabei seien die Sparda-Banken dabei, Ideen für neue Geschäftsmodelle auszuloten. Unter anderem werde die Diskussion geführt, ob die Banken sich künftig auch an Selbständige und somit an kleine Firmenkunden wenden sollten. Über welche weiteren Optionen die Gruppe spricht, wollte Rentsch nicht sagen.

Die Sparda-Banken richten sich fast ausschließend an Privatkunden in ihrer jeweiligen Region. Nur die Sparda-Bank Baden-Württemberg ist vor einem Jahr ausgeschert und spricht erstens Kunden deutschlandweit an und zweitens auch kleine Firmen.

Mit ihrem Geschäftsmodell haben die Sparda-Banken in den vergangenen Jahren gut verdient. Im Jahr 2017 fuhren sie unterm Strich 110 Millionen Euro ein, knapp acht Millionen weniger als vor einem Jahr. Das Betriebsergebnis vor Bewertung, das den Erfolg des eigentlichen Geschäfts zeigt, fiel allerdings um zehn Prozent auf 371 Millionen Euro.

Einen weiteren Dämpfer müssen die Sparda-Banken hinnehmen: Erstmals seit der Finanzkrise sank die Zahl ihrer Mitglieder – also der Kunden, die auch Genossenschaftsanteile gezeichnet haben. Sie fiel um 9000 auf gut 3,6 Millionen. In den Vorjahren hatten die Sparda-Banken immer mehr Mitglieder gewonnen. So lag die Mitgliederzahl 1993 noch bei 1,5 Millionen. Bei den genossenschaftlichen Banken insgesamt, den deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, ist die Zahl der Mitglieder indes auch im vergangenen Jahr weiter gestiegen, auf 18,5 Millionen.

Zu den Weichenstellungen für die Zukunft zählt auch die Entscheidung über den künftigen IT-Dienstleister der Sparda-Banken. So wollen drei der zwölf Häuser zum Dienstleister der Genossenschaftsbanken, Fiducia GAD, wechseln. Ob auch die anderen neun Sparda-Banken das tun, wollen sie im Sommer entscheiden. Erst einmal bleiben sie bei ihrem eigenen IT-Dienstleister, lagern aber einige Dienstleistungen an T-Systems, also die Telekom, aus.

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3 Kommentare zu "Niedrigzinsen: Sparda-Bank West führt neue Girokontenmodelle ein"

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  • Es ist eher befremdlich, dass die Leute immer noch bei Commerzbank Deutsche Bank und co. ihre Geschäfte machen, wobei diese Banken mit ihren Steuergeldbetrügereien, cum ex Geschäften und so weiter aktiv dem deutschen Volk geschadet haben und teilweise wieder mit Steuergeldern gerettet werden mussten. Aber man regt sich lieber über die 5 Euro Kontogebühr auf!

  • Dass das Girokonto umsonst war, ist keine Selbstverständlichkeit. Warum denken die Leute, dass die Bank für das Betreiben eines Girokontos, was viele Kosten verursacht, keine Gegenleistung einfordern dürfen??? Es geht ja keiner zum Bäcker und nimmt es dem Verkäufer übel, Geld für seine Brötchen zu verlangen. Die Banken, die mit kostenlosem Konto werben und geworben haben, tragen wohl die Schuld an dieser Einstellung.

  • " Dabei wird es zusehends schwieriger, mit der Kreditvergabe und Eigenanlagen Geld zu verdienen. Wenn Banken kurzfristig Geld bei der Europäischen Zentralbank parken, müssen sie sogar einen Strafzins zahlen. (...) "Aber auch wir müssen kostengerecht wirtschaften.“"

    (Zitat Artikel Stand 18.04.18, 10:49 h)

    Die Bank gibt als ganz offen zu, daß sie wirtschaftliche Probleme hat und sich mit Gebühren sanieren muß. Kunden sollten sich überlegen, ob diese Bank ein guter Ort ist, um sein Geld aufzubewahren.

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