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Norinchukin Japans Bauernbank wagt sich auf dem Kapitalmarkt weit vor

In kürzester Zeit ist die japanische Spezialbank Norinchukin zu einem Hauptakteur auf dem Markt für verbriefte Kredite geworden. Analysten warnen allerdings vor Risiken.
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Eine Bauernbank als Großinvestor. Quelle: BLOOMBERG NEWS
Zentrale der Bank Norinchukin in Tokio

Eine Bauernbank als Großinvestor.

(Foto: BLOOMBERG NEWS)

TokioFarmer, Förster und Fischer gelten finanziell als konservativ, gerade in Japan. Doch ausgerechnet die Norinchukin, die maßgebliche Spezialbank des Landes für die Land- und Forstwirtschaft, wagt sich auf dem internationalen Kapitalmarkt besonders weit vor. Innerhalb kurzer Zeit ist sie zum Hauptakteur auf dem Markt verbriefter Kredite (CLOs) aufgestiegen.

Allein von März bis Dezember 2018 hat sie ihren CLO-Besitz um 79 Prozent auf 6.822 Milliarden Yen (54 Milliarden Euro) aufgebläht. Damit liegt die Bank, die 3.500 Genossenschaften von Bauern, Förstern und Fischern versorgt, in den USA vorn. Im kleineren europäischen Markt war sie an fast allen hochwertigen CLOs beteiligt, die mit dem besten Kreditrating AAA eingestuft werden.

Die Norinchukin ist nicht die einzige japanische Bank, die auf der Suche nach Erträgen in CLOs investiert. Auch MUFG, Mizuho und Sumitomo Mitsui (SMBC) sowie die Postbank gehören zu den großen Playern. Gemeinsam kauften sie nach einer Schätzung der UBS zwischen 50 bis 75 Prozent der AAA-CLOs. Norinchukin ist aber mit einem Anteil von rund 60 Prozent des japanischen CLO-Besitzes dominierend.

„Die Norinchukin ist anders als andere Banken“, erklärt die Ökonomin Sayuri Shirai, die früher in Japans Notenbank die Geldpolitik mitbestimmte, gegenüber dem Handelsblatt. „Sie hat immer mehr Risiko übernommen und stark in den USA investiert.“ Doch dieses Mal ist der Drang so stark geworden, dass Japans Finanzaufsicht FSA gegenhält. Mitte März veröffentlichten die Finanzaufseher neue Richtlinien.

Danach muss Japans Bank kontrollieren, ob der Ausgeber der CLOs selbst mehr als fünf Prozent der verbrieften Kredite besitzt und ob die Qualität der Kredite den offiziellen Bewertungen entspricht. Ist dies nicht der Fall, verdreifacht sich die Risikogewichtung der CLOs in der Bilanz, und damit erhöhen sich die Kapitalkosten deutlich.

Verbriefte Kredite

60

Prozent

aller in Japan liegenden CLOs gehören der Spezialbank Norinchukin.

Japans FSA reagierte damit auf die wachsenden Sorgen in der Finanzwelt, dass sich die verbrieften Unternehmenskredite zu einem globalen Risiko entwickeln könnten. Die möglicherweise höhere Risikogewichtung in Japan schürt im Markt die Sorge, dass sich die Japaner als Käufer zurückhalten oder gar ausfallen könnten. Aber die Experten von Standard & Poor’s und SMBC glauben, dass sie auch künftig nicht auf die höheren Erträge der CLOs verzichten können.

Die neue FSA-Politik wird laut Nomura-Analyst Ken Takamiya „keine großen Auswirkungen auf die Banken“ haben. Die japanischen Gebote für CLOs mit der höchsten Einstufung AAA „bleiben stark, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie sich bald zurückziehen“, zitierte Bloomberg Ende März Aza Teeuwen, einen Manager von TwentyFour Asset Management.

Zu groß ist außerdem der Druck von Minus- und Nullzinspolitik daheim auf Japans Bankwelt. Inzwischen drückt die Bank von Japan sogar die Zinsen für kurzfristige Staatsanleihen ins Minus. Mit traditionellen Anlagen wie Anleihen, Unternehmenskrediten oder Hypotheken können Finanzinstitute daher schon länger kaum noch Geld verdienen.

Kleine Regionalbanken in Landstrichen, in denen die Bevölkerung sinkt, stecken schon jetzt in der Krise. 2017 erwirtschafteten 54 der 106 regionalen Kredithäuser im Kerngeschäft Verlust, so die FSA, 52 davon bereits im zweiten Jahr in Folge, 23 sogar seit fünf oder mehr Jahren.

Druck auf Finanzinstitut wächst

Die Norinchukin, mit einem Vermögen von 836 Milliarden Euro (Stand Dezember 2018) nach den drei Megabanken Japans viertgrößtes Finanzinstitut, bilanziert zwar wie andere Großbanken noch recht solide Gewinne. Kreditbewerter loben sie zudem für ihre hohe Liquidität und Eigenkapitalquote. Ihre Kernkapitalquote betrug zum Abschluss der ersten Hälfte des Bilanzjahres Ende September 2018 über 16 Prozent.

Aber der Reingewinn sank in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres um 45 Prozent auf 73 Milliarden Yen (580 Millionen Euro). Dadurch wächst der Druck auf die Norinchukin noch, durch Investitionen in riskantere Wertpapiere im Ausland, wie CLOs, höhere Erträge zu erzielen.

„Zum Teil steht sie unter Druck, ein gewisses Maß an Rendite zu erzielen, um ihren Anteilseignern Dividenden zu zahlen“, erklärt Ökonomin Shirai, die derzeit an der Keio-Universität und bei der Asiatischen Entwicklungsbank arbeitet. Auf der Suche nach Gewinn durch Investitionen wird die Spezialbank stärker ins Ausland getrieben als die Großbanken, meint Tetsuya Yamamoto, Analyst bei Moody’s.

Denn sie habe geringere Möglichkeiten zur Kreditvergabe. Ihr ohnehin nicht großes Kreditportfolio hat sich laut Moody‘s in den vergangenen Jahren auf zehn Prozent des Vermögens halbiert. Denn gerade die ländlichen Regionen leiden unter Bevölkerungsschwund. Außerdem: Die durchschnittliche Hofgröße beträgt in Japan nicht einmal zwei Fußballfelder. Und die Kleinbauern, die immer noch eine wichtige Rolle spielen, überaltern zusehends.

Gleichzeitig schwimmt die Norinchukin in Geld und muss es irgendwie gewinnbringend anlegen. Denn sie steht bei ihrer Kundschaft im Wort. Ihr Chef Kazuto Oku warnte zwar schon im Herbst 2018 vor Negativzinsen in Japan und steigenden Kapitalkosten im Ausland: „Die wirtschaftliche und finanzielle Lage bleibt harsch.“

Doch gleichzeitig verspricht die Bank in ihren Geschäftsberichten weiterhin, „durch die hohe Entwicklung der gegenwärtigen globalen diversifizierten Investitionsstrategie“ stabile Erträge zu erzielen. Tatsächlich gelten die Manager der Norinchukin durchaus als versierte Investoren. Moody’s beschreibt das Portfolio als „gut diversifiziert“.

Die Regierung berief 2016 sogar den Norinchukin-Manager Norihiro Takahashi, der die Anlagen von Japans Genossenschaften recht sicher durch die Finanzkrise gebracht hatte, zum Präsidenten von Japans Pensionsinvestmentfonds GPIF.

Aber Moody‘s warnt auch vor den Schattenseiten. „Norinchukins Strategie, die das Management großer Portfolios an heimischen und ausländischen Wertpapieren erfordert, setzt die Bank einem höheren Marktrisiko als Kredite aus.“ Doch die Norinchukin hat wohl kaum eine Wahl. Sie wird weiter im Ausland nach profitablen Anlagen suchen müssen.

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