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Nils Wilm im Interview Personalexperte zur Deutschen Bank: „Die Loyalität der Mitarbeiter wird unterminiert“

Personalberater Nils Wilm vermisst bei der Deutschen Bank Maßnahmen, die verhindern, dass wichtige Führungskräfte dem Institut den Rücken kehren.
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„Wichtig wäre eine positive interne und externe Kommunikation “, sagt der Chef der Personalberatung Bankenwelt Executive Search. Quelle: Bankenwelt Executive Search
Personalberater Nils Wilm

Wichtig wäre eine positive interne und externe Kommunikation, sagt der Chef der Personalberatung Bankenwelt Executive Search.

(Foto: Bankenwelt Executive Search)

Als ehemaliger Aktienhändler der Deutschen Bank kennt sich Nils Wilm mit dem größten heimischen Geldhaus gut aus. Der Chef der Personalberatung von Bankenwelt Executive Search fürchtet, dass die Deutsche Bank nach dem radikalen Umbauplan von Vorstandschef Christian Sewing ein Loyalitätsproblem bekommen könnte.

Herr Wilm, wie sieht es mit der Loyalität der Führungskräfte im Deutsche-Bank-Konzern aus? Warten die Banker jetzt verstärkt auf eine Absprungmöglichkeit?
Die Loyalität der Führungskräfte konvergiert nach diesem Kahlschlag gegen null. Wir sprechen mit vielen Managern, die die Entscheidung zu der signifikanten Reduktion der Arbeitsplätze sehr überrascht hat. Man befürchtet weitere Maßnahmen in anderen Bereichen, was die Loyalität unterminiert.

Setzen die abwanderungswilligen Banker dabei auch auf den Brexit? Durch den geplanten Ausstieg der Briten aus der EU bauen ausländische Banken ihre Präsenz in Frankfurt aus.
Die durch den Brexit ausgelöste Sonderkonjunktur auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt für Banker erleichtert die Situation für die Deutsche-Bank-Manager etwas. Wir sehen weiterhin eine hohe Rekrutierungsaktivität. Viele vom Brexit betroffene Institutionen haben ihre Rekrutierungsprogramme noch nicht abgeschlossen. Die anhaltend hohe Einstellungsdynamik der Brexit-Banken führt auch zu Personalbedarf bei den etablierten Spielern, bei denen sich die Brexit-Baken bedient haben. Dies kommt den eine neue Perspektive suchenden Deutsche-Bank-Managern zugute.

Gibt es Alternativen?
Es gibt zudem viele kleinere Asset-Manager oder Hedgefonds ähnliche Strukturen, die die auf den Markt geschwemmten Deutschbanker mit Freude begrüßen.

Wäre durch Abgänge im großen Stil vielleicht sogar die Marktführerschaft im Heimatmarkt gefährdet?
Die Marktführerschaft auf dem Heimatmarkt wird von Auslandsbanken kontinuierlich attackiert. Die jüngsten personellen Maßnahmen der Deutschen Bank sind für diese Häuser ein willkommener Anlass, um weitere Topmanager anzuwerben. Die Reputation der Deutschen Bank hat erneut gelitten, das wissen die Wettbewerber und nutzen die Situation aus.

Welche Gegenmaßnahmen versucht die Deutsche Bank zu ergreifen? Oder lässt man die Wechselwilligen einfach gehen?
Wir sehen aktuell keine effektiven Gegenmaßnahmen der Deutschen Bank, um ungewollte Abgänge zu verhindern. Es könnte aber sein, dass man im Laufe des Jahres zum Instrument Sonderbonus oder dergleichen greifen muss, um eine gewisse Stabilität herzustellen und Marktanteilsverluste zu verhindern.

Wie wirken sich die Abgänge auf die Personalkosten aus?
Die Abgänge führen dazu, dass die Personalkosten in dem Maße sinken, das die Bank selbst angestrebt hat und das auch die Stakeholder, insbesondere Aktionäre, und die Aufsicht, gefordert haben. Schließlich ist es auch der Aufsicht zu verdanken, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Das Verhältnis von Kosten zu Einnahmen muss stimmen, um eine nachhaltige Stabilität der Bank zu gewährleisten. Dies ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Man wird erst in ein bis zwei Jahren beurteilen können, wie viel Erträge durch die Maßnahmen auch verloren gegangen sind.

Was wären aus Ihrer Sicht jetzt die richtigen Schritte, um zu viele Abgänge zu verhindern?
Wichtig wäre eine positive interne und externe Kommunikation. Junge Mitarbeiter müssen gefördert werden. Man erwartet klare Statements des Topmanagements zur Strategie und zur individuellen Perspektive. Die Leistungsträger müssen zwingend gehalten werden, ansonsten gehen die Erosion der Erträge und die Minimalisierung des Instituts weiter. Ein weiterer Reputationsschaden kann nur durch eine Beruhigung der Mitarbeiter und eine klare Kommunikation verhindert werden.

Geht Vertrauen in die Stärke und die Problemlösungskraft der Bank verloren?
Die Deutsche Bank hat seit Jahren ein Reputationsproblem, insbesondere bei den Arbeitnehmern. Durch die jüngsten Maßnahmen haben wir einen negativen Kulminationspunkt des Werts der Marke aus Arbeitnehmersicht erreicht. Auch die Kunden sind verunsichert. Banking ist ein People’s Business. Wenn Mitarbeiter unzufrieden sind und Loyalität zerstört wird, gehen notgedrungen Kompetenz und Problemlösungsstärke verloren.

Welche Bereiche sind von den Abgängen besonders betroffen?
Das Aktiengeschäft und bestimmte Kapitalmarktbereiche sind sicherlich am stärksten betroffen. Die Deutsche-Bank-Führung hat aber den Effekt auf die gesamte Belegschaft sicherlich unterschätzt. Wir hören von vielen Backoffice-Teams, die das Haus verlassen wollen. Diese werden aber dringend benötigt. Wenn hier ein Vakuum entsteht, hat man ein noch größeres Problem, auch mit der Aufsicht.

Mehr: Ein Grund für die Krise des Geldhauses ist das Tohuwabohu im Vorstand, meint unser Autor – lesen Sie hier seinen Kommentar.

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