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Niedrigzinsumfeld Allianz kauft keine Bundesanleihen mehr und forciert Umbau

Europas größter Versicherer erstickt an Komplexität, warnt Vorstandschef Oliver Bäte. Bei möglichen größeren Übernahmen ist er zurückhaltend.
Update: 28.08.2019 - 16:11 Uhr 1 Kommentar
Der Allianz-Vorstandschef hält die Zinssteuerung der EZB für falsch. Quelle: AFP
Oliver Bäte

Der Allianz-Vorstandschef hält die Zinssteuerung der EZB für falsch.

(Foto: AFP)

Frankfurt Allianz-Boss Oliver Bäte will den angestoßenen Umbau des Versicherers in den kommenden Jahren noch schneller vorantreiben. „Das Hauptproblem unserer Industrie und der Allianz im Besonderen ist, dass wir manchmal an unserer Komplexität ersticken“, sagte Vorstandschef Bäte am Dienstagabend vor dem Internationalen Club der Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. So schleppe die Allianz allein in Deutschland rund 62 Arten von Rechtsschutzpolicen mit sich herum, von denen nur ein Bruchteil noch verkauft würde.

Der Dax-30-Konzern hat sich eine grundlegende Vereinfachung in seinem neuen Mehrjahres-Strategieplan auf die Fahnen geschrieben. Alte Verträge sollen nun auf neue Produkte umgestellt und alte IT-Systeme langfristig abgestellt werden. Bis 2023 will die Allianz die Hälfte der Alt-Computersysteme abgeschaltet haben. Zudem sollen mehr Angebote auf einheitliche Plattformen gesetzt werden.

Ein weiterer wichtiger Schritt soll der neue digitale Direktversicherer Allianz Direct werden, der im November mit Kfz-Policen startet und von Größeneffekten profitieren soll.

Niedrigzinsen und neue Wettbewerber zwingen die Branche, stärker denn je auf ihre Kosten zu achten und nach renditeträchtigen Anlageformen Ausschau zu halten. Von deutschen Bundesanleihen hat sich der Großinvestor vor diesem Hintergrund verabschiedet. „Wir kaufen keine deutschen Bundesanleihen mehr“, sagte Bäte in Frankfurt. Der Konzern zählt mit einem Portfolio von 650 Milliarden Euro zu den größten Kapitalanlegern in Deutschland. Sämtliche deutschen Staatspapiere weisen jedoch eine negative Rendite auf. Investoren müssen also dafür zahlen, dass sie dem Bund Geld leihen.

Bäte erneuerte in diesem Zusammenhang seine Kritik an der Zinspolitik. Er halte die Steuerung der Zinsen für falsch, monierte er. Die Zentralbank sollte unabhängig von der Politik sein. Das Gegenteil sei jedoch der Fall. Der größte Nutznießer davon sei der deutsche Staat, der Milliarden an Zinskosten spare.

Bei möglichen größeren Übernahmen zeigte sich Bäte zurückhaltend. „Wir haben nichts Großes – gar nichts – gefunden, was irgendwie für uns Sinn gemacht hätte“, sagte der Vorstandschef. Die Preise seien sehr hoch und „übrigens auch undifferenziert hoch“. Die Allianz setze deshalb darauf, in Ländern, in denen man Chancen sehe, mit kleineren Akquisitionen die Marktposition auszubauen.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Allianz für 667 Millionen Euro Teile des brasilianischen Versicherers Sul America übernommen und war damit zur Nummer zwei auf dem Markt für Kfz-Policen in dem Land geworden. Im Mai hatten die Münchener schon die britische Sachversicherungssparte von Legal & General sowie die restlichen Anteile am britischen Versicherer Liverpool Victoria übernommen.

Mehr: Der neue Online-Versicherer Allianz Direct wird intern nicht überall willkommen geheißen. Spätestens im November soll er aber an den Start gehen.

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1 Kommentar zu "Niedrigzinsumfeld: Allianz kauft keine Bundesanleihen mehr und forciert Umbau"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Kann man absolut nachvollziehen! Geld anlegen mit Minus kann es ja wohl nicht sein! Irgendwo stimmt da einiges nicht mehr! Das ist ja schlimmer als zu Zeiten der Finanzkrise. Was bedeutet das für "Normalsparer" die irgendwo einige € 10.000,-- als Altersvorsorge liegen haben, vielleicht noch ein kleines Aktien-Depot, dass jetzt noch von Herrn Scholz renditetechnisch abgegriffen wird? Herr Scholz richtet jetzt seine Handlungen auf den Parteivorsitz aus! Kein Wunder, das die SPD keine Chance mehr hat; da kann ich ja direkt die Linke wählen, oder aber mich bei den Grünen einordnen; dann habe ich das Original.

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